landtag.ltsh.de ↗

Jette Waldinger-Thiering

SSW 22.11.2023 Sitzungen 20/42

Sehr geehrter Herr Landtagspräsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Ich freue mich, dass der – 42. Sitzung (neu) – Mittwoch, 22. November 2023 Gesetzentwurf trotz der knappen Zeit und den vielen Tagesordnungspunkten heute zur Aussprache kommt. (Zuruf Christopher Vogt [FDP]) Bei dem Entwurf zur Gesetzesänderung geht es um den Schutz und die Förderung von Regionalund Minderheitensprachen und somit für uns als SSW um ein sehr wichtiges Thema. Im HSG gibt es aktuell zwei Passus, die die Besetzung von freien Professuren für die Fächer der Regional- und Minderheitensprachen erheblich erschweren. In den Formulierungen wird vorausgesetzt, dass die betreffende Sprachwissenschaft an anderen Hochschulen weitreichend angeboten wird und man somit auch an anderen Hochschulen in dem Fachbereich tätig sein kann beziehungsweise Berufungen erfolgen können. Für die Frisistik, Danistik und für das Niederdeutsche sind diese Angebote aber sehr begrenzt. Hier muss eine Anpassung des HSG an die reale Situation erfolgen. Dass diese Anpassung dringend nötig ist, wird aktuell an der Situation der Frisistik an der CAU Kiel deutlich. Seitdem Professor Jarich Hoekstra im Frühjahr 2022 in den Ruhestand verabschiedet wurde, ist es nicht gelungen, die Professur neu zu besetzen. Dabei gibt es geeignete promovierte Kandidatinnen und Kandidaten an der CAU, die für die Besetzung einer Tenure-TrackProfessur infrage kommen. Für die Besetzung einer Tenure-Track-Professur gilt aber laut § 62 a HSG, dass nur Bewerberinnen und Bewerber der eigenen Hochschule berufen werden dürfen, wenn sie nach der Promotion die Hochschule gewechselt haben oder mindestens zwei Jahre außerhalb der berufenden Hochschule wissenschaftlich tätig waren. Im Vergleich zu anderen Fachrichtungen sind die Möglichkeiten für Sprachwissenschaftler der Regionalund Minderheitensprachen in diesem Punkt sehr eingeschränkt bis gar nicht vorhanden. Auch wenn die Bedingungen für die Fächer Dänisch und Niederdeutsch etwas besser als für das Fach Friesisch sind, sind sie noch lange nicht mit größeren Fachrichtungen innerhalb Deutschlands zu vergleichen. Vor allem kann man die Bedeutung der Professuren und Forschungseinrichtungen der Regionalund Minderheitensprachen nicht mit denen anderer Fachrichtungen vergleichen. Um beim Beispiel der Friesen zu bleiben: Gerade jetzt, wo sich in Bredstedt die Einrichtung zur friesischen Spracharbeit im Unterricht, das Nordfriisk Liirskap, im Aufbau befindet, ist die Frisistik als wissenschaftlicher Überbau dringend nötig. Der Friesenrat hat schon 2003 – vor knapp 20 Jahren (Jette Waldinger-Thiering) – im Modell Nordfriesland benannt, dass die friesischen Bestrebungen zum Spracherhalt eine Untermauerung, Begleitung und kritische Überprüfung durch die Wissenschaft bedürfen. Die Präsenz des Faches Friesisch an der EUF Flensburg für das Lehramt und an der CAU in Kiel die Frisistik sind definitiv unverzichtbar. Die Frisistik an der CAU mit der nordfriesischen Wörterbuchstelle ist nicht nur für die sprachwissenschaftliche Forschung zuständig, sondern auch für die Erstellung einer Sprachendatenbank sowie für die Ausbildung von wissenschaftlichem Nachwuchs und Lehrkräften an Gymnasien. Deshalb ist es so wichtig, dass die Professur möglichst schnell wieder besetzt wird und dafür gesorgt wird, dass die Bedingungen den Umständen angepasst werden. Wir haben im Artikel 6 unserer Landesverfassung und mit dem Abkommen der Europäischen Sprachencharta den Schutz und die Förderung von Regional- oder Minderheitensprachen in Schleswig-Holstein zugesichert. Konkret heißt die Formulierung im Artikel 7 der Europäischen Sprachencharta: Ziel ist die „Förderung des Studiums und die Forschung im Bereich der Regional- oder Minderheitensprachen an Universitäten oder in gleichwertigen Einrichtungen“. Um diese Zusagen umzusetzen und mit Leben zu füllen, ist die Anpassung des HSG an Gegebenheiten der Regional- und Minderheitensprachen dringend notwendig. Deshalb bitte ich um die Überweisung des Gesetzentwurfes an den Bildungsausschuss, damit wir dort eine vernünftige Anhörung machen und diskutieren können. (Beifall SSW, Birgit Herdejürgen [SPD] und Marc Timmer [SPD])

Alle Reden von Jette Waldinger-Thiering Protokoll ↗