Uta Wentzel
Ich möchte mich erst einmal im Namen aller Betroffenen ganz, ganz herzlich für diese ernsthafte Debatte bedanken. Schleswig-Holstein ist das Land zwischen den Meeren. Seit Jahrhunderten kämpfen wir durch den Küstenschutz für unseren Lebensraum oder haben ihn erst dadurch erschaffen. Wir mussten diesen Schutz immer wieder anpassen. Das ist auch jetzt dringend nötig. Wir haben es mehrfach gehört. Durch den Klimawandel werden wir öfter mit diesen Gewalten konfrontiert werden. Wir stehen nicht nur durch den Anstieg des Meeresspiegels vor echten Herausforderungen, sondern auch durch die stagnierenden Wetterlagen. Wir haben es im Sommer erlebt: Wir hatten Dürrezeiten, wir hatten Starkregenzeiten. In Flensburg ist es immer wieder fatal, wenn wir lang andauernden Ostwind haben. Das Wasser wird in die Förde gedrückt, und das war auch jetzt wieder das Problem bei diesem Hochwasser, dass es nicht nur hoch war – es waren nicht nur 2,23 Meter wie 1904, sondern 2,27 Meter –, sondern durch den dauerhaften Wind führte dieses Hochwasser zu immensen und krassen Schäden bei uns. Ich möchte ein großes Lob für das Katastrophenmanagement aussprechen. Bei uns in Flensburg wurde überall gesagt, dass der Krisenstab des Landes mit dem Stab vor Ort wunderbar zusammengearbeitet hat, dass alles reibungslos funktionierte, dass Hilfe von überall aus dem Land sehr schnell vor Ort war. Deswegen möchte ich mich auch im Namen aller Flensburger für diese pragmatische Hilfe bedanken. (Beifall ganzes Haus) (Uta Wentzel) Es ist klar, dass wir jetzt Investitionen tätigen müssen, um die Resilienz bei uns zu stärken. Wir müssen die Deiche schützen, und wir müssen Krisenvorsorge betreiben. Anfang des Jahres gab es bei uns in Flensburg im Schifffahrtsmuseum, das diesmal total abgesoffen und deshalb jetzt geschlossen ist, eine eindringliche Ausstellung. Da ging es um das „Land unter“. Wir in Schleswig-Holstein sind besonders davon bedroht. Wir müssen sehen, dass wir diese Herausforderung langfristig angehen. Deswegen bin ich sehr dankbar für die spontane Hilfe. Wir müssen aber auch out of the box denken. In London gibt es zum Beispiel die Thames barrier, in Venedig gibt es MO.SE. Wir haben hier das Eidersperrwerk. Wir müssen überlegen, ob solche Dinge vielleicht helfen können. Schleimünde wäre zum Beispiel ein Ort, an dem so etwas stehen könnte. Dann hätten wir die Problematik in Schleswig, dann hätten wir die Problematik in Arnis nicht gehabt. (Zurufe Christian Dirschauer [SSW] und Beate Raudies [SPD]) – Ja, man kann vielleicht auch überlegen, ob so etwas an den Engpässen in der Flensburger Förde möglich ist. Wir müssen schauen, dass wir beim Hafenausbau auf Schwimmstege setzen. Bei dem Schwimmsteg in Flensburg, wo mein kleines Boot liegt, hat so wenig gefehlt, dass der auch überflutet worden wäre. Aber es hat alles gehalten. Da, wo keine Schwimmstege waren – Schilksee, et cetera –, haben wir immense Schäden. Wenn wir jetzt wiederaufbauen, müssen wir Lehren aus den Ereignissen vor Ort ziehen. Wir haben in Flensburg das Problem, dass das Wasser durch die Gullis und die Kanalisation hochkommt.
