Jette Waldinger-Thiering
Sehr geehrte Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Im Dezember-Plenum haben wir (Unruhe) in einer Aktuellen Stunde zu den alarmierenden PISA-Ergebnissen gesprochen. Als Erklärung für das schlechte Abschneiden der Schüler und Schülerinnen in der PISA-Studie wie auch in der IQB-Studie wurde in erster Linie auf die wachsende Zahl an geflüchteten Kindern und Jugendlichen an den (Jette Waldinger-Thiering) Schulen verwiesen. Allerdings wird in den Analysen und Evaluierungen der PISA- und IQB-Ergebnisse immer wieder deutlich, dass die Förderung unserer Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund besonders im Hinblick auf die basale Fähigkeit – also auch Sprache – unzureichend ist. Das wiederum führt dazu, dass die Leistungsschere zwischen Schüler und Schülerinnen mit und ohne Migrationshintergrund immer weiter auseinanderklafft. Hier besteht doch schon eine klar erkennbare Schieflage. Statt eine gut durchdachten und umfangreiche Investition für den Ausbau der Sprachförderung – wie zum Beispiel des DaZ-Unterrichts an allgemeinbildenden und beruflichen Schulen – zu tätigen, werden hier die Mittel gekürzt und die Klassengrößen erhöht, obwohl ganz klar benannt wird, dass sich die Anzahl der DaZ-Schüler und ‑Schülerinnen aufgrund des russischen Angriffskriegs in der Ukraine quasi verdoppelt hat. Die einzige halbherzige Lösung, um möglichst viele Schülerinnen und Schüler mit DaZ-Unterricht zu versorgen, besteht darin, die Schülerzahlen von 16 auf 18 pro Klasse zu erhöhen – also kaum weniger als die durchschnittliche Schülerzahl in einer regulären Grundschulklasse. Für viele DaZ-Lehrkräfte wird der Unterricht dadurch nur noch herausfordernder, als er ohnehin schon ist. Aufgrund des aktuellen Lehrkräftemangels ist es jetzt besonders wichtig, attraktive Anreize für DaZ-Lehrkräfte, vor allem für Quereinsteiger, zu schaffen, um den Bedarf an DaZ-Lehrkräften zu decken. Der Einsatz von DaZ-Lehrkräften muss der Aufgabe entsprechend honoriert werden. Statt Klassen zu vergrößern, muss der Unterricht für die Schüler und Schülerinnen mit den unterschiedlichen Ausgangssprachen und unterschiedlichen Ausgangsniveaus individuell und effektiv gestaltet und angepasst werden. Die Sprachförderung unserer Schülerinnen und Schüler ist notwendig, denn Sprachkompetenz ist eine wichtige Stellschraube, wenn es um Integration und Teilhabe geht. Sprachkompetenzen sind die Grundlage, um zu kommunizieren, um sich mitzuteilen und um Zusammenhänge zu verstehen. Sie bilden die Basis, um Fähigkeiten und Talente zu entwickeln. Nicht nur die Schulleistungen werden durch Sprachkompetenzen verbessert, auch die gesellschaftliche Teilhabe und Integration steht und fällt mit den sprachlichen Fähigkeiten. Gute Sprachkompetenzen der Schüler und Schülerinnen können sich so auch positiv auf die Integration des gesamten Familiensystems auswirken. Somit führt intensive Sprachförderung gleichzeitig zu Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit. Eigentlich haben wir diesbezüglich kein Erkenntnisdefizit. Bei uns ist der Groschen gefallen. Wir haben ein deutliches Handlungsdefizit. Zusammengefasst heißt das: Die Sprachförderung in Form von DaZ-Unterricht an allgemein- und berufsbildenden Schulen muss ausgebaut und erweitert werden. Dafür müssen mehr Quereinsteiger für das DaZ-Lehramt gewonnen werden und die bisherigen Sprachförderkonzepte evaluiert und verbessert werden. Eine Investition in den Ausbau der Sprachförderung ist besonders nachhaltig und effektiv investiertes Geld. Wir stärken hiermit nicht nur unsere Schüler und Schülerinnen, sondern einen großen Teil unserer Gesellschaft. Deshalb bin ich froh, dass wir unseren gemeinsamen Antrag von SPD und SSW in den Ausschuss überweisen, wo wir hoffentlich ordentlich darüber diskutieren, wie genau wir dieses Problem anpacken können. Bei uns ist der Groschen gefallen. Wenn man den Satz nicht richtig versteht: Wir sind, als die große Flüchtlingskrise anfing, mit dem DaZKonzept gestartet. Und, kære venner, irgendwann kann man das auch mal evaluieren und gucken: Wie können wir es verbessern, wie können wir es ausbauen? – Etwas anderes wollen wir gar nicht. Insofern sollten wir im Ausschuss darüber diskutieren. Wir gehen alle auf die Straße und demonstrieren gegen das, was wir nicht haben wollen. Geben wir uns doch gemeinsam den Ruck, diesen Kindern die Möglichkeit zu geben, unter schwierigen Voraussetzungen ein Teil dieser Gesellschaft zu werden. (Beifall SSW und SPD)
