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Christian Dirschauer

SSW 11.10.2023 Sitzungen 20/38

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! In der Septembertagung war eine gemeinsame Beratung der Themen Fahrzeugflotte und Photovoltaik vorgesehen. Ich hatte mir da einen schönen thematischen Übergang zurechtgelegt. Den brauche ich jetzt nicht mehr, weil wir die Themen auseinandergezogen haben. Trotzdem war mein Ansatz richtig; deswegen dürfen Sie trotzdem an diesem Gedanken teilhaben. (Christian Dirschauer) (Christopher Vogt [FDP]: Redenrecycling nennt man das!) Der ist wie folgt. In der besten aller Welten ist es doch so: Wir schaffen emissionsfreie Fahrzeuge an – in 2022 waren das immerhin knapp 41 Prozent aller neu beschafften Fahrzeuge – und bauen zeitgleich konsequent Photovoltaikanlagen auf die Dächer aller Liegenschaften, auf denen es technisch möglich ist und keine anderen Belange, wie etwa der Denkmalschutz, dagegensprechen. Mit dem so gewonnenen Strom betanken wir dann unsere eigenen Fahrzeuge. Auf diese Weise entlasten wir das Netz, und der Strom ist sogar kostenfrei. Auch mir ist klar, dass das nicht immer geht. Im Dunkeln oder im Januar bei Schietwetter ist so ein Speicher auch einmal leer, aber im Ansatz wäre es durchaus denkbar. Damit daraus etwas wird, müssen wir mit dem Ausbau der Photovoltaik auf den Dächern und, wo möglich, auch an den Fassaden der Landesliegenschaften im viel höheren Tempo vorankommen. Viele landeseigene Gebäude haben nicht nur große Dachflächen, sondern auch große Fassaden, von denen sicherlich auch einige gen Süden ausgerichtet sind. Auch diese Möglichkeit zur Energieerzeugung sollten wir nicht ungenutzt lassen, zumal es da schon viele hervorragende Praxisbeispiele gibt. Schauen Sie sich beispielhaft etwa den Rhein-KaiSpeicher in Mannheim an, der mit einer großen, architektonisch ansprechenden Solarfassade schon vor zehn Jahren zum Plusenergiegebäude umgestaltet wurde. Mit der Förderung privater Balkonanlagen allein schaffen wir die Energiewende wohl nicht. Insofern brauchen wir tatsächlich dringend eine PV‑Strategie, um den Zubau an Solaranlagen gezielt planen zu können. Was wir aber noch viel dringender benötigen als nur eine Strategie sind die Solarmodule auf den Dächern, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall SSW, SPD und FDP) Wenn ich lese – die Kollegen Kumbartzky und Timmer haben es erwähnt –, dass die GMSH über 900 Gebäude im Bestand aufgeführt hat, die über geeignete Flächen verfügen, davon aber nur auf 43 Gebäuden eine Solaranlage installiert ist, nimmt das Land an dieser Stelle nicht die öffentliche Vorbildfunktion ein, die ich mir wünschen würde. Das muss ich ganz klar sagen. (Beifall Lars Harms [SSW], Marc Timmer [SPD], Dr. Heiner Garg [FDP] und Christopher Vogt [FDP]) In meiner Heimat Stadt Flensburg sind circa 50 Gebäude im Besitz des Landes. Insgesamt sind dort bislang nicht mehr als sechs PV‑Anlagen auf Dächern installiert. So sieht ein konsequenter PV‑Zubau in meinen Augen nicht aus. (Beifall SSW und FDP – Christopher Vogt [FDP]: Da scheint auch nie die Sonne!) – In Flensburg scheint immer die Sonne. – In den letzten Monaten wurde viel über Freiflächen‑PV gesprochen. Klar kann man auf diese Weise große Leistungen in großer Zeit errichten. Aber wir wissen auch um die Flächenkonkurrenz und die Wirkung, die diese Anlagen im Landschaftsbild haben. Wir müssen daher noch viel stärker als bisher auf PV‑Anlagen in ohnehin schon versiegelten Bereichen fokussieren, also Dachflächen, Fassaden oder Parkplätze. Da muss das Land entschieden vorangehen und nicht den privaten Investoren hinterherlaufen. Es ist löblich, dass PV‑Anlagen bei Neubauten und Sanierungen immer mitbedacht werden, aber um wirklich voranzukommen, genügt dieses Ausbautempo nicht. Wie die FDP zu Recht bemerkt, hätten wir gerne in weniger als 300 Jahren überall dort, wo es möglich ist, Solarmodule auf Dächern und eben auch gern an Fassaden installiert. Wir erwarten daher, dass das Thema Vermietung der Dachflächen an Private ein Teil der vorzulegenden Strategie wird. (Beifall SSW, SPD und FDP) Vielleicht kann die Landesregierung auch einmal mit den Niedersachen ins Gespräch kommen, um zu hören, ob deren Konzept zur Nachahmung empfohlen werden kann. Wir brauchen das Rad nicht neu zu erfinden – abgucken ist an der Stelle erlaubt. Nur losgehen muss es endlich, und darin stimmen wir ganz mit der FDP überein. – Herzlichen Dank. (Beifall SSW, FDP und Marc Timmer [SPD] – Lars Harms [SSW]: Sehr gut!)

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