Jette Waldinger-Thiering
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Die Schüler und Schülerinnen werden im schulischen Ganztag einen großen Teil ihrer unterrichtsfreien Zeit verbringen, die Freizeit, die bisher oft in lokalen Vereinen verbracht wurde. Ein breit gefächertes Sportangebot für unsere Kinderund Jugendlichen ist besonders im Hinblick auf die Gesundheitsförderung enorm wichtig. Wenn es aber um die konkrete Schaffung von Infrastrukturen geht, darf man die vorhandenen Vereins- und Organisationsstrukturen nicht vergessen. Besonders in den ländlichen Gebieten bangen nicht nur die Sportvereine, sondern auch Musik- und Tanzschulen, die Jugendfeuerwehr oder die Pfadfinder durch die Konkurrenz des Ganztagsangebots um ihre Mitglieder. Viele Schülerinnen und Schüler besuchen nachmittags ehrenamtliche Freizeitangebote der lokalen Vereine und Organisationen, denen darf man das Wasser nicht abgraben. Es müssen gut verträgliche Kooperationen zwischen Schulen und den lokalen Angeboten entstehen. Besonders im Hinblick auf den Fachkräftemangel im pädagogischen Bereich und die schwindenden ehrenamtlichen Kursleiter könnten aus Synergieeffekten durchaus Win-win-Situationen entstehen, die den Schulen wie auch den Vereinen und Organisationen nützen. Ob zum Beispiel Sportvereine, die bisher nachmittags ihr Angebot in der Schulsporthalle angeboten haben, in das Ganztagskonzept integriert werden oder ob die Schule Angebote in die Vereine und Organisationen auslagert, muss mit allen Beteiligten vor Ort beraten und geplant werden. Besonders wichtig ist es, die bestehende Angebotsstruktur zu berücksichtigen, um die Finanzierunganteile der Kommunen und Schulträger zu planen. Wir begrüßen die vom LSV vorgelegten Handlungsempfehlungen und fordern die Landesregierung auf, diese in Kooperation mit dem LSV weitestgehend umzusetzen und die hierfür notwendigen finanziellen, personellen und konzeptionellen Rahmenbedingungen zu schaffen. (Beifall SSW und FDP) Auch wenn der LSV mit seinen vorgelegten Handlungsempfehlungen eine gute Grundlage für die Einbindung der Sportvereine im schulischen Ganztag geschaffen hat, so müssen analog dazu auch Handlungsgrundlagen mit den Kulturverbänden erarbeitet werden. Deshalb begrüßen wir den Koalitionsantrag, der jetzt noch rechtzeitig zu dem verschobenen TOP aus dem Januar-Plenum gestellt wurde. Genauso wie mit den Sportverbänden müssen wir im Kulturbereich Synergieeffekte schaffen, um Musik-, Theater-, Kunst- und Sprachangebote im schulischen Ganztag qualitativ anzubieten. (Beifall Uta Röpcke [BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN]) Der schulische Ganztag bietet den Schülern und Schülerinnen die Chance, auch außerschulische Orte zu besuchen und kulturelle Bildung zu erfahren. Besuche von Konzerten, Museen, Ausstellungen oder der regelmäßige Besuch einer Bücherei können das Angebot des schulischen Ganztages bereichern. Ich kenne das Beispiel einer kleinen Schule, die in der Nachmittagsbetreuung regelmäßig mit den Kindern in die hiesige Bücherei fährt und dort das Kinderprogramm wie Vorlesungen, Bücherkino oder einfach nur die Ausleihe der Bücher nutzt. Damit hat man bisher gute Erfahrungen gemacht, denn durch die Anbindung der Familien profitieren nicht nur die Kinder, sondern auch die Eltern und die Bücherei von den regelmäßigen Besuchen. Solche Bestrebungen sollten unbedingt gefördert und unterstützt werden, um den rechtlichen Anspruch auf die schulische Ganztagesbetreuung als Bildungschance für unsere Schüler und Schülerinnen zu nutzen. Dazu ist es mir noch einmal wichtig darauf hinzuweisen, dass auch der Bund die Länder weitgehend finanziell unterstützen muss. (Beifall Martin Habersaat [SPD] und Beate Raudies [SPD]) Vor allem aber darf das Land die Kommunen und Schulträger nicht mit dieser Mammutaufgabe alleinlassen. Deshalb verwundert es mich schon, wenn wir uns den Antrag vom letzten Jahr angucken und lesen, dass wir eigentlich jetzt, im zweiten Quartal 2024, ein Konzept vorliegen haben sollten, dass das auf Ende des Jahres verschoben wird. 2026 ist ein bisschen um die Ecke, das kommt ganz schnell. Geplant und gebaut muss auch noch werden. Multiprofessionelle Teams wachsen vielleicht nicht auf den Bäumen, das wissen wir alle. Vielleicht kann man aber auch über schulische Assistenten in Form von Runden Tischen und anderen nachdenken. Die können gute Hilfe bei Kindern bieten, die Hilfe gebrauchen. Ich hoffe insofern, dass wir endlich mal Butter bei die Fische geben und mit diesem Konzept weiterkommen und Kultur und Sport integrieren, damit (Jette Waldinger-Thiering) wir einen runden und guten Ganztag für unsere Schülerinnen und Schüler hinkriegen. (Beifall SSW, FDP, vereinzelt SPD und Beifall Malte Krüger [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
