Lars Harms
Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Es ist jetzt bald drei Jahre her, dass wir hier gemeinsam eine Sportentwicklungsplanung beschlossen haben. Ich sage „gemeinsam“, weil wir als SSW der Planung auch zugestimmt haben. Und es hat ja durchaus auch einen guten Start gegeben. Zu nennen ist beispielsweise die Landessportkonferenz im März dieses Jahres, die hier im Plenarsaal getagt hat. Die Reihen waren voll besetzt mit Ver- (Lars Harms) eins- und Verbandsvertretern und Gästen aus den Kommunen, der Wissenschaft und der Wirtschaft. Es klang durchaus an, dass trotz der Coronamaßnahmen schon einiges angestoßen worden war. Mir ist das deswegen so wichtig, weil wir hier wirklich einen groß angelegten Prozess haben, mit eigentlich allen relevanten Akteuren. Die Landesfachverbände, Kreissportverbände, Vereine, der Profisport waren genauso eingebunden wie der nicht organisierte und organisierte Sport aus dem Landessportverband, die kommunalen Landesverbände, Industrieund Handelskammer und diverse Ministerien. Dem letzten Bericht zur Sportentwicklungsplanung ist zu entnehmen, dass bereits 2020 rund 25 Sitzungen der Arbeitsgruppen und des Lenkungsausschusses unter Mitarbeit von insgesamt mehr als 100 Personen stattgefunden hatten. Von daher wäre es wirklich schade, wenn wir darauf im Land nicht verlässlich aufbauen könnten. Gerade diesen Eindruck habe ich aber leider aus verschiedenen Gesprächen mitgenommen. Denn hier gibt es zwar Ideen, Konzepte und den Willen zur Umsetzung, aber gleichzeitig auch große Unsicherheit, was die mittelfristige Planung angeht. Die bekannten Bedarfe liegen unserem Kenntnisstand nach bisher schon bei 16 Millionen Euro, aber realistisch wäre es wohl eher, von einem noch größeren Betrag auszugehen. Wir fordern daher in unserem Antrag die Landesregierung auf, eine verlässliche mittelfristige Finanzplanung zu erstellen und für die nächsten Jahre die Finanzierung der Maßnahmen aus der Sportentwicklungsplanung sicherzustellen. Planungen in diesen Größenordnungen müssen finanziell unterlegt sein. Ansonsten finden sie nämlich nicht statt, und irgendwann landet das Ganze in der Schublade. Die Kommunen wollen ihre Sportinfrastruktur gern weiterentwickeln, aber sie tun es verständlicherweise nicht, wenn die Finanzierung nicht gesichert ist. Wir brauchen Sicherheit für die Schwimmausbildung und dementsprechend auch für die Schwimmstätten, für den Nachwuchs- und Leistungssport und nicht zuletzt auch für den Sporttourismus. Das ist ja durchaus ein breites Handlungsfeld. Wir sprechen hier über den Radsport und Radreisen, Golf, den vereinsorientierten Spitzenfußball und die weite Welt des Wassersports, also Segeln, Surfen und Schwimmen. Der Sporttourismus spricht enorm viele Menschen an, er kommt aber so in den Förderkulissen nicht vor. Ich denke da momentan auch besonders an den Multipark, den wir hoffentlich bald auf Sylt bekommen, der ein gutes Beispiel dafür ist, wie schwierig es ist, entsprechende Fördermittel zu generieren, und wie langwierig eine Planung wird, wenn die Finanzierung nicht gesichert ist. Seit Jahren arbeiten Architektinnen und Architekten aus Kiel, Kopenhagen und Sylt zusammen mit der Verwaltung der Gemeinde Sylt an diesem tollen Projekt. Hier kommen Skaterpark, Leichtathletik, Basketball, Fußball und Beachvolleyball neben freien Grünanlagen in einem Gesamtkonzept zusammen, das sicherlich auch den Tourismus weiter unterstützen wird, wenn man den Multipark entsprechend einbindet. Ich bin froh, dass wir da höchst engagierte Menschen haben, die an dem Projekt drangeblieben sind, denn das ist wirklich keine Selbstverständlichkeit. Es ist normal, dass Planungsprozesse über Jahre laufen, auch bei Eislaufbahnen, Schwimmhallen und anderen Sportstätten, aber es ist nicht normal, dass in Folgejahren keine Mittel bereitstehen und so im Grunde genommen für den Papierkorb geplant wird. Deswegen muss zum Beispiel auch der E-Sport, sobald es geht, wieder eine Perspektive bekommen. Wir haben hier große Herausforderungen. Wenn wir ernst nehmen und wollen, dass das, was der Landtag einmal beschlossen hat, auch umgesetzt wird, brauchen wir eine mittelfristige Planung. Wir brauchen sie auch für unser neu entstehendes Landeszentrum für den paralympischen Sport. Ich finde es toll, dass der Landtagsbeschluss jetzt umgesetzt wird, dass die Maßnahme mit jährlich 10.000 Euro unterlegt wird, sodass man den Betrieb anleiern kann. Wenn wir die jungen Menschen aber auf gleichem Niveau fördern wollen, wie wir das bei anderen Sportarten machen, dann muss man auch gucken, ob die Leute bei ihrer Ausbildung unterstützt werden können, ob man ihnen helfen kann, ihren Sport professionell ausüben zu können. Dann gehört mehr dazu, dann gehört auch eine entsprechende Perspektive dazu. Deshalb ist eine finanzielle Unterlegung dringend notwendig. (Beifall SSW) Meine Damen und Herren, ich sage es immer wieder gern: Der Sport ist die größte ehrenamtliche Bewegung, die wir in Schleswig-Holstein haben – über 1 Million Menschen stehen dahinter. Das ist mehr als jede gesellschaftliche Organisation, die wir sonst kennen. Dort gibt es viel Ehrenamt, und das Ehrenamt braucht einen gewissen Rahmen und eine verlässliche Planung, damit SchleswigHolstein wirklich das Sportland werden kann, das wir so gern sein wollen und von dem wir alle überzeugt sind. Lassen Sie uns deshalb mit der Sportentwicklungsplanung voranschreiten. Das geht nur, (Lars Harms) wenn das mittelfristig mit Finanzmitteln unterlegt wird. – Vielen Dank. (Beifall SSW, FDP, Kristina Herbst [CDU] und Marc Timmer [SPD])
