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Uta Röpcke

GRÜNE 14.07.2023 Sitzungen 20/34

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Lesen, Schreiben, Rechnen, ESA, MSA, interkulturelle Kompetenz im Kita-Alltag, Stressbewältigung in pädagogischen Berufen, Baby-Yoga, bürgerschaftliches Engagement, kreatives Schreiben, Malen, Deutsch als Fremdsprache, Spanisch, Italienisch: Das sind alles Angebote der Erwachsenenbildung, die man beispielsweise aktuell auf der Homepage der VHS Geesthacht finden kann und die zeigen, wie viele Facetten unsere Weiterbildungslandschaft schon jetzt hat. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU) Was wäre Schleswig-Holstein ohne seine Grundbildungszentren und ohne seine Volkshochschulen? Das Erlernen einer Fremdsprache öffnet neue Horizonte, baut Barrieren ab und hilft bei der Verständigung. Ein sicherer Umgang mit dem Smartphone oder Tablet hilft besonders älteren Menschen, mit Familie und Freunden in Kontakt zu bleiben. Unsere Arbeitswelt ändert sich in rasendem Tempo. Das, was ich vor 30 Jahren in Schule und Ausbildung gelernt habe, reicht heute oft nicht mehr, um mir die Möglichkeiten zu eröffnen, die ich mir wünsche, oder für die Berufsfelder, in denen so dringend Menschen gebraucht werden. Erwachsenenbildung kann aber auch Impuls für persönliche Weiterentwicklung sein und dem Leben eine ganz andere Richtung geben. Ein Kurs in kreativem Schreiben, ein Literaturkreis, eine Bildungsfahrt – der Funke kann auf verschiedenste Art und Weise überspringen. Menschen, die unsere Gesellschaft und Kultur durch Romane, Bilder, Podcasts, Theater und Musik bereichern, haben damit oft nicht direkt in oder nach der Schule angefangen, sondern ihre Leidenschaft und Talente später entdeckt und genutzt. Das alles bedeutet auch Lebensqualität und Teilhabe. Die Kollegin Nitsch hat das ausgeführt. Das alles bietet unser Weiterbildungssystem schon jetzt. Aber warum lernen wir wann und was? Welche Angebote soll es oder muss es geben? Welche Bedarfe gibt es konkret? Um diese Fragen zu beantworten, müssen wir über eine Strategie für die Zukunft sprechen und damit auch den Startpunkt für einen Prozess setzen, der uns sicher noch eine Weile begleiten wird. Lieber Kollege Habersaat, es freut mich, dass Sie unseren Koalitionsvertrag so genau gelesen haben. Ich bin Ihnen dankbar für Ihren Antrag, der sehr gut die Ziele und Kriterien umreißt, die eine Weiterbildungsstrategie für Schleswig-Holstein auch aus meiner Sicht haben sollte: Wir brauchen eine flächendeckende Grundversorgung. Auch in ländlichen Regionen muss ich die Möglichkeit haben, mich neu zu orientieren und persönlich weiterzuentwickeln. Es geht um Beschäftigtenqualifizierung – darüber hat der Minister gesprochen –, es geht um Fachkräftequalifizierung, aber es darf nicht gleichzeitig und nicht ausschließlich um berufliche Weiterbildung gehen. Zugewanderten müssen Brücken in die Qualifizierung und damit in die Gesellschaft und den Arbeitsmarkt gebaut werden. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, SSW, Martin Balasus [CDU] und Martin Habersaat [SPD]) – Danke. – Individuelle Persönlichkeitsentwicklung und gesellschaftliche Herausforderungen wie die sozial-ökologische Transformation, Nachhaltigkeit, Digitalität und Digitalisierung müssen adressiert werden. Nicht zuletzt muss es gelingen, ein Weiterbildungsangebot für Alt und Jung gleichermaßen zu leisten. Das Wichtigste in unserem Land sind die Menschen mit ihrem Können, ihrem Engagement und ihrer Kreativität. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, SSW und vereinzelt CDU) (Uta Röpcke) Daher ist für mich der Prozess mit der Entwicklung einer Weiterbildungsstrategie noch nicht zu Ende, sondern wir wollen auf der Grundlage einer solchen Strategie perspektivisch auch gemeinsam ein Weiterbildungsförderungsgesetz in Schleswig-Holstein auf den Weg bringen. Neben dem Antrag der SPD-Fraktion liegt uns auch der Bericht zum Europäischen Jahr der Kompetenzen vor, zu dem der Minister ausgeführt hat. Auch hier finden wir viele Ansätze, die in einer umfassenden Weiterbildungsstrategie mitgedacht werden sollten: Fachkräftezuwanderung und ‑sicherung, Change-Maker-Technologien wie die Plattform „Future Skills“ und der EFRE-finanzierte „Digital Learning Campus“ als Beispiele. Im Bereich des MEKUN gibt es das Projekt „Akademie für Artenkenntnis“ und die Qualifizierung zum zertifizierten Natur- und Landschaftsführer beziehungsweise ‑führerin mit bundesweiter Anerkennung. In Anbetracht all dieser Aspekte und deren Bedeutung für Schleswig-Holstein würde ich es begrüßen, wenn wir diesen Antrag und den Bericht in die Fachausschüsse überweisen, federführend an den Wirtschaftsausschuss und mitberatend an den Bildungs- und den Europaausschuss. Hier können wir dann gemeinsam weiter darüber beraten. Gemeinsam können wir eine Weiterbildungsstrategie für Schleswig-Holstein gestalten, die allen Menschen faire Chancen und Teilhabe in unserem Land eröffnet. Ich freue mich auf die weiteren Beratungen im Ausschuss. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und vereinzelt CDU)

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