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Jette Waldinger-Thiering

SSW 21.09.2023 Sitzungen 20/36

Sehr geehrte Landtagspräsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Dass wir jetzt die Frage diskutieren müssen, ob Eltern Unkosten für Lehrkräfte tragen sollen, ist doch nur ein weiteres Zeichen dafür, dass es wirklich Zeit wird, die Rahmenbedingungen an unseren Bildungseinrichtungen Schleswig‑Holsteins zu verändern und vor allem auch zu verbessern. (Beifall Beate Raudies [SPD]) Auch wenn es engagierte Schulen und Lehrkräfte gibt, die sich am Erlass des Bildungsministeriums orientieren und versuchen, den Schülerinnen und Schülern Lernen an einem anderen Ort zu ermöglichen und Klassenfahrten und Ausflüge organisieren möchten, scheitert es an den zur Verfügung stehenden finanziellen Mitteln. Und was ist da die Lösung? Klassenfahrten und Ausflüge abschaffen? Ich bin mir sicher, dass viele von uns hier im Raum mindestens – das haben wir schon gehört – eine gute Erinnerung an eine Klassenfahrt oder einen Schulausflug haben. Es sind oftmals prägende Erinnerungen, die sich auch nachhaltig auf Unterrichtsinhalte auswirken. Gute Lehrkräfte wissen das alles. Deswegen versucht man, Reisen und Ausflüge irgendwie möglich zu machen. Hierbei landet der Druck früher oder später mal wieder bei den Eltern, die häufig bereits die Kosten für ihre Kinder selbst tragen müssen. Wie wir der Presse und Erhebungen entnehmen konnten, belaufen sich diese Kosten auch mal auf mehrere hundert Euro pro Kind für eine Klassenfahrt. Jetzt soll auch noch der Kostenaufwand des Lehrers von den Eltern übernommen werden, damit ihre Kinder in den Genuss des Lernens an einem anderen Ort kommen? – Diese Zustände lassen selbst die engagierteste Lehrkraft resignieren und ausbrennen. Denn sie wissen, dass viele Eltern durch die Bildungskosten ihrer Kinder an ihre finanziellen Grenzen stoßen. Stellen Sie sich doch einmal vor, dass ein engagierter Angestellter eines Unternehmens Kunden oder Externe um die Übernahme seiner Unkosten bitten muss, obwohl diese Unkosten entstehen, um genau für dieses Unternehmen erfolgreich arbeiten zu können! So etwas werden Sie als Angestellter in der freien Wirtschaft hoffentlich nicht erleben. Als Lehrkraft in Schleswig‑Holstein könnte das aber gut möglich werden. Wir benötigen klare und flächendeckende Regeln, Vorgaben und die dazugehörigen ausreichenden Budgetierungen, die nach Schulform differenziert gelten müssen. (Beifall SSW, SPD und FDP) Jedes Kind sollte mindestens einmal, besser aber mehrmals in seiner Schullaufbahn die Möglichkeit einer Klassenfahrt beziehungsweise die Möglichkeit des Lernens an einem anderen Ort bekommen. Hierbei geht es nicht um teure Flugreisen in die spanischen Partyhochburgen mit Hotelübernachtung, sondern um Fahrten mit Zug und Bus innerhalb von Schleswig‑Holstein oder Deutschland, die zur Vertiefung und Veranschaulichung der einzelnen Unterrichtsinhalte dienen. Hier im Plenum ist schon häufig darauf hingewiesen worden, dass der Lehrerberuf an unseren öffentlichen Schulen nicht sehr attraktiv ist. Genau diese vielen einzelnen Punkte der Arbeitsbedingungen führen dazu, dass keiner mehr Lust hat, den Lehrerberuf zu ergreifen beziehungsweise seine Ausbildung abbricht oder sich früher zur Ruhe setzt. Auch wenn das Thema Lehrkräftemangel jetzt gerade nicht auf der Tagesordnung steht, es hängt alles zusammen. Es fehlt an allen Ecken und Enden. Es (Jette Waldinger-Thiering) nützt auch nichts: Wir müssen klotzen und nicht kleckern. Ich möchte noch ein paar Worte zum Antrag von Schwarz-Grün sagen. Es ist schade. Der Abgeordnete Malte Krüger sagte, dass Klassenfahrten auch zur Resilienz beitragen können. Wir haben so viel über die Auswirkungen von Corona bei Kindern geredet. Dann kommen Sie und sagen: 2024 haben wir das überarbeitet und wissen, ob das Geld gepasst hat oder nicht. Vielleicht werden wir unseren Haushalt auch erst im März beschließen. Keine Ahnung. – Aber die Schulen brauchen Planungssicherheit. Wenn Kinder jetzt los sollen und das geplant werden muss, dann müssten sie jetzt wissen, mit welchem Budget sie zu rechnen haben. Ich hätte erwartet, dass das heute kommt. (Beifall SSW, SPD und FDP)

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