Jette Waldinger-Thiering
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Es ist schon viel gesagt worden zu der guten Bildungsoffensive, kurz BiLEV, sowie zu deren Zielen und Inhalten. Außerdem brauchen wir das Unterrichtsfach WiPo, um mehr Verbraucherbildung haben zu können. Das BiLEV ist federführend vom Landwirtschaftsministerium in Zusammenarbeit mit dem Bildungsministerium entstanden. Es ist wirklich lobenswert, was für eine gute und umfangreiche Initiative hier entwickelt wurde. Die BiLEV ist ein gut durchdachtes und vielseitiges Konzept, das den Schülerinnen und Schülern ein realistisches Bild von Landwirtschaft und der Erzeugung von Nahrungsmitteln vermittelt. Durch die enge Anbindung an die EU Flensburg werden die verschiedenen Ansätze und Konzepte wissenschaftlich begleitet und eine Vielzahl von Akteuren aus der Landwirtschaft direkt einbezogen. Das Beste an der BiLEV ist aber, dass sie die Schulen nicht noch zusätzlich belastet, sondern den Lehrkräften fachgerecht zuarbeitet. Durch die Förderung der Unterrichtsform „Lernen an einem anderen Ort“ macht es durchaus Sinn, die hochquali- (Jette Waldinger-Thiering) tativen Angebote der BiLEV zu nutzen. Wo sonst könnte das Wissen über Lebensmittelerzeugung besser vermittelt werden als direkt in der Landwirtschaft? Die BiLEV setzt ihren Fokus auf die Wissensund Wertevermittlung in Bezug auf Nahrungsmittelerzeugung, Nachhaltigkeit und moderne Landwirtschaft. Die Schülerinnen und Schüler sollen lernen, welchen Wert Nahrungsmittel haben, um sich später bewusster für Ernährung und Lebensmittel entscheiden zu können. Hierbei wird sich auch auf die Verschwendung von Lebensmitteln und somit auf Nachhaltigkeit bezogen. Im Antrag der SPD geht es um ein ganz anderes Themenfeld im Bereich der Verbraucherbildung. Auch wenn die Aufklärung über Produktionsverläufe in der Textilindustrie – Stichwort „Fast Fashion“ – zum bewussterem Kleidungskonsum beitragen kann, so ist dieses Thema wie auch der Umgang mit Finanzen, Vertragsabschlüssen und Konsum von sozialen Medien ein Themenbereich, der über den regulären WiPo- beziehungsweise Verbraucherbildungsunterricht abgedeckt werden sollte. Hierfür benötigen wir unseres Erachtens keine zusätzliche Bildungsoffensive, sondern eine generelle Anpassung der Lehrpläne und des Stundenkontingents dieser Fächer. Allein durch die Digitalisierung sind viele alltägliche Dinge nicht nur einfacher, sondern vor allem komplexer geworden. Deshalb wird die Verbraucherbildung eine höhere Priorität in den Schulen beanspruchen. Um die Schulen und Lehrkräfte nicht zu überfrachten, sollte man schulexterne didaktische Kompetenz und Konzepte wie die BiLEV nutzen. Die BiLEV sollte deshalb bei der Landwirtschaft angegliedert bleiben. Es wurde dort bereits viel Arbeit investiert. Nur so wird diese Bildungsoffensive ihre Ziele erreichen. Die Themen aus dem SPD-Antrag sind definitiv nicht weniger wichtig. Dennoch sollten sie in erster Linie über den regulären Unterricht einbezogen werden. Hierfür wird es in den kommenden Jahren sicherlich Anpassungen geben müssen. Im hoffnungsvollen Hinblick darauf, dass wir in einigen Jahren einen funktionierenden Ganztag an den Schulen haben, können zumindest in den ersten Jahrgängen einige Themenfelder der Verbraucherbildung auf den Nachmittagsbereich gelegt werden wie zum Beispiel der Besuch bei landwirtschaftlichen Betrieben. Wir müssen in Zukunft die Schulen weiter öffnen. Die Lehrkräfte können im Unterricht nicht alles leisten, was nötig ist, um unsere Kinder und Jugendlichen für das spätere Leben zu festigen. Das ist eine Gesellschaftsaufgabe. „Lernen an einem anderen Ort“ könnte so zu einem festen Bestandteil im Schulalltag werden und fachliche Kompetenzen von außen das System Schule unterstützen. Wir werden uns bei der Abstimmung über den SPD-Antrag der Stimme enthalten, weil wir der Meinung sind, dass wir Schulen nicht noch mehr Aufgaben geben sollten. Wie ich in meiner Rede dargestellt habe: Wir müssen den WiPo-Unterricht ausbauen. Außerdem hoffen wir auf den Ganztag, um so die Verbraucherbildung weiter auszubauen. – Vielen Dank. (Beifall SSW)
