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Jette Waldinger-Thiering

SSW 21.02.2024 Sitzungen 20/51

Sehr geehrte Landtagspräsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Unser Wissenschaftssystem befindet sich mitten in einer Umbruchphase. Es war richtig, die Begutachtung in Auftrag zu geben und die gesamte Hochschullandschaft zu betrachten. Unsere Hochschulen in Schleswig-Holstein sollten auch weiterhin ihren Schwerpunkt auf Transfer setzen. Wieso sage ich das? Die zentrale Rolle unserer Hochschulen wird durch den stetigen Dialog mit allen gesellschaftlichen Kräften entwickelt und definiert. In Erfüllung dieser Rolle erbringen unsere Hochschulen Leistungen, die sehr wichtig sind für die wissenschaftliche, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Entwicklung Schleswig-Holsteins. Deshalb ist es auch von großer Bedeutung – nicht nur für die Studierenden an unseren Hochschulen, sondern auch für das Land Schleswig-Holstein –, dass genau die Förderung von Innovationen und Wertschöpfung gesteigert wird. Wenn wir über die Stärkung der Forschung und Lehre sprechen wollen, dann müssen wir auch über eine Anpassung der Besoldung und Lehrverpflichtungsverordnung und über die Situation der wissenschaftlichen Mitarbeiter_innen sprechen. Wir brauchen einen starken Mittelbau. Was fehlt, sind Graduiertenkollegs, die eine Promotion ermöglichen. Andere Bundesländer und viele Stiftungen sind schon auf den Weg der interdisziplinären Stärkung der Kollegs gegangen. Die kollegiale Atmosphäre der Kollegs löst den ansonsten vorherrschenden einzelkämpferischen Charakter dieser Karrierephase ab. Nicht mehr allein am Schreibtisch, sondern gemeinsam im Verbund zu forschen, ist eine gute Vorbereitung für die anschließende Hochschulkarriere – beziehungsweise könnte es sein. Der Bewilligungsausschuss der Deutschen Forschungsgemeinschaft hat vor Kurzem beschlossen, dass auch Fachhochschulen und Hochschulen für angewandte Wissenschaften künftig die Möglichkeit erhalten, Anträge im Graduiertenkolleg-Programm zu stellen. Diese neue Chance sollte Schleswig-Holstein unbedingt nutzen, um den Wissenschaftsstandort zu stärken. Dazu gehört im Besonderem die Förderung von Start-ups, ob es um die Themen der erneuerbaren Energien oder der Kreativwirtschaft geht. Wir brauchen eine verstärkte Gründungsbetreuung. Dazu gehören auch eine gute Gebäudestruktur und eine verlässliche Zusammenarbeit mit unseren Wirtschaftsfördergesellschaften, um den Man- (Jette Waldinger-Thiering) gel an Wirtschaftsstandorten auszugleichen. Jeder Hochschulstandort in Schleswig-Holstein hat seine Stärken. Ich sage das deswegen so deutlich, weil jeder Standort – ob an der Westküste, an der Ostsee oder im Inneren des Landes – unsere Wissenschaft und Forschung repräsentiert. Wenn wir mit der Brille der Internationalisierung gucken, muss ich feststellen, dass wir hier noch mindestens eine ganze Schippe drauflegen müssen. Wir brauchen internationale Studierende, um den Austausch von Wissen und Kulturverständigung zu haben. Dafür braucht es bezahlbares studentisches Wohnen. Eine gemeinsame Vermarktung und Sichtbarkeit unserer Hochschulen könnten ein erster Schritt sein. Die Hochschulen sind teilweise erschreckend unterfinanziert. Die Kostenexplosion bei den Energiekosten konnte weitgehend entschärft werden, aber die allgemeine Kostensteigerung bei Löhnen, Gehältern, dem Einkauf, der Gebäudekosten und so weiter bringen die Hochschulen ganz schön in die Bredouille. Diese Mehrkosten können nicht allein durch interne Maßnahmen aufgefangen werden. Wer dann aber anfängt, die kleinen Fächer aus Kostengründen zu streichen, legt vielleicht auch die Axt an die Minderheitenrechte im Land. Kleine Fächer sind nicht klein, weil sie es unbedingt wollen. So schön eine friesische Fakultät wäre, das Fach gibt es leider nicht her. Man kann also die Hochschullandschaft nicht über einen Kamm scheren, sondern muss genau hinschauen, wo was passiert. Die Minderheitenforschung gehört dabei zu den hiesigen Unique Selling Points, um die uns andere Bundesländer beneiden. Sie sind also eine gute Investition. Ich möchte die vorherige Debatte aufgreifen. Fakt ist: Was wir im Ältestenrat besprechen, bleibt im Ältestenrat! Punkt! Dann ist es auch so: Wenn Tagesordnungspunkte von der Tagesordnung genommen werden, ist das eine gemeinsame Entscheidung der PGF. Was ganz wichtig ist: Das stärkt auch nicht diese Debatte, weil wir uns um die Inhalte kümmern müssen. Wenn die Ministerin sagt, dass die Strategie und die Umsetzung des Berichts des Wissenschaftsrates fünf bis zehn Jahre dauert, dann muss ich leider mit Sorge sagen: Das ist mir viel zu lang. Es gibt da sicherlich kleine Punkte, die wir schnell umsetzen können. Ich glaube, die Zeit wird uns davonrennen, wenn wir wirklich mindestens fünf Jahre, vielleicht sogar zehn Jahre brauchen, um das umzusetzen. In diesem Zeitraum wird sich die Wissenschaft so verändert haben, dass wir wieder den Zug verpasst haben. Wir sollten – mündliche Berichte kann man leider nicht in den Ausschuss überweisen – weiterhin die Empfehlungen des Wissenschaftsrats im Ausschuss miteinander diskutieren, beraten, vertiefen und auch begleiten. Das sind wir unseren Hochschulstandorten in Schleswig-Holstein schuldig. Ich wünsche der CAU, dass sie Erfolg hat, denn es ist wichtig, dass wir mindestens ein großes Flaggschiff in Schleswig-Holstein haben. – Vielen Dank für die Aufmerksamkeit. (Beifall SSW, SPD und FDP, Bina Braun [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] und Eka von Kalben [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])

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