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Christopher Vogt

FDP 13.10.2023 Sitzungen 20/40

Ich spüre Spannung! – Zuruf BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Meine Damen, wir haben an unseren Schulen teilweise Bachelor-Studierende als Klassenlehrkräfte eingesetzt, die nicht nur in erheblichem Umfang daran mitarbeiten, die Stundenverpflichtungen der Schule zu leisten, sondern teilweise auch Masterstudierende betreuen, die an diesen Schulen ihr Praktikum absolvieren. Gleichzeitig haben wir an unseren Schulen studierte Musiker, teilweise Musikpädagogen, die da als Lehrkräfte arbeiten, die am Ende aber nach Hamburg gehen, weil es für sie keinen geregelten Weg in den Schuldienst in Schleswig-Holstein gibt. Die Zahl der unbesetzten Stellen ist nicht hoch, wenn man wie die Ministerin ausschließlich darauf guckt, wie viele unbesetzte unbefristete Stellen es gibt. Aber wenn man sich ein bisschen weiter mit den Zahlen beschäftigt, dann stellt man eben doch fest, dass sich Anstrengung lohnt: An den Gemeinschaftsschulen ohne Oberstufe sind 8,5 Prozent der Lehrkräfte, die dort unterrichten, keine ausgebildeten Lehrkräfte, an den Grundschulen 14,1 Prozent. Das waren die Zahlen vom Bericht zur Unterrichtssituation 2022. Wir werden in Kürze den Bericht für 2023 bekommen und dann sehen, wie es sich entwickelt hat. Bei den Vertretungslehrkräften wissen wir gar nicht, wie viele fehlen. Man muss sich das ja so vorstellen: Eine unbefristete Stelle ist mit einer jungen Lehrerin besetzt, die wird schwanger, geht in Elternzeit. Dann sagt das Ministerium: „Haken dran, unbefristete Stelle besetzt.“ Tatsächlich fehlt an der Schule in diesem Moment aber jemand, und es muss eine Vertretungslehrkraft eingestellt werden. Wie viele Vertretungslehrkräfte das sind, wissen wir nicht. Die KMK sagt, dass bis 2025 über 20.000 Lehrkräfte fehlen werden. Klaus Klemm, Bildungsforscher, kommt zu dem Schluss, dass es sogar weit über 40.000 sein werden, weil die KMK aus seiner Sicht Inklusion, Ganztag und Sozialindex, die für weitere Stellenbedarfe sorgen werden, gar nicht berücksichtigt hat. Wir brauchen also große Maßnahmen, und es waren sich eigentlich alle einig, dass die ersten beiden Pakete diese großen Maßnahmen noch nicht waren. Deswegen ist ja auch ein drittes Paket angekündigt, und das muss es in sich haben. Aus unserer Sicht muss erstens geprüft werden, ob wie in Hamburg ein Masterstudiengang geschaffen wird, der Menschen, die bisher nicht auf Lehramt studiert haben, den Weg ins Lehramt verlässlich ebnet. Zweitens brauchen wir aus unserer Sicht Ein-FachLehrkräfte, und wir brauchen Wechselmöglichkeiten von der Wirtschaft in die Schule und auch wieder zurück. Drittens brauchen wir duale Studiengänge, wie sie Baden-Württemberg eingerichtet hat. Viertens brauchen wir an unseren Hochschulen Unterstützung für die Lehramtsstudierenden und auch (Martin Habersaat) für die Studierenden, die schon an den Schulen arbeiten. Fünftens brauchen wir solche Unterstützung auch für die Menschen an den Schulen. Da kommen Studierende und müssen Klassenlehrkraft sein, und die Schulen haben noch immer kein regelhaftes Entlastungsdeputat, um sie dabei zu unterstützen, das zu tun. Da verheizen wir junge Menschen, meine Damen und Herren. (Beifall SPD, Christopher Vogt [FDP]) und Jette Waldinger-Thiering [SSW]) Sechstens brauchen wir Verbesserungen bei der Studienorientierung auf das Ziel Lehrkraft hin. Siebtens brauchen wir einen schonenderen Umgang mit der Arbeitszeit von Lehrkräften. Wir müssen wirklich alles dafür tun, dass die ihre Arbeitszeit auf ihr Kerngeschäft konzentrieren können. Achtens brauchen wir eine atmende zweite Phase. Wenn wir mehr junge Menschen haben, die von den Hochschulen kommen, dann muss es auch möglich sein, mehr Plätze fürs Referendariat zur Verfügung zu stellen. Neuntens brauchen wir eine Reduktion der Curricula in den Schulen, damit wir ihnen Luft zum Atmen und die Gelegenheit, sich zu entwickeln, geben. Zehntens brauchen wir einen anderen Umgang mit ausländischen Lehrkräften. Das geht damit los, dass im Bildungsministerium nicht nur eine halbe Stelle mit der Anerkennung dieser Kräfte beschäftigt sein darf. Es muss für diese Lehrkräfte aber auch Angebote geben, Deutsch zu lernen. Auch für die Schulen muss es Unterstützungsmöglichkeiten geben, weil sie in dieser Anpassungsphase immer jemanden Zweites in den Unterricht schicken müssen, um sicherzustellen, dass dieser Unterricht funktioniert. Elftens brauchen wir strukturelle Mittel für die Allianz für Lehrkräftebildung, und nicht nur einmalige Mittel. Die Allianz muss nachhaltige Maßnahmen ergreifen dürfen. Zwölftens müssen wir die Unterfinanzierung der Hochschulen endlich beenden. Die Koalition greift einige dieser Punkte immerhin auf. (Beifall Martin Balasus [CDU], Malte Krüger [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] und Uta Röpcke [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) – Aber, Herr Krüger, zwei Tropfen Wasser in Ihren Wein! (Zuruf Christopher Vogt [FDP] – Zuruf Malte Krüger [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Erstens fehlt es Quer- und Seiteneinsteigern in Schleswig-Holstein nicht an Beratung, sondern an verlässlichen und planbaren Wegen in den Schuldient, und die gibt es nicht. Solange es die nicht gibt, können Sie die beraten, solange Sie wollen. Da wäre die klügste Beratung: „Geht nach Hamburg! Da gibt es den verlässlichen Weg.“ Das machen leider viele, insbesondere vom Hamburger Rand. Zweitens kommen Sie schon wieder mit der Entlastung der Lehrkräfte von Verwaltungsaufgaben. Ich möchte noch einmal daran erinnern: Sie erproben drei Jahre lang an fünf Schulen, ob sich Verwaltungskräfte an Schulen dafür eignen. (Malte Krüger [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Gucken Sie noch einmal in den Antrag rein!) Letztes Mal haben Sie mir gesagt, es hätte auch schlimmer sein können. Sie hätten ja auch fünf Jahre an drei Schulen erproben können. Gott sei Dank sind Sie auf diese Idee nicht gekommen! (Malte Krüger [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das habe ich nicht gesagt!) Jetzt habe ich in einer Kleinen Anfrage erfahren, Sie wollen das den Schulen, die diese Verwaltungskräfte bekommen, an anderer Stelle wieder abziehen. Die sollen auf Lehrkräfte verzichten, um Verwaltungskräfte zu kriegen.

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