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Jette Waldinger-Thiering

SSW 13.12.2023 Sitzungen 20/45

Sehr geehrte Frau Landtagspräsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Schleswig-Holstein und Dänemark grenzen nicht erst seit gestern aneinander. Auch die institutionalisierte grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Rahmen der Region Sønderjylland-Schleswig gibt es mittlerweile seit gut 25 Jahren. Und doch gibt es noch und immer noch viele offene Fragen und ungeklärte Probleme im grenzüberschreitenden Kontakt. Die Lösung von Problemen verlangt sowohl Fachleuten als auch Bürgerinnen und Bürgern, die in die eine oder andere Richtung zum Arbeiten über die Grenze pendeln, immer wieder eine Menge Geduld ab. Das Regionskontor der Region Sønderjylland-Schleswig hat kürzlich eine Liste mit ungelösten Grenzhindernissen erstellt. Diese Liste umfasst stolze 43 Seiten – oder vielleicht eher beschämende 43 Seiten. Denn obwohl es mittlerweile seit Jahrzehnten immer wieder Initiativen gibt – mal aus Berlin, mal aus Kopenhagen, aus Kiel oder aus Vejle –, um die Zusammenarbeit voranzubringen, ist da noch immer eine Menge Luft nach oben. Ich nenne Ihnen ein Beispiel: Ein Deutscher pendelt aus Flensburg nach Padborg zur Arbeit. Sein Kind kann er morgens mitnehmen, denn das geht direkt neben der Firma in den örtlichen Kindergarten. Wenn nun aber ein Däne aus Padborg nach Flensburg pendelt, ist das nicht so einfach. Der Anspruch auf einen Kitaplatz hängt in Deutschland vom Wohnsitz, in Dänemark hingegen von der Frage ab, wo die Steuern entrichtet werden. Solche praktischen Fragen sind es, die dazu führen, dass die Grenze im Leben der Menschen eben doch eine wahrnehmbare Grenze bleibt. Vieles ist in der Praxis schwierig, weil die Zuständigkeiten unterschiedliche sind. Da sind Experimentierklauseln nicht das, was uns voranbringt, zumal die Gefahr besteht, dass sich Experimentierklauseln auf Landesebene im Dickicht der verschiedenen nationalstaatlichen und übergeordneten europäischen Regeln verlieren. Wir brauchen dauerhafte und rechtssichere Lösungen für bestehende Probleme. Auch ein grundsätzlicher Bürokratieabbau und die Vereinfachung von Verwaltungsverfahren sind längst überfällig, im Übrigen nicht nur im grenzüberschreitenden Kontext. Im Idealfall ist die Grenze für diejenigen, die sie überqueren, gar nicht mehr wahrnehmbar. Das wünschen wir uns auch im Bereich der Gesundheitsversorgung. Wie kann es sein, dass Patienten, die in Kruså leben, für eine Operation nach Vejle oder Odense geschickt werden und nicht nach Flensburg? Da waren wir in der Zusammenarbeit schon einmal deutlich weiter. (Dr. Heiner Garg [FDP]: Ja, das stimmt!) Viele Jahre war es selbstverständlich, dass Krebspatienten aus Süddänemark in Flensburg behandelt wurden. Da müssen wir wieder hin. (Beifall SSW, SPD, Lasse Petersdotter [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] und Uta Röpcke [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Das gilt im Übrigen für beide Richtungen. Auch im eher strukturschwachen Raum südlich der Grenze könnten Patienten vielerorts von einer Behandlung in Dänemark profitieren, weil Wege oder auch Wartezeiten kürzer sind. Hier muss das Land wieder den Dialog mit der Region Syddanmark aufnehmen, um gute Lösungen für die Menschen in der Region zu finden. Auch die Umsetzung des europäischen grenzüberschreitenden Mechanismus muss endlich angegangen werden. (Beifall SSW und FDP) Von den darin vorgesehenen Möglichkeiten könnten viele grenzüberschreitende Akteure profitieren. Letzten Endes müssen wir uns alle grenzüberschreitenden Hindernisse und Probleme genau anschauen und Lösungen herbeiführen. Dafür braucht es ausreichend finanzielle Mittel und Personal. Daher sollte das Land perspektivisch einen recht überschaubaren Beitrag von 150.000 Euro im Jahr zur Arbeiterregion Sønderjylland-Schleswig erhöhen, damit man dort ausreichend Ressourcen aufbauen kann, um die Probleme wirklich anzupacken. Es kann nicht sein, dass viele Probleme, wie etwa die Anerkennung von Berufsausbildungen, seit Jahrzehnten ungelöst sind und keiner weiß, wie es geht. Da stehen wir als Politiker in der Verantwortung, auch im Dialog mit den entsprechenden dänischen Stellen. Damit dieser Dialog auf allen Ebenen gelingen kann, braucht es auch Sprachkenntnisse. Nur dort, wo Menschen sich ohne Sprachbarriere begegnen können, gelingt eine gute Zusammenarbeit. Dafür müssen wir mit entsprechenden Unterrichtsangeboten in unseren Schulen den Grundstein legen. Zu- (Jette Waldinger-Thiering) sammenarbeit lebt vom Arbeiten. Da müssen wir endlich loslegen. (Beifall SSW, FDP, Lasse Petersdotter [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] und Uta Röpcke [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])

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