Jette Waldinger-Thiering
Sehr geehrter Herr Landtagspräsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Dass wir für unsere Lehrkräfte gute Arbeitsbedingungen schaffen müssen, um dem Lehrkräftemangel entgegenzuwirken, steht außer Frage, und wie wir bereits in der letzten Sitzung im Januar erläutert haben, ist auch der SSW der Meinung, dass Lehrkräfte dringend entlastet werden müssen, und zwar langfristig gesehen auch im Hinblick auf die Pflichtunterrichtsstunden. Wir haben nun gestern über die Experimentierklausel gesprochen, und da ist die Ministerin in ihrer Rede explizit auf den Evaluierungsprozess auch im Zusammenhang mit den Regionalkonferenzen eingegangen und hat angekündigt, dass wir im nächsten Jahr, wenn das Konzept vorgestellt wird, ebenfalls eine Evaluierung bekommen, und zwar zum Thema Unterrichtsverpflichtung und zu den weiteren Aufgaben, die dabei von den Lehrkräften übernommen werden sollen. Ich warte nun ganz gespannt darauf, wie das aussehen wird. Nun zum Antrag der SPD-Fraktion. Ich weiß, dass ich im letzten Plenum gesagt habe: Nun reden wir wieder darüber, wie wir neue Lehrkräfte nach Schleswig-Holstein bekommen können und wie wir junge Leute motivieren können, damit diese auf Lehramt studieren. Ich habe dabei auch die Frage gestellt: „Können wir nicht warten, bis die Ministerin“ – es ist ja davon auszugehen, dass sie am Dienstag eine Pressekonferenz abhält – „das Konzept vorstellt?“ – Ist das nicht zu erwarten, und zwar nicht erst im zweiten Quartal des Jahres 2023? Können wir nicht einfach mal abwarten? Ich finde es auch sehr schwach, dass die die Regierung tragenden Fraktionen auf andere Bundesländer verweisen. Denn wir wissen doch selbst ganz genau, was uns in Schleswig-Holstein fehlt. Wir haben – ich weiß nicht, wie häufig ich schon darauf hingewiesen habe – in Flensburg noch immer einen NC. Stand war, als wir in der Küstenkoalition das Lehrkräftebildungsgesetz novelliert haben, dass Flensburg und die CAU nicht vernünftig zusammengearbeitet hatten. Wir haben lange Wege. In Zukunft werden uns Musikschullehrkräfte sehr stark fehlen, weil wir hier im Land keine vernünftig finanzierten Musikschulen haben. Die Wege sind lang. Wir müssen die Menschen mobilisieren; wir müssen junge Menschen dazu motivieren, auf Lehramt zu studieren, und wir müssen ihnen Lust machen, in der Schule, mit den Schülerinnen und Schülern, tatsächlich etwas zu erreichen. Wir müssen die Lehrkräfte wertschätzen. Sicherlich wäre für Klassenlehrkräfte eine Entlastung wichtig. Ich finde das immer spannend: Es geht ja nicht nur darum, einen Klassenraum herzurichten; es geht tatsächlich auch darum, dass es immer mehr Kinder gibt, die eine Diagnose haben. Auch damit muss sich eine Klassenlehrkraft auseinandersetzen. Eine Klassenlehrkraft muss vielleicht auch mal eine Situation beherrschen können, in der es einem Kind richtig schlecht geht, vielleicht sogar lebensbedrohlich. Vielleicht ist auch einmal ein Kind verstorben. Dann steht man vor einer Klasse und steht vor Eltern und Arbeitskollegen, und man hat Prozesse zu steuern. Man hat als Lehrkraft wirklich sehr viele Aufgaben, und dafür muss es eine Entlastung geben. Deshalb gehe ich davon aus, dass dann, wenn die Ministerin uns im nächsten Jahr einen Bericht und ein Konzept vorlegt, genau dies darin enthalten ist. Wir sagen alle: Wir können uns eine Entlastung für die Klassenlehrkraft jetzt gerade nicht leisten. Der eine sagt: Die Opposition erwartet das, aber wir können ja nicht mit den Millionenbeträgen um uns (Jette Waldinger-Thiering) hauen. – Der Antrag ist von der SPD und nicht vom SSW und auch nicht von der FDP gekommen. Das Problem ist doch: Wir können nicht warten. Wie viele Jahre wollen wir warten, um Entlastungen zu schaffen? Wenn wir jetzt nicht irgendwann einmal anfangen, tatsächlich Pflöcke in die Erde zu rammen, dann passiert da nichts. Wir können nicht warten. Auch der Vergleich mit den anderen Bundesländern hinkt. Was haben wir in Schleswig-Holstein? – Es gibt eine Buschprämie für Dithmarschen und Steinburg, damit die jungen Leute dort hingehen und ihr Referendariat dort abschließen. Wieso haben wir diese? – Weil die Wege dort so weit sind. Genau das gleiche Problem haben die anderen Bundesländer wie Brandenburg und so weiter auch, weil dort Infrastruktur fehlt. Zum dritten Punkt im SPD-Antrag: Wir müssen dafür Sorge tragen, dass junge Menschen ihr Referendariat abschließen können, dass sie eine ganz andere Eingangsbesoldung kriegen, nämlich mindestens die Hälfte der Besoldung, die sie vielleicht am Ende des Tages kriegen könnten, wenn sie ihre Ausbildung abschließen und verbeamtet werden. In diesem Antrag gibt es so viele Sachen. Ich finde, der Antrag sollte überwiesen werden und gemeinsam mit dem Konzept, das die Bildungsministerin uns vorstellt, im Bildungsausschuss diskutiert werden. Da gibt es so viele Sachen, und ich finde, wir sollten uns jetzt die Zeit nehmen, konkret miteinander und mit Expertinnen und Experten darüber zu reden, nicht immer nur so kurz im Plenum. (Beifall SSW und vereinzelt SPD)
