Christopher Vogt
Liebe Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Mit Blick auf die aktuelle Tabellensituation werde ich unsere Hochschulen bei aller Sympathie nicht mit dem VfB Lübeck, auch nicht mit Schalke 04, sondern mit Sankt Pauli und Holstein Kiel vergleichen. Das ist, glaube ich, das bessere Bild. (Beifall FDP und SSW) – Da klatscht sogar der HSV-Fan Lars Harms. Das ist berechtigt. Die Wissenschaft ist neben Bildung, Kultur, Polizei, Justiz und einem Teil der Verkehrsinfrastruktur eine der wichtigsten Kernaufgaben unseres Bundeslandes. Die Stärkung des Wissenschaftsstandortes ist von entscheidender Bedeutung für die Zukunftsfähigkeit unseres Bundeslandes. Ich bin dankbar, dass alle das in ähnlicher Form betont haben. Aus meiner Sicht muss sich dies zukünftig noch deutlicher im landespolitischen Alltag abbilden. Da gibt es Luft nach oben. Unter der Jamaikakoalition wurden die Hochschulen des Landes erheblich gestärkt, zum Bei- (Christopher Vogt) spiel durch eine kontinuierlich bessere Grundfinanzierung, mehr Investitionen in den Hochschulbau oder auch mit dem novellierten Hochschulgesetz durch mehr Freiräume für die Hochschulen. Auch das vorliegende Gutachten des Wissenschaftsrates wurde noch von der Jamaikakoalition in Auftrag gegeben. Aus unserer Sicht war das die richtige Entscheidung. Es war eigentlich überfällig, dass man diesen sehr umfangreichen, fachkundigen externen Blick auf den Wissenschaftsstandort richtet und entsprechende Empfehlungen abgibt. Wir haben eine gute und vielfältige Hochschullandschaft. Das will ich sehr deutlich betonen. Es gab in den letzten Jahren auch eine verstärkte Profilbildung, die allerdings noch weiter vorangetrieben werden sollte. Wir haben nicht nur gute Universitäten, wir haben auch gute Fachhochschulen, künstlerische Hochschulen, auf die wir noch stärker hinweisen sollten, und auch private Hochschulen. Auch das Universitätsklinikum und die außeruniversitären Forschungseinrichtungen, von denen wir in SchleswigHolstein recht viele haben, können sich im bundesweiten Vergleich durchaus sehen lassen. Sie alle bilden nicht nur Fachkräfte aus, sondern ziehen auch junge Talente aus dem In- und Ausland an – das müssen wir weiter verstärken – und sind extrem wichtige Innovationstreiber. Die Analyse und die Empfehlungen des Wissenschaftsrats halte ich für ausgesprochen wertvoll. Vieles ist aber – wenn wir ehrlich sind – nicht besonders überraschend. Viele Empfehlungen, die grundlegenden Punkte wussten viele Beteiligte aus dem hochschulpolitischen Bereich schon. So soll für unser Bundesland eine Hochschulstrategie erarbeitet werden, die bisher schlichtweg fehlt. Wir haben das auch in unserem Wahlprogramm vorgeschlagen. Das ist natürlich leichter gesagt als getan, aber notwendig. (Beifall FDP) Die Finanzsituation der Hochschulen sollte weiter verbessert werden; angesichts der Haushaltsprobleme des Landes – wir haben es bei der Debatte eben erlebt – muss man allerdings die Sorge haben, dass in den nächsten Jahren das genaue Gegenteil an unseren Hochschulen droht. Der Wissenschaftsrat schlägt zudem mehr Synergieeffekte und eine bessere Steuerung vor, unter anderem beim Hochschulbau. Auch das ist ein Riesenthema, um das wir uns dringend kümmern müssen. Die Profilierung sollte weiter vorangetrieben und der Transfer verbessert werden. Die vorgeschlagene Stärkung der internationalen Ausrichtung und Forschung ist ebenfalls nachvollziehbar und wenig überraschend.
