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Jette Waldinger-Thiering

SSW 24.11.2023 Sitzungen 20/44

Sehr geehrte Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Wir begrüßen den Antrag der SPD, denn schon jetzt im November wird es Zeit für die Schulleiter im Land, das Schuljahr 2024/25 zu planen und zu organisieren. Die größte Herausforderung wird das Stricken der bedarfsgerechten Personaldecke sein, denn hier müssen jetzt zeitnah verbindliche Verträge geschlossen werden. Nachdem das PerspektivSchul-Projekt zu Recht hoch gelobt wurde und Frau Ministerin Prien die Zusage erteilte, dass das Projekt fortgesetzt wird, kam das Startchancen-Programm vom Bund on top. Eigentlich sollte damit zumindest die weitere Planung der bestehenden PerspektivSchulen finanziell gesichert sein und einer verbindlichen Zusage seitens des Landes nichts im Wege stehen, denn ohne diese verbindliche Zusage der Gelder können weder Verträge geschlossen noch schulische Strukturen verändert oder erneuert werden. Besonders für die Schulen, die zusätzlich in das Projekt aufgenommen werden sollen, ist die Herausforderung groß, solange sie nicht wissen, womit und ab wann sie mit etwas planen können. In den PerspektivSchulen haben sich die multiprofessionellen Teams gut bewährt, aber die Einstellung des Personals der verschiedenen Fachbereiche ist aufwändig, unter anderem aufgrund des Fachkräftemangels, der befristeten Verträge und der unterschiedlichen Trägerschaften. Man kann also nur hoffen, dass die hohe Priorität der Bildungsaufgaben nicht verkannt wird. (Jette Waldinger-Thiering) Wenn wir jetzt nicht schnell Klarheit über die finanzielle Absicherung der PerspektivSchulen schaffen, wird die Erhöhung der Anzahl der PerspektivSchulen nicht gelingen. Dabei hat die Erweiterung und Stärkung der PerspektivSchulen gerade im Hinblick auf den IQB Bildungstrend eine noch größere Bedeutung bekommen, denn das Konzept der PerspektivSchulen ist am ehesten geeignet, die schulischen Bedingungen für die verschiedenen Ausgangslagen der Schülerinnen und Schüler mit oder ohne Migrationshintergrund anzupassen und bedarfsgerechte Förderung zu leisten. Hierfür muss allerdings der erhöhte Personalschlüssel an den Schulen gesichert sein. Im SPD-Antrag zu den Konsequenzen der IQB-Studie wird in der Begründung auf das Testverfahren der Viereinhalbjährigen in Hamburg verwiesen. Dass dieses frühe Screening wichtig ist, kann ich nur unterstreichen. Allerdings muss dann auch der reibungslose Übergang von der Kita in die Schule gewährleistet sein. Ansonsten verpufft der positive Effekt. (Beifall SSW und vereinzelt SPD) Die Förderung der basalen Fähigkeiten muss durchgehend und nahtlos gefördert werden – von der Kita bis mindestens zur sechsten Klasse. Generell bin ich aber der Meinung, dass man sich nicht zu sehr auf den Handlungsbedarf bei den Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund fokussieren sollte, sondern dass man die gesamte Schülerschaft im Blick behält. (Vereinzelter Beifall SSW, SPD und Jasper Balke [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Auch in den ländlichen Gebieten und an kleinen Schulen mit geringerem Anteil an Zuwanderung ist die Leistung gesunken, und die Streuung der Kompetenzwerte hat sich erhöht. Die Schere zwischen den Schülern mit guten Leistungen und den leistungsschwächeren Schülern klafft immer weiter auseinander. Hier müssen wir flächendeckend intervenieren. Zum Beispiel könnte das erfolgreiche Modell der multiprofessionellen Teams für alle Schulen konsequent ausgeweitet werden. Deshalb müssen wir dafür sorgen, dass nicht nur die Schülerinnen und Schüler an den PerspektivSchulen von den finanziellen Investitionsprogrammen profitieren, sondern dass alle Schülerinnen und Schüler in Schleswig-Holstein hinsichtlich der basalen Kompetenzen vermehrt gefördert werden können. Ich möchte noch etwas zu dem Änderungsantrag der Koalition sagen. Im vierten Absatz steht unter anderem, wer sich jetzt für einen interessengeleiteten und motivierenden Deutschunterricht zusammensetzen soll, um diesen zu formulieren. Im SPDAntrag stand ebenso wie im IQB-Bildungstrend, dass Kinder mit einem Migrationshintergrund eigentlich gerade die Verlierer in diesem Bildungstrend sind. Wir wollen diese nicht nur herausgepult haben, sondern wir sagen: Das betrifft eigentlich alle, weil die Schere immer weiter auseinandergeht. Ich lese dann im Antrag, wer sich darum kümmern soll, dass dieser Unterricht verbessert werden soll. Hier fehlt mir die Integrationsministerin, denn wir sprechen hier über Mehrsprachigkeit. Wir müssen das endlich verstehen: Wir haben so viele Kinder mit so vielen verschiedenen sprachlichen Hintergründen. Da müssen wir eine Fachexpertise wie die des Integrationsministeriums hinzunehmen. Wir müssen deren Sprache stärken, um deren Deutsch stärken zu können. Das ist eine Aufgabe, die wir immer noch nicht erfüllt haben, und ich finde, das ist unendlich wichtig. Meine Redezeit ist vorbei. – Vielen Dank für die Aufmerksamkeit. (Beifall SSW, vereinzelt SPD und Beifall Jasper Balke [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])

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