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Jette Waldinger-Thiering

SSW 13.07.2023 Sitzungen 20/33

Sehr geehrte Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Als Erstes möchte ich mich bei der Landesregierung für diesen ausführlichen Bericht zum Übergang von der Kindertageseinrichtung zur Grundschule bedanken. Der Bericht zeigt, dass der hohe Stellenwert des Übergangs von der Kita zur Schule erkannt wurde. Hier bietet sich eine Chance, die Chancengleichheit im Bildungsverlauf unserer Kinder zu gestalten. Wenn man den Bericht liest, dann freut man sich für jedes Kind, das den Übergang zur Schule nach den beschriebenen Angeboten, Kriterien und Leitfäden und sonstigen Anregungen der Landesregierung erlebt hat. In der flexiblen Eingangsphase der Grundschule wird dann noch einmal feinjustiert. Somit haben dann alle Schüler und Schülerinnen einen individuell angepassten und optimal geförderten Start in ihren Bildungsverlauf. Leider passt das Bild, das uns der Bericht vermittelt, nicht zu dem Bild, das uns durch die Aussagen der IQB-Studie, der Schulen und der Elternvertreter vermittelt wird. Aber der eigentliche Grund für diese Debatte ist der Fakt, dass zu viele Kinder unzureichend in ihrer sprachlichen und kognitiven Entwicklung untersucht und gefördert zur Einschulung erscheinen. Die extreme Heterogenität kann dann nicht mehr mit der flexiblen Eingangsphase ausgeglichen werden, sondern erfordert eine hochindividualisierte Beschulung, die momentan von vielen Schulen einfach nicht zu leisten ist. Jetzt gibt es die Idee eines Screenings der Viereinhalbjährigen 18 Monate vor der Einschulung, so, wie es in Hamburg üblich ist. Die Hamburger haben ein gutes allgemeingültiges Konzept entwickelt, dessen Erfolg bereits jetzt messbar ist. In Schleswig-Holstein ist es bisher so, dass man mit etwa drei Jahren eine verpflichtende Einladung zur allgemeinen Entwicklungsuntersuchung U7a beim Kinderarzt erhält. Hier werden die sprachliche, die (Jette Waldinger-Thiering) motorische und die kognitive Entwicklung überprüft und bei Bedarf Fördermaßnahmen verschrieben. Wenn ein Förderbedarf bei der U7a festgestellt wurde, dann erhält das Kind häufig auch eine heilpädagogische Maßnahme und bleibt bis zur Einschulung gut betreut und begleitet. Die nächste verpflichtende Untersuchung ist dann erst die Schuleingangsuntersuchung sechs bis acht Monate vor der Einschulung. Wenn hier ein Förderbedarf festgestellt wird, ist es oft zu spät, Maßnahmen einzuleiten, die noch vor der Einschulung tatsächlich greifen können. An einigen Schulen wird das Kind mit seinen Eltern zu einem Einschulungsgespräch eingeladen, damit sich die Schule selbst ein Bild vom Entwicklungsstand des Kindes machen kann. Die aktuellen Untersuchungszeitpunkte sind entweder zu früh oder zu spät in Bezug auf die Einschulung, und sie sind mit Blick auf die Ergebnisse anscheinend auch unzureichend. Ähnlich verhält es sich mit den vorgeschriebenen Kooperationsvereinbarungen zwischen Kita und Schule. Diese werden zwar vorgegeben, aber für die inhaltliche Umsetzung wird nur ein Leitfaden zur Verfügung gestellt, und die Umsetzung wird nur über Stichproben kontrolliert. Letztendlich sind die Inhalte nicht klar definiert. Jede Einrichtung kann die Vereinbarung inhaltlich individuell gestalten. Da aber freie Kita- und freie Schulwahl besteht, ist noch nicht mal garantiert, dass die Kinder den Übergang in der Schule erleben, mit der die Kita die Kooperationsvereinbarung gemacht hat. Letztendlich müssen wir die vorhandenen vorschulischen Untersuchungen vereinheitlichen, verbessern, die Ressourcen bündeln und die verschiedenen Fachgebiete gut vernetzen. Es muss ein geeigneter Zeitpunkt, spätestens zwölf Monate vor der Einschulung, gesetzt werden, an dem Erzieher, Lehrkräfte, Ärzte, Heil- und Sonderpädagogen sich intensiv mit den Eltern über den Entwicklungsstand des Kindes austauschen, um gegebenenfalls Fördermaßnahmen einzuleiten und die Einschulungsmöglichkeiten zu beraten. Es reicht also nicht, nur eine gute und einheitliche Kooperation zwischen Kitas und Schulen zu haben, sondern es muss auch eine gute und verpflichtende Kooperation zwischen Eltern und Fachpersonal geschaffen werden. Kinderärztliche Befunde, Beobachtungen der Kita, sonderpädagogische Begutachtungen und die Einschätzung der Eltern müssen gut koordiniert werden und effektiv zusammenlaufen, um dem Kind gerecht zu werden und um Personalressourcen zu schonen. Dabei dürfen wir nicht vergessen, dass Kitakinder sich in wenigen Monaten enorm entwickeln können, wenn man ihnen Zeit gibt und eine entwicklungsfördernde Umgebung und adäquate Unterstützung bietet. (Beifall SSW, SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Martin Habersaat [SPD]: Sehr richtig!) Wir müssen weg von dem aktuellen Flickenteppich der vielfältigen Testverfahren und Begutachtungen und ein einheitliches Konzept erstellen, um den Kindern bei Bedarf mit zielgerichteten Maßnahmen einen guten Schulstart zu ermöglichen. Ich möchte meine Redezeit auch nutzen, um mich bei allen, die im Bereich Schule arbeiten, für ihre Arbeit in diesem Schuljahr, das wieder Herausforderungen mit sich brachte, zu bedanken. Wer kann – das nehme ich mit für die Sommerferien –, sollte mit seinen Kindern und Enkelkindern lesen, denn wer gut liest, versteht auch die Inhalte, und das wirkt sich auf alles aus; das wissen wir. Deshalb liegen mir unsere Bibliotheken auch so am Herzen. Sie sind wichtig. Deshalb war es cool, dass wir gestern Besuch von unserem Bibliotheksbus hatten. Ihr konntet sehen, dass man dort auch dänische Bücher und Medien ausleihen kann. Insofern: Rigtig god sommerferie og tusind tak! (Beifall SSW, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Dr. Heiner Garg [FDP])

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