Christian Dirschauer
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wenn ich ehrlich bin, dann stelle ich mir aus meiner ganz persönlichen Sicht als Kitavater immer öfter eine ganz zentrale Frage, und zwar danach, wie die Menschen, die in der Kita arbeiten, ihren Arbeitsalltag überhaupt noch schaffen. Egal ob Leitungskräfte, Erzieherinnen und Erzieher, SPA oder das weitere Personal: Alle arbeiten seit Langem unter ganz, ganz großem Druck und damit häufig an der Belastungsgrenze oder schon darüber hinaus. Viel zu oft wissen sie nicht, was der Tag bringt, weil wieder einmal krankheitsbedingte Ausfälle aufgefangen werden müssen oder andere unvorhergesehene Dinge die Abläufe durcheinanderwirbeln. Und doch versuchen sie Tag für Tag nicht nur dem Anspruch der Eltern – zu denen auch ich gehöre –, sondern vor allem auch ihrem eigenen Anspruch an eine gute, kindgerechte Arbeit zu genügen. Dieser Einsatz verdient unseren größten Respekt und (Christian Dirschauer) unsere volle Anerkennung. Dafür sage ich an dieser Stelle einmal Danke. (Beifall SSW, SPD, vereinzelt BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Beifall Dr. Heiner Garg [FDP]) Wir alle wissen es und haben es auch mehrfach schon hier im Plenum bewegt: Schleswig-Holstein bietet den Eltern nach wie vor zu wenig Betreuungsplätze und steht gleichzeitig vor einem massiven Fachkräftemangel. Das gilt nicht nur für die Kita, sondern auch für andere Bereiche wie zum Beispiel die Jugendhilfe. Auch das haben wir schon gehört. Damit ist längst absehbar, dass sich die Personalsituation in den Einrichtungen noch weiter zuspitzen wird. Für den SSW habe ich hier schon mehrfach betont, dass wir bei diesem Thema Verständnis dafür haben, dass sich CDU und Grüne mit einer Lösung schwertun. Auch uns ist bewusst, dass man sich kein Personal backen kann. Umso wichtiger ist es aber, die richtigen Weichen zu stellen, um perspektivisch für mehr qualifiziertes Personal und damit entsprechende Entlastung zu sorgen. Da mag mehr Autonomie für die Kitas zwar ein Teil der Lösung sein, aber das Absenken von Standards – wie es zu Beginn der Woche von der Ministerin verkündet wurde – bleibt der falsche Weg, weil das die Qualität bedroht. (Beifall SSW, SPD und Dr. Heiner Garg [FDP]) Das von SPD, FDP und SSW beantragte Prognosetool zur Berechnung und Darstellung des Fachkräftebedarfs kann dagegen zumindest mittelfristig einen wichtigen Beitrag leisten. Nach unserer Auffassung ist es nämlich eine absolute Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Strategie gegen den Fachkräftemangel, dass wir den Bedarf möglichst genau kennen. Wir müssen doch wissen, wo wir eigentlich hinwollen! Auf dieser Basis würden sich dann vor allem die Ausbildungsbedarfe gut planen lassen, und man könnte die Kapazitäten entsprechend erhöhen. Genau das sollte unser aller Ziel sein, und zwar möglichst regional verteilt, weil auch lange Fahrten zum Ausbildungsort unattraktiv sind und im Zweifel abschrecken. Gleichzeitig ist aber hoffentlich allen klar, dass eine solche Prognose und Anpassung der Ausbildungsplätze nur ein Teil der Lösung sein kann. Für uns als SSW steht zumindest fest, dass wir endlich auch in die Arbeitsbedingungen derer investieren und diese verbessern müssen, die schon heute in den Kitas tätig sind, denn die Fluktuation der Beschäftigten ist weiterhin deutlich zu hoch, und das liegt nun einmal an der hohen Belastung bei gleichzeitig weiterhin nicht gerade üppiger Bezahlung. Leider wird auch die beste Fachkräfteoffensive Zeit brauchen, bis sie entsprechende Wirkung entfaltet und die Situation in Kita und Jugendhilfe entspannt. Gleichzeitig sieht es bekanntlich nicht allzu rosig aus, wenn wir auf die Finanzlage des Landes blicken. Doch auch wenn der Druck dadurch absehbar noch steigt, muss aus meiner Sicht eines klar sein: Am Grundkonsens, den alle als Ausgangspunkt der Kitareform mitgetragen haben, darf nicht gerüttelt werden, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall SSW, vereinzelt SPD und Beifall Dr. Heiner Garg [FDP]) Die Antwort auf die aktuellen Herausforderungen darf nicht in der Absenkung der Kitastandards und der Qualität in den Einrichtungen liegen. Sie darf eben auch nicht in der Anhebung der Elternbeiträge liegen. (Beifall SSW, SPD und FDP) Im Gegenteil, wir müssen massiv in die Entwicklung von Fachkräften und in ihren Verbleib in den Kitas investieren. Und wir müssen perspektivisch dafür sorgen, dass der Zugang zur Kita für die Familien kostenfrei gestellt wird. (Beifall SPD und Dr. Heiner Garg [FDP]) Das mag manch einer in diesen Zeiten vielleicht für naiv oder utopisch halten. Es ist aber aus meiner Sicht der einzig richtige Weg, wenn wir wirklich Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit bei uns hier in Schleswig-Holstein wollen. – Herzlichen Dank. (Beifall SSW, SPD und FDP)
