Uta Wentzel
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! „Mehr Bahn für alle“: Mit diesem Slogan wirbt die Deutsche Bahn seit Beginn des Jahres. Aber gilt das auch für den echten Norden, oder endet der Norden für die Deutsche Bahn in Hamburg? – Wir sprechen heute über eine bessere Verkehrsanbindung von Flensburg an den Fernverkehr. Es geht hier also nicht um irgendeinen Halt an einer Milchkanne, sondern um Flensburg: die drittgrößte Stadt Schleswig-Holsteins. (Christian Dirschauer [SSW]: Und schönste! – Zurufe) – Ja, natürlich. – Fast 100.000 Einwohner im Stadtgebiet, 200.000 im Radius von zwölf Kilometern um den Bahnhof und – wir haben es eben schon gehört – 700.000 in der Grenzregion SønderjyllandSchleswig. Wir sind das Oberzentrum im Norden und in der deutsch-dänischen Grenzregion. Wir sind das Tor nach Skandinavien. Bisher konnten wir in gut drei Stunden nach Kopenhagen reisen. Mit dem Fahrplanwechsel ist dies nicht mehr möglich. Dabei haben wir in Flensburg zwei Hochschulen, 32 Schulen, zwei Krankenhäuser, sind Marinestandort, ein bedeutender Wirtschaftsraum mit einer florierenden Start-up-Szene und ein attraktives touristisches Ziel. Gäste, Soldaten, Schüler, Auszubildende, Studenten, Arbeitnehmer, Pendler und Privatleute: Wir alle sind auf eine vernünftige Bahnanbindung angewiesen. (Beifall CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und SSW) Deshalb setzen wir uns heute in diesem Hohen Haus für die Sanierung und den Ausbau der Strecke Hamburg–Padborg ein. Die Fahrzeit dauert hier viel zu lang. Für die 150 Kilometer brauchen wir meistens über zwei Stunden. Auch wäre ein neuer Haltepunkt direkt an der Strecke in Flensburg-Weiche eine Option. Verstehen Sie mich aber nicht falsch: Wir Flensburger haben nichts gegen unseren Bahnhof, im Gegenteil. Wir lieben ihn. Er liegt zentral, fußläufig zur Innenstadt und zum Campus, ist gut erreichbar. Ich brauche mit dem Rad sechs Minuten. (Lebhafter Beifall Martin Habersaat [SPD] – Martin Habersaat [SPD]: Sechs Minuten! Nicht schlecht!) Auch mit dem Bus und mit dem Auto ist man schnell da. Für die Bahn ist es aber ein Umweg, ihn anzufahren. Die Flensburger Schleife führe zu Zeitverlusten. Wenn das bedeutet, dass die Fernzüge an Flensburg vorbeifahren, plädieren wir für einen Haltepunkt in Flensburg-Weiche, gelegen an der Strecke nach Dänemark, quasi unser Kassel-Wilhelmshöhe. Auch der Rat der Stadt Flensburg hat sich fraktionsübergreifend für einen guten Anschluss Flensburgs ausgesprochen. Ebenso setzen sich unsere drei Flensburger Bundestagsabgeordneten, Petra Nicolaisen, Stefan Seidler und Robert Habeck, für eine bessere Bahnanbin- (Uta Wentzel) dung ein. Auch wir, meine lieben Kolleginnen und Kollegen, sprechen hier mit einer Stimme: Hängen Sie den Norden nicht ab! (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Wie sieht es in vergleichbar großen Städten im Rest der Republik aus? Schwerin, 100.000 Einwohner: täglich 56 Fernzüge. Wolfsburg, 125.000 Einwohner: täglich 115 Fernzüge. Erfurt, 215.000 Einwohner: täglich 141 Fernzüge. Kassel, 200.000 Einwohner: täglich 215 Fernzüge. Kiel: 14 Fernzüge. Lübeck: 15 Fernzüge. Neumünster: 26 Fernzüge, wenn man die 14 aus Kiel mitzählt. Und Flensburg: bald null Fernzüge? (Zuruf Dr. Bernd Buchholz [FDP]) Wenn es nach den Plänen der Deutschen Bahn geht, halten in den vier größten Städten Schleswig-Holsteins zukünftig täglich gerade mal 56 Fernzüge, weniger als in Freiburg oder Schwerin. Der Norden bleibt auf der Strecke. Liebe Deutsche Bahn: Wir sind in Flensburg Kummer gewöhnt. Ich bin regelmäßige Bahnfahrerin und Pendlerin. Ich kann ein Lied davon singen, aber diese aktuellen Entwicklungen nehmen wir nicht hin. Auf ihrer Homepage schreiben sie: „Mehr Bahn für alle“. – Das fasst die großen Zukunftsprojekte der DB zur Steigerung der Reisendenzahlen und für mehr Klimaschutz zusammen. Dieses Ziel haben wir so ähnlich auch im Koalitionsvertrag formuliert: Wir brauchen mehr Verbindungen, nicht weniger. – Wir unterstützen sie gern beim Ausbau und möchten ihre Partner und Fahrgäste sein. Auch NAH.SH und das Wirtschaftsministerium zeigen sich offen und kooperativ. Schleswig-Holstein steht hier geschlossen zusammen: Mehr Bahn für alle! Liebe Deutsche Bahn, wir unterstützen Sie gern dabei, Ihren Slogan im Norden mit Leben zu füllen. – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und SSW)
