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Serpil Midyatli

SPD 12.05.2023 Sitzungen 20/27

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Welche Familie kennt es nicht? – Noch einmal schnell in die Stadt, die Kinder – in dem Falle meine Jungs – brauchen noch neue Schuhe. Und da fängt das Problem tatsächlich schon an. Erst einmal: Schnell geht hier schon mal gar nichts, und vor allem auch Schuhe – und irgendwelche Schuhe auch schon einmal nicht. (Zuruf) – Ja, reden Sie einmal mit Jungs über Sneaker! Das ist spannend. Alle haben schon Bilder im Kopf! Sie wissen genau, worauf ich hinauswill, den zunächst schleichenden Prozess, den unsere Innenstädte ja seit Jahren durchlaufen, wenn wir einmal ehrlich sind, zusätzlich beschleunigt durch die Pandemie und vor allem auch durch die Energiekrise: Wir erleben, dass immer mehr Geschäfte ihre Angebote reduzieren oder sogar ihre Tore für immer schließen. Die Diskussion um die Galeria Kaufhof nimmt wieder Fahrt auf. Ehemals wichtige Ankerorte in unseren Städten, vor allem diejenigen, die eine große Fläche haben, können zu großen Folgeproblemen führen. Meine Zeit ist hier begrenzt, daher nur ein Tipp, Frau Kollegin Sütterlin-Waack: Besuchen Sie einmal Jan Lindenau in Lübeck. Er zeigt Ihnen dann, was man mit ganz viel Mut und vor allem auch Beharrlichkeit tatsächlich auch gegenüber großen Konzernen bewirken kann, nämlich den Erhalt des Kaufhauses auf der einen Seite und den Erhalt der Arbeitsplätze auf der anderen Seite, und ein neuer dritter Ort entsteht dort. (Vereinzelter Beifall SPD) Total spannend! (Zuruf) – Junger Mann, du wolltest damals nicht nach Lübeck, das hast du jetzt davon! In die ehemalige Sportabteilung von Karstadt zieht nämlich nicht nur eine Schule ein, sondern tatsächlich auch Coworking-Spaces und Vereine und Verbände. Das wird also wirklich ein sehr lebendiger Ort. Auch dafür sind die Mittel, die wir damals – ja, ich erinnere daran – als SPD eingebracht haben, auch sehr gut angelegt. Nun mag der ein oder andere doch sagen: Serpil, dann bestell doch mal im Netz. – Aber nein, das möchte ich nicht, auch wenn es schneller geht und auch die Auswahl dort wahrscheinlich größer wäre. Ich bin nämlich eher oldschool, was das angeht, und ich glaube an unsere Innenstädte als lebendige Orte des Handels, der Gastronomie und des Wohnens und, wenn es nach uns, nach der SPD geht, auch an die Innenstädte als dritte Orte, wo es nicht nur darum geht, dort einzukaufen, sondern auch um eine neue Form der Aufenthaltsqualität. (Beifall SPD) Dazu braucht man wie gesagt den Mut, Veränderungen und den Bedürfnissen der Menschen begegnen zu wollen. Eine kleine Geschichte: Es war einmal eine Stadt, nennen wir sie einmal die Landeshauptstadt Kiel, die sich vorgenommen hat, einen Teil – einen sehr unattraktiven Teil, muss man tatsächlich dazu sagen – weiterzuentwickeln. Was gab es da für ein Theater und Widerstände, dass die Stadt Kiel den Holstenfleet und dessen Neugestaltung damals in Angriff genommen hat. Das Ende von diesem Lied kennen Sie, denn die allermeisten von Ihnen – in der Regel auch die größten Kritiker – sind zu den größten Feiergästen geworden, als es dann um die Eröffnung ging. Und so ist es manchmal. (Wortmeldung Dagmar Hildebrand [CDU])

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