Oliver Brandt
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Lassen Sie mich als Abgeordneter aus dem südlichen Herzogtum Lauenburg noch einmal auf die regionale Perspektive eingehen. Zwischen Bergedorf und Geesthacht gibt es historisch eine enge Verbindung. Jahrhundertelang gehörten beide Orte zum Stadtstaat Hamburg, in der Weimarer Republik auch mit Stadtrecht. Aus dieser Zeit stammt auch die Bahnlinie – es ist erwähnt worden –, seit 1908 rollen dort Züge. Erst seit 85 Jahren gehört Geesthacht zum Herzogtum Lauenburg und damit zu Schleswig-Holstein. Vielleicht ist das auch der Grund dafür, dass dort manchmal der Eindruck entsteht, man habe Geesthacht im fernen Kiel nicht so richtig auf der Landkarte. Das wollen wir ändern. (Oliver Brandt) Es ist oft erwähnt worden: Geesthacht ist die größte Stadt ohne Schienenpersonennahverkehr in Schleswig-Holstein. Geesthacht gehört auch zu den 15 größten Orten Deutschlands ohne Schienenpersonennahverkehr. Mit Ausnahme von Aurich in Ostfriesland gibt es keinen einzigen Ort, der vom nächsten Bahnhof weiter entfernt ist, nämlich fast 15 Kilometer. Das heißt, es gibt auch keine Pendler_innen-Ströme zum nächsten Bahnhof, sondern man kommt da nur mit dem Bus oder dem eigenen Pkw weg. Der Bus fährt über die A 25, und zwar mit einer Geschwindigkeit von 60 Kilometern pro Stunde, sobald Fahrgäste im Bus stehen; eine höhere Geschwindigkeit ist aus Sicherheitsgründen nicht erlaubt. So sind die Verkehrsverhältnisse in Geesthacht. Das hat Auswirkungen. Der Bürgermeister von Geesthacht hat öffentlich beklagt, er kriege keine Hausärzte mehr in die Stadt, weil die Leute am Hamburger Rand lieber irgendwo hingehen, wo es ein ÖPNV-Angebot gibt. Wir haben zwei große Forschungsinstitute, das Helmholtz-Zentrum Hereon und das DLR. Dort arbeiten internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Für die ist es ein Standortvorteil, wenn man mit dem ÖPNV dahinkommt. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU) Wenn so ein Standortfaktor fehlt, hat das negative Auswirkungen. Die Kommunalpolitik vor Ort und im Kreis wie in Bergedorf unterstützt das Projekt seit Langem. Deswegen freue ich mich, dass Hamburg einen gleichlautenden Beschluss gefasst hat. Noch eines zu der häufig zitierten Machbarkeitsstudie. Ich habe sie gelesen und zitiere einmal einen Satz daraus: „Die durch Kostenschätzung ermittelte Kostenhöhe, die erreichbaren Reisendenzuwächse und die Gesamtzahl von mehr als 7.000 Bahnreisenden pro Tag lassen ein positives Nutzen-Kosten-Verhältnis erwarten.“ (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Mittlerweile hat sich das Verhältnis voraussichtlich weiter verbessert, denn heute leben in der Region 5.000 Einwohnerinnen und Einwohner mehr, die den ÖPNV nutzen. (Dr. Bernd Buchholz [FDP]: Die Kostenentwicklung, Herr Kollege!) Wir haben den erwähnten Innovationspark in Bergedorf, der entstehen soll, und zwei neue Baugebiete in Bergedorf Süd. Das heißt, wir werden wahrscheinlich deutlich mehr Fahrgäste haben. Wir haben gestern beim Parlamentarischen Abend zur Reaktivierung von Bahnstrecken zur Strecke Neumünster–Bad Oldesloe gehört, dass die Prognosezahlen später in der Realität doppelt so hoch ausgefallen sind. Das heißt, die Prognosezahlen werden grundsätzlich übertroffen. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU) Das sind alles Gründe, die dafür sprechen. Natürlich muss man die Kosten untersuchen und die drei Projekte, die in Bergedorf anstehen. Das passiert auch. Deswegen unterstützen wir diesen Antrag. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
