Christian Dirschauer
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! In Verlängerung der Debatte vom Dezember 2022 sowie der entsprechenden Anhörung im Ausschuss sehen wir den vorliegenden Antrag der SPD. Daher ist – das haben wir schon gehört – nicht alles neu, was wir heute debattieren. Uns ist allen klar, dass wir die Klimafolgen der globalen Erwärmung mit ihren verschiedensten Auswirkungen zu spüren bekommen. Wo wir bei den Folgekosten in dreißig oder vierzig Jahren landen werden, ist schlussendlich nicht hundertprozentig vorhersehbar. Deloitte beziffert die rein ökonomischen Verluste auf rund 730 Milliarden Euro für die Bundesrepublik in den nächsten 50 Jahren. Die SPD schätzt die zu erwartenden Folgekosten in ihrer Begründung bei einem starken Klimawandel bis zum Jahr 2050 auf bis zu 900 Milliarden Euro. Es gibt viele Faktoren und Unvorhersehbarkeiten, die es enorm schwer machen, entsprechende finanzielle Modellierungen punktgenau vorherzusagen. Niemand hat eine Glaskugel, die das kann. Fakt ist aber, dass der Klimawandel enorme finanzielle Auswirkungen haben wird. Davon bleibt Schleswig-Holstein eben nicht unberührt. Es ist daher richtig und wichtig, dass wir uns darauf vorbereiten und festlegen, welche Schritte unternommen werden müssen, um die Klimafolgekosten so gering wie möglich zu halten. Wie gesagt, das Thema ist ja nicht neu; Maßnahmen werden bereits ergriffen – Stichwort Klimadeiche. Gerade (Christian Dirschauer) wir, als Land zwischen den Meeren, müssen dem Anstieg des Meeres etwas entgegensetzen. Im Bereich des Küstenschutzes wird bereits seit Jahren neu gedacht. Klimadeiche oder die Erhöhung der Warften sind schon länger ein Thema an der Westküste. Die berechtigte Frage ist: Sind die Mittel für den Generalplan Küstenschutz ausreichend, um unsere Küsten mittel- und langfristig zu sichern? – In dem Zusammenhang müssen wir künftig auch unsere Ostseeküste sowie das Binnenhochwasser noch viel stärker mitdenken. Allein da sind wir in einem Bereich, der enorme Summen verschlingen wird. Aber diese Mittel sind gut investiertes Geld, denn sie schützen die Menschen, ihre Güter und das Land. Daher sind notwendige Maßnahmen des Küstenschutzes für den SSW nicht verhandelbar. Der Klimawandel wird sich durch alle Bereiche ziehen und überall spürbar sein. Ob es die Landwirtschaft oder die Forstwirtschaft ist, die Dürreperioden sind, die damit verbundene Wald- oder Moorbrandgefahr oder der Befall mit Schädlingen – all das erleben wir schon seit Jahren. Unsere Wälder sind einem erheblichen Stresslevel ausgesetzt, und man muss sagen: Sie sind kaum noch wehrhaft. Das heißt, es muss uns gelingen, unsere Wälder in einen Zustand zu versetzen, der die Bäume weniger angreifbar macht. Auch das kostet Geld. Denn es bedeutet, den Laubwaldanteil weiter zu erhöhen. Auch die Artenzusammensetzung der Bäume muss den zu erwartenden Witterungsverhältnissen entsprechend angepasst werden. Ein solcher Waldumbau geschieht aber nicht von heute auf morgen. Da reden wir über Jahrzehnte. Auch wenn Schleswig-Holstein in einer landwirtschaftlichen Gunstregion liegt, haben die trockenen Monate Mai und Juni erneut gezeigt, dass sich auch unsere Landwirtschaft umstellen und anpassen muss. Auch hier gilt: Diese Erkenntnisse sind nicht neu. Denn kaum ein Wirtschaftsbereich ist dem Klimawandel so ausgesetzt wie die Landwirtschaft. Der Druck und die Notwendigkeit, sich den Anforderungen anzupassen, sind der Landwirtschaft durchaus bewusst. Aber auch dort benötigen wir weiterhin Forschung und Innovation, um die Landwirtschaft überhaupt in die Lage zu versetzen, sich adäquat anzupassen. Auch das kostet Geld. Aufgrund der extrem nassen Winter und der langanhaltenden Trockenperioden im Sommer müssen wir verstärkt dazu übergehen, bei uns ein großflächiges Wassermanagement zu entwickeln, das diesen Herausforderungen gerecht wird, zum einen um solche Flächen als Retentionsräume zu nutzen, zum anderen aber auch, um sie in Dürreperioden und bei Wasserknappheit als Wasserreservoir nutzen zu können. Das bedeutet, dass wir unsere bisherige Wasserwirtschaft neu denken müssen. Das wiederum bedeutet, dass wir in Schöpfwerke und Siele investieren müssen, damit sie die neuen Aufgaben bewältigen können. Auch das kostet Geld. Wir haben bereits in der Dezembersitzung beschlossen, für Schleswig-Holstein den sogenannten „Fahrplan Anpassung an den Klimawandel“ zu evaluieren und entsprechend fortzuentwickeln. Eine langfristige und strukturierte Klimaanpassungsstrategie ist das Ziel unter Beteiligung der Wirtschaft, der Kommunen und anderer relevanter Stakeholder. Diese Maßnahmen haben wir als SSW gelobt, denn nur auf Basis eines expertenbasierten Berichts können wir die notwendigen politischen Beschlüsse treffen, um erforderliche Maßnahmen durchzuführen. – Heute für den SPD-Antrag: Zustimmung des SSW. (Beifall SSW und SPD)
