Christopher Vogt
Liebe Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Jetzt spricht ausnahmsweise mal jemand, der kein Lehramtsreferendariat absolviert hat, (Zuruf: Quereinsteiger! – Weitere Zurufe) der aber eine junge Kollegin beim Referendariat partnerschaftlich begleitet hat. (Heiterkeit – Zuruf: Das hoffen Sie!) – Also, das ist zumindest meine Sichtweise. Wie sie das sieht, weiß ich nicht. Muss ich sie heute Abend einmal fragen. (Zuruf Lars Harms [SSW] – Heiterkeit) – Ich fange jetzt mit meiner Rede an, Kollege Harms. – Lehrkräfte haben einen der wichtigsten Berufe in unserer Gesellschaft (Zuruf Martin Balasus [CDU]) und eigentlich auch einen der schönsten, Kollege Balasus – beim Thema Schönheit sind Sie ja auch kompetent. (Zurufe CDU: Oh!) Jetzt passt der Nachsatz nicht mehr; ich wollte jetzt sagen: – was nicht von allen Beteiligten immer so gesehen wird. Das spürt man auch bei der Nachwuchsgewinnung, die in den nächsten Jahren eine der größten bildungspolitischen Herausforderungen sein wird, wenn man sich die Zahl der Altersabgänge und die der Studierenden anguckt. Insofern wünsche ich mir schon etwas schnellere Ergebnisse der dafür ja gegründeten „Allianz für Lehrkräftebildung“; denn es gibt da keine Zeit zu verlieren. Die Ministerin hatte zur Lehrkräftegewinnung drei Maßnahmenpakete, wenn ich es richtig erinnere, angekündigt. Das erste liegt vor und war weitestgehend in Ordnung und sinnvoll. Allerdings waren darin – das gehört zur Wahrheit auch dazu – vor allem die eher unstrittigen Themen enthalten. Insofern wird es jetzt beim zweiten und dritten wirklich interessant. Eine ganz wichtige Baustelle bei der Lehrkräftegewinnung ist auch nach unserer Auffassung das Referendariat. Ich fürchte, dass der Koalitionsantrag da leider keine große Hilfe sein wird. Es wird wieder einmal – wie sollte es auch anders sein? – (Christopher Vogt) von den Koalitionsfraktionen ein Konzept beim Bildungsministerium in Auftrag gegeben, an dem man dort hoffentlich längst arbeitet; das hoffe zumindest ich. (Beifall FDP und Sybilla Nitsch [SSW]) Dieses Mal geht es um die Beratungsangebote für Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst, ohne Frage ein wichtiges Thema. Es mag an mir liegen, aber ich verliere langsam wirklich den Überblick, wie viele Konzepte die Koalitionsfraktionen beim Bildungsministerium schon bestellt haben. Konsequenterweise wird mittlerweile auch kein Zeithorizont mehr skizziert, wann das Ding vorliegen soll, sondern es wird einfach ein Konzept gefordert, ohne zu sagen, wann das jemals vorgelegt werden soll. Sei es drum. Ansonsten fordern Sie noch mehr Transparenz bei der Prüfung, und es gibt drei weitere Prüfaufträge. Drei Prüfaufträge in einem Antrag ist, glaube ich, auch eine neue Qualität. Also, so richtig konkret und hilfreich ist das leider alles nicht. Das notwendige Referendariat ist für viele angehende Lehrkräfte in der Tat eine ziemliche Herausforderung. Es ist für viele junge Menschen eine hohe Belastung, und es gibt leider auch nur eine recht schmale Bezahlung. Ich fürchte, dass man über diese beiden Punkte in der nächsten Zeit sehr viel konkreter wird sprechen müssen, wenn man mehr junge Menschen für den Lehrerberuf begeistern will. Herr Balasus, im Ernst: Es ist nicht ausreichend zu sagen, es soll mal geprüft werden, ob man nicht bei den Fahrtkosten ein bisschen draufsatteln kann. Es wird ja oft gefordert, dass es die Hälfte der späteren Lehrerbesoldung im Referendariat geben soll. Also so ein bisschen an den Fahrtkosten herumzudoktern, also das zu prüfen und so weiter, ist denn doch ein bisschen wenig, um die Attraktivität zu steigern. Die SPD-Fraktion macht mit ihrem Änderungsantrag in der Tat gute Vorschläge. Mehr Praxisbezug, auch gern schon früher mehr Praxisbezug, mehr Unterstützung und einen stärkeren Fokus auf die Pädagogik, finden auch wir grundsätzlich richtig. Auch über die vorgeschlagene Berufseingangsphase, Herr Kollege Habersaat, kann man – wie ich finde – wirklich sehr gut diskutieren. Ich bin jedoch nicht ganz sicher, ob diese wirklich ein verbindlicher dritter Teil der Lehrkräfteausbildung sein muss. Dahinter würde ich noch einmal ein Fragezeichen machen. Das ist vielleicht ein bisschen hochgegriffen, trotzdem natürlich ein guter Vorschlag, der in der Tat wissenschaftlich basiert ist. Insofern schlage ich vor, dass wir die beiden Anträge, wenn Sie mögen, im Bildungsausschuss weiter diskutieren und uns dort auch mit Experten, mit Referendaren und ihren Ausbildern, weiter darüber unterhalten, um vielleicht gemeinsam ein gutes Paket zu schnüren. – Ich bedanke mich ganz herzlich für die Aufmerksamkeit. (Beifall FDP und SPD)
