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Uta Wentzel

CDU 24.03.2023 Sitzungen 20/24

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Derzeit kommt es in den Schulen unseres Landes nicht selten vor, dass Kinder ihren Lehrkräften im Unterricht überraschend ausformulierte Lösungsvorschläge selbst auf komplexeste Fragestellungen präsentieren. ChatGPT hat die Klassen- und Lehrerzimmer dieses Landes längst erreicht, und der Umgang damit wird diskutiert. Mit Blick auf meine eigene Schulzeit habe ich auch an das Beispiel mit dem Taschenrechner gedacht, denn damals haben die Kritiker davor gewarnt, dass wir Kinder womöglich das Kopfrechnen verlernen würden. Aber schnell hat man einen angemessenen Umgang damit gefunden. Technologische Entwicklungen selbst sind also alles andere als neu – die Geschwindigkeiten dieser aber schon, gerade im Bereich der künstlichen Intelligenz. Auch ein Tool wie ChatGPT hat seine Schwächen, das fällt auch Lehrkräften sofort auf – noch, denn es ist kein Geheimnis, dass die KI lernt, und nur eine Frage der Zeit, wann Unsauberkeiten abgestellt werden. Bereits heute gibt es viele Beispiele für den Einsatz von KI im Alltag. So bietet zum Beispiel ein Flensburger Start-up einen KI-gestützten Kundensupport an, dem es möglich ist, einen Großteil der Kundenfragen selbstständig zu beantworten. An der Flensburger Hochschule entwickelte KI-gestützte Tutorensysteme ermöglichen es, auf die individuellen Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler einzugehen. In Südkorea feierte die K-Pop-Gruppe MAVE Erfolge, die komplett virtuell mithilfe von KI erstellt wurde. Die SPD lässt einen Antrag von KI verfassen, von ChatGPT. Die Liste ist lang. Es lässt sich bereits erahnen, wie viel in naher Zukunft mit KI möglich sein wird. Wir wären deshalb schlecht beraten, technologische Neuerungen wie diese zu verteufeln, und dennoch müssen wir uns natürlich über die Gefahren der künstlichen Intelligenz im Allgemeinen und der Chatbots im Besonderen im Klaren sein. So hat zum Beispiel die Forschungsgruppe Alignment Research Center eine Untersuchung zu der neuesten Version von ChatGPT durchgeführt. Es wurde zum Beispiel untersucht, ob die KI die Fähigkeit besitzt, übergeordnete Pläne zu erstellen, sich selbst zu replizieren oder Ressourcen zu beschaffen. Das Ergebnis: Leistungsstarke KI-Systeme sollten niemals unterschätzt werden. Nicht zuletzt spielen auch politische Tendenzen und Werte eine Rolle. Wie neutral ist eigentlich ein (Uta Wentzel) Chatbot bei seiner Antwortfindung? Könnte unser Verhalten in der Öffentlichkeit – wie zum Beispiel in China leider Praxis – per Gesichtserkennung dokumentiert oder gar bewertet werden? – Diese Dinge müssen geregelt werden. Die EU schafft gerade mit der KI-Verordnung einen Regulierungs- und Rechtsrahmen mit dem Ziel, einerseits die Potenziale von KI-Systemen zu fördern und andererseits die Risiken zu begrenzen. Deswegen begrüße ich ausdrücklich, dass die Landesregierung die KI-Strategie kontinuierlich überprüft und novelliert, gerade auch in Bezug auf den Umgang mit KI in den Schulen. Lernen können wir dabei aus der Praxis, denn Lehrkräfte haben schnell einen konstruktiven Umgang mit der KI gefunden, und umgehen können und wollen wir KI längst nicht mehr. ChatGPT hat schon jetzt Rekorde aufgestellt: Innerhalb von nur zwei Monaten knackte das Tool die magische Grenze von 100 Millionen Nutzern weltweit. Nur zum Vergleich: Instagram brauchte dafür 30 Monate. Schon jetzt gehen Schätzungen davon aus, dass die künstliche Intelligenz mit über 300 Milliarden Wörtern aus rund 95 verschiedenen Sprachen trainiert wurde. Das ist beeindruckend. Da KI nicht mehr verschwinden wird, müssen wir Schule und Schüler auf sie vorbereiten. Wir sollten hierbei unbedingt eine chancenorientierte Sichtweise einnehmen. KI kann und wird individuelles Lernen fördern, indem Schwächen der Schüler besser berücksichtigt werden und passgenaue und kreative Aufgaben erstellt werden können. So berichtete mir ein Lehrer, dass er für seinen Unterricht mit dem Chatbot ein imaginäres Gespräch zwischen Ludwig dem XIV. und Ludwig dem XVI. erstellt habe. KI in Schulen steht für einen interaktiven, einen digitalen und für einen modernen Unterricht, für einen Unterricht, der den Schülern die Vorteile der Nutzung von KI im Alltag vermittelt, für einen Unterricht, der die Schüler auf das Leben vorbereitet. Daher braucht es zeitnah Fortbildungsangebote für Lehrkräfte, in welchen die Möglichkeiten KI-gestützten Lernens aufgezeigt werden. Ich freue mich daher auf die kommenden KI-Strategien der Landesregierung und auf den damit verbundenen Diskurs. – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

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