Werner Kalinka
Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Der Bericht gibt einen umfassenden Einblick in die schwierigen und sensiblen Situationen und die Komplexität. Ich möchte, auch für die CDU-Fraktion, der Frau Ministerin und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die diesen Bericht erstellt haben – auch für die Ankündigung, einen weiteren hinzuzusetzen –, sehr herzlich danken. (Beifall CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und SSW) Der Bericht zeigt viele Möglichkeiten der Hilfe und Unterstützung auf. Das ist ganz besonders wichtig. Vielen ist der Tod des Nationaltorwarts Robert Enke 2009 nahegegangen – der Schock über die Nachricht, die bewegende Trauerfeier, aber auch als dann bekannt wurde, welch lange schwere Zeit hinter Robert Enke, seiner Familie und seinen Freunden lag. Angst vor Fehlern, Angst vor dem Versagen, Depression – das spielte eine Rolle. Es geht immer um „eine sehr große seelische innere Not“, wie der Bericht formuliert, in der ein Mensch steht, der in einer solchen Situation ist. Der Bericht setzt hinzu: „Vor der Gefahr, mit einer akuten Lebenskrise konfrontiert zu werden, ist niemand bewahrt.“ Häufig ist eine psychische Erkrankung die wichtigste Ursache. Es kommen aber auch andere mögliche Faktoren hinzu: Lebenskrisen, belastende Ereignisse, Stress, Enttäuschung, körperliche Erkrankungen. Dies alles – so sagt der Bericht, und dem ist nichts hinzuzufügen – könne „jeden Menschen an seine Grenzen bringen“. Umso wichtiger ist es, Hilfesignale aufzunehmen, zu versuchen zu helfen, den Kontakt zu halten, das Entstehen einer solchen Situation überhaupt zu erkennen. Alle Alters- und Gesellschaftsschichten sind betroffen. Ältere sind bei vollendeten Suiziden besonders betroffen, Mädchen und junge Frauen besonders bei Versuchen. Es gibt keine gesicherten Erkenntnisse dazu, aber ich denke, wir müssen uns dem Thema der Vereinsamung und der Einsamkeit besonders widmen. Erfreulich ist, dass die Zahl der Suizide in den vergangenen 23 Jahren um etwa 30 Prozent gesunken ist. Das ist schon alles vorgetragen worden. Im Bund sind es 31 Prozent, bei uns 33 Prozent. Dazu haben sicherlich auch die inzwischen umfangreichen Möglichkeiten der Angebote zur Hilfe beigetragen. Wir haben eine Reihe von dezentralen Angeboten. Wir haben mehr als 1.000 niedergelassene Ärzte, Psychotherapeutinnen und ‑therapeuten. Wir haben im vollstationären Bereich etwa 2.700 Betten, in der tagesklinischen Versorgung mehr als (Werner Kalinka) 1.000 Betten, davon 206 auch in der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Ein Problem sind die Wartezeiten, die zu lang sind. Der Bericht verschweigt dieses nicht. Er beruft sich auf eine Untersuchung – ich glaube der Bundesärztekammer –, wonach die Zeitspanne zwischen Erstgespräch und Therapiebeginn im Durchschnitt bei 142 Tagen liegt. Das ist natürlich zu viel. Es gibt zudem Selbsthilfegruppen, sozialpsychiatrische Dienste, Kriseninterventionsmöglichkeiten und offene Hilfen. Der Bericht geht auch auf die besonders schwierige Situation in Justizvollzugsanstalten ein, wo auch einiges getan wird, um der Gefahr in besonderer Weise zu begegnen. Der Bericht zeigt zudem eine Reihe von Präventionsangeboten auf, die Einbeziehung von Angehörigen und Freunden, und vor allen Dingen auch einen weiteren Punkt, die Entstigmatisierung von psychischen Erkrankungen und die Maßnahmen, die dazu geeignet sind. Ich glaube, das ist auch ein ganz, ganz wichtiger Punkt. Der Bericht endet: „Von besonderer Bedeutung ist auch die Schärfung des Bewusstseins durch Aufklärung der Öffentlichkeit und die Entstigmatisierung psychischer Krankheiten sowie eine verbesserte Identifikation vulnerabler Gruppen.“ Es ist wichtig, dass wir das im Landtag als Thema diskutieren, um einen kleinen Beitrag zur Hilfe zu leisten. Deshalb danke ich Christian Dirschauer für die Antragstellung zu dem Bericht ausdrücklich. – Ich danke für die Aufmerksamkeit. (Beifall CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, SSW und vereinzelt FDP)
