Serpil Midyatli
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Wir konnten ja sehr eindrucksvoll hören, dass Ministerin Touré diesen Sommer einen sehr vollen Terminkalender haben wird, was sie alles so vorhat. (Zuruf: Ja!) Der Grund, warum wir uns tatsächlich so sehr darüber ärgern und das einfordern, was jetzt passiert– all das hat Christopher Vogt in seiner Rede sehr deutlich gemacht –, ist: Wir haben kein Erkenntnisdefizit, sondern ein Umsetzungsdefizit. (Zuruf CDU) Schon Gitta Trauernicht hat die SPRINT-Kurse in den Kitas gehabt. Ich habe mir das schon als Kommunalpolitikerin in den Kitas selbst angeschaut. (Serpil Midyatli) Das heißt also, es sind überhaupt keine neuen Dinge. (Beifall SPD und Christian Dirschauer [SSW]) Ganz ehrlich, Catharina Nies, wenn Sie wissen wollen, wie man diese Eingangsuntersuchung machen kann: Alle Mütter, alle Väter, alle Erziehungsberechtigten in Schleswig-Holstein könnten Ihnen sagen, wie so etwas gehen könnte. Wir haben zum Beispiel die verpflichtenden U‑Untersuchungen. Wir wissen doch schon, wie verpflichtende Untersuchungen gehen. Wir können anhand der Untersuchungen, die es schon gibt, bei denen die Ärztinnen und Ärzte und die Jugendämter beteiligt sind, vorgehen. Wir haben hier schon ein Verfahren. Man kann das eingliedern und sagen: „Zwei Jahre, zweieinhalb Jahre, vier Jahre, liebe Ärzte; Ihr macht hier doch sowieso etwas!“ Man nimmt die Expertinnen und Experten hier im Land. Das sind alle Erzieherinnen, alle Sozialpädagoginnen, alle Sozialpädagogischen Assistentinnen und Assistenten in den Einrichtungen. Das heißt, wir haben schon alles. (Ministerin Karin Prien: Das ist nicht das Hamburger Modell!) Die Beschwerden sind da. Alle wissen, was zu tun ist. Alle, die sich tagtäglich in diesem Land mit Kindern beschäftigen, wissen, was zu tun ist – nur diese Landesregierung nicht. Es kann doch nicht sein, dass Sie erst wieder prüfen, dass Sie sich das anschauen und überlegen müssen, welches Modell Sie nehmen. Wissen Sie, was das Problem ist? Die Kinder warten nicht auf Sie. Die wachsen weiter. Die werden älter. Jeder Tag, an dem keine Lösung für all diese Kinder gefunden wird, vor allen Dingen für die, die noch nicht einmal in den Krippen und Kitas sind, sind verlorene Tage, Monate und Jahre für diese Kinder. Sie verbauen ihre Zukunftschancen. Das wissen wir. Das hat die IQB-Studie sehr deutlich gesagt, Frau Prien. Wir saßen ja gemeinsam in dem Ausschuss. Das wurde uns sehr deutlich gemacht. All das, was wir in den ersten Jahren nicht schaffen – ganz ehrlich! –, holen wir später nicht mehr auf. Die Kinder brauchen auch nicht Jahre, bis sie Deutsch lernen. Wir wissen, wie schnell es gehen kann, wenn eine richtige Förderung da ist. Wir wissen auch, dass es, wenn es um die Kinder mit Migrationshintergrund geht, nicht überall die gleichen Herausforderungen gibt. Das hat auch etwas damit zu tun, wie viele Kinder in der Kita sind. Hier wird Folgendes nicht so gern gehört: Mein Sohn kannte kein einziges Wort Deutsch, als er mit zweieinhalb Jahren in die Kita kam – kein einziges Wort! Weil wir die Muttersprachen wichtig fanden, haben wir sie ihm beigebracht. Nach drei Monaten hat er angefangen, perfekt Deutsch zu sprechen. Er war nämlich in einer Kita, in der die Möglichkeiten gegeben waren – ohne Sprachkurse, ohne zusätzliche Unterstützung, ohne Förderbedarf, einfach nur, weil er mitgelaufen ist. Also auch dort wissen wir, wie es funktionieren kann. (Martin Balasus [CDU]: Also brauchen wir keine Sprachmaßnahmen!)
