Dr. Heiner Garg
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Frau Präsidentin, keine Angst, ich will ganz versöhnlich sein. Das letzte Viertel der Rede der Finanzministerin hat mich dazu gebracht, mich noch einmal zu melden. Ich würde Ihnen bei dem, was Sie zu geopolitischen Herausforderungen Schleswig-Holsteins, Deutschlands, Europas gesagt haben, mitnichten widersprechen. Ehrlicherweise glaube ich, dass wir hier in Zukunft über Dimensionen reden, bei denen sich manche noch überhaupt nicht vorstellen können, was dabei für uns herauskommt. Mich lassen die Sätze insbesondere von Sigmar Gabriel, aber auch von Joschka Fischer nicht mehr los, die von einer jahrzehntelangen Herausforderung gesprochen haben, von einer jahrzehntelangen Auseinandersetzung mit Russland. Wir reden von Jahrzehnten, wir reden nicht über Jahre. Frau Finanzministerin, deshalb habe ich mich noch einmal gemeldet: Ich glaube, dass jetzt schon die Chance besteht, einmal insgesamt darauf zu gucken, ob das den Landeshaushalt wirklich zusätzlich belasten würde. Wenn man sich die ganze Veranstaltung einmal mittel- bis langfristig ansieht, dann kann man sich vor Augen führen: Was würde denn passieren, wenn Personal weiter abwanderte? Die Leistungen müssen ja erbracht werden. Wir müssen uns einmal ehrlich angucken: Wie viel bezahlt das UKSH heute schon für Leiharbeitnehmerinnen und Leiharbeitnehmer? Dies belastet das UKSH erheblich. (Beifall FDP, SPD und SSW) Ich weiß nicht, was bei diesem Vergleich herauskommt. Das sage ich ganz offen und ehrlich. Ich glaube aber, dass die Befürchtung, die Sie haben und die Sie als Finanzministerin haben müssen, dass das einfach nur wieder ein zusätzliches Wünsch-dir-was-Programm der Opposition ist, nicht zutrifft. Ich finde, die Kollegin Krämer hat das sozialpolitisch richtig dargestellt. Auch emotional hat sie, so finde ich, endlich einmal Klartext gesprochen, was diese Menschen leisten und mit wie wenig Geld sie dafür nach Haus gehen müssen. Frau Finanzministerin, deshalb möchte ich den Fokus noch einmal auf die Frage lenken, ob es nicht wirklich notwendig ist und ob es sich nicht auch (Dr. Heiner Garg) lohnt, sich anzusehen, ob die Sicht, die Sie eingenommen haben, sich möglicherweise am Ende gar nicht als zutreffend herausstellt. Sollten wir nicht vielmehr dafür sorgen, dass wir die zusätzlichen Belastungen, die dem UKSH durch Leiharbeit entstehen, möglicherweise, jedenfalls zum großen Teil, dadurch kompensieren könnten, dass man etwas dafür täte, dass sich die Menschen wieder als integralen Bestandteil eines Unternehmens und angenommen fühlen und für die gemeinsame Sache arbeiten, weil sie dafür anständig entlohnt werden? Die Kosten steigen ja ständig durch die Personalnot. (Beifall FDP, SPD und SSW) Für diesen Blick werbe ich, weil der Trend, den der Kollege Petersdotter und auch Sie geschildert haben, so ist: Vor 15 Jahren war Outsourcing in. Wissen Sie, was inzwischen wieder in ist? – Insourcing, meine sehr geehrten Damen und Herren.
