Christopher Vogt
Lieber Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Lehrkräfte haben ja einen der wichtigsten und eigentlich auch einen der schönsten Berufe in unserer Gesellschaft. Letzteres wird jedoch leider von vielen Lehrkräften nicht mehr so gesehen oder so unterschrieben; das muss man einfach festhalten. Nicht wenige Lehrkräfte sind unzufrieden und überlastet, einige fühlen sich sogar ausgebrannt. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob die Rede des Kollegen Habersaat heute dazu geführt hat, mehr Menschen zu motivieren, auf Lehramt zu studieren (Zuruf Martin Habersaat [SPD]) – Herr Kollege –, aber es ist zweifelsohne so, dass das Land hier als Arbeitgeber in der Verantwortung ist. Auch mit Blick auf das Interesse unserer Gesellschaft an guter Bildung ist das Land gefordert, wenn es darum geht, die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Der Fachkräftemangel wird schließlich auch in diesem Bereich deutlich größer werden; vor allem in den mathematisch-naturwissenschaftlichen und in den künstlerischen Fächern ist die Lage schon jetzt dramatisch, und dies wird sich fortsetzen, auch, wenn wir auf die Zahl der bevorstehenden Altersabgänge sowie auf die Zahl der Studierenden in diesen Fächern schauen. Hier klafft nämlich eine gewaltige Lücke, was dazu führen wird, (Christopher Vogt) dass wir auf den konventionellen Wegen nicht mehr weitermachen können, sondern pragmatischer werden müssen, meine Damen und Herren. Der Wettbewerb um Fachkräfte wird auch zwischen den Bundesländern zunehmend härter – Stichwort Lockprämie vonseiten Bayerns. Es hilft aber nicht, über die Maßnahmen anderer Bundesländer zu schimpfen; wir erwarten von der Landesregierung, dass sie deutlich mehr tut, damit Schleswig-Holstein für junge Lehrkräfte attraktiver wird. Die SPD fordert jetzt „Gute Arbeitsbedingungen für gute Lehrkräfte“; ich hätte fast gesagt: Wir fordern gute Arbeitsbedingungen für alle Lehrkräfte. – Aber Scherz beiseite, Herr Kollege; (Beifall FDP) das ist diese übliche SPD-Semantik, an die wir uns schon gewöhnt haben. – Sei es drum. Ihre Vorschläge sind wirklich diskutabel, Herr Habersaat. Ich habe gestern Abend bei der GEW auch gelernt, dass Sie dabei die Forderungen der GEW brav umsetzen. Ich gebe aber eines zu bedenken: Die ersten beiden Punkte gehen zwar in die richtige Richtung – für Entlastung zu sorgen ist ja richtig –, aber ich habe da schon gewisse Bauchschmerzen. Denn wenn dies umgesetzt würde, würde es natürlich erst einmal dazu führen, den Druck im System weiter zu erhöhen. Das kann aber nicht die richtige Antwort sein, wenn es dadurch zu noch mehr Unterrichtsausfall kommt. Deswegen bin ich da, Herr Kollege, ein bisschen zurückhaltend. (Beifall FDP und Sybilla Nitsch [SSW]) Der dritte Punkt – das hatte Herr Krüger zu Recht herausgearbeitet, neben den interessanten Einblicken in den Landtag von Mecklenburg-Vorpommern –: Sie hatten ja darauf hingewiesen, der dritte Punkt ist richtig, und dies wird auch schon gemacht. Auch ich glaube, dass man dort noch mehr machen kann. Aus unserer Sicht ist jedoch ein ganzes Bündel an geeigneten Maßnahmen notwendig, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern und den Lehrerberuf attraktiver zu machen. Wir sind da auf das angekündigte Konzept sehr gespannt, das wir, wenn ich es richtig sehe, am Dienstag von der Landesregierung bekommen werden. Was sollte man aus unserer Sicht tun? – Ich glaube, am wichtigsten ist es, dass die Lehrkräfte sich in erster Linie wieder viel stärker auf ihr Kerngeschäft, also auf die Erteilung von Unterricht, konzentrieren können. (Zurufe FDP) – Das klingt komisch, ist aber so. – Dafür braucht es deutlich mehr Unterstützung bei der Inklusion und bei der Integration. Das ist leichter gesagt als getan; es ist aber dringend notwendig. Es braucht auch hier weniger Bürokratie, beispielsweise weniger überflüssige Konzepte, wie sie derzeit geschrieben werden müssen, und auch weniger Konferenzen, die von allen mitgemacht werden müssen. Ich glaube, da kann man deutlich effizienter sein und kann die Lehrkräfte zeitlich entlasten. Weitere unterrichtsfremde Aufgaben gibt es zum Beispiel im IT-Bereich; diese müssen nun wirklich nicht von Lehrkräften erledigt werden, sondern können von Menschen übernommen werden, die eine andere Qualifikation haben. (Beifall FDP) Man sollte auch weniger um folgendes Problem herumreden: Die sozialen Probleme, die wir in unseren Schulen sehen, nehmen leider spürbar zu. Das hat sich durch die Pandemie nochmals deutlich verstärkt. Die Respektlosigkeiten nehmen zu, es gibt mehr verhaltensauffällige Kinder, und es gibt auch viele Eltern, die sich – ich drücke es einmal freundlich aus – nicht gerade hilfreich verhalten und die die Lehrer noch zusätzlich belasten. Deshalb braucht es mehr personelle Unterstützung in der Schulsozialarbeit, und es bedarf einer guten Zusammenarbeit in multiprofessionellen Teams. Den Lehrkräften muss auch bei Konflikten der Rücken gestärkt werden, etwa bei verbalen Attacken, in Fällen von Mobbing und Gewalt. Die ausbildenden Hochschulen in Flensburg und Kiel müssen finanziell aus unserer Sicht dauerhaft besser ausgestattet werden. Das Referendariat – auch dazu haben wir bei der gestrigen Veranstaltung etwas gehört – muss aus meiner Sicht reformiert werden. Es braucht insgesamt mehr Pragmatismus. Das Problem der „Kettenverträge“ muss gelöst werden. Hier bedarf es entsprechender Nachqualifizierungen; dabei gibt es noch viel Luft nach oben. Meine Damen und Herren, auch der häufig gewünschte Wechsel zwischen den Schularten muss erleichtert werden. Es muss mehr Freiräume auch für eigene Projekte geben, die – darüber haben wir gestern ebenfalls diskutiert – natürlich auch motivierend sind. Auch das muss kommen. Ich glaube, gerade im MINT-Bereich machen Vorbereitungsund Orientierungssemester Sinn; auch das muss man in diesem Bereich anwenden. (Christopher Vogt) Abschließend möchte ich sagen, Frau Ministerin: Der Vorschlag in puncto Teilzeit wird ja gerade besonders heiß diskutiert; ich verweise auf entsprechende SWK-Empfehlungen. Ich verstehe ja, dass man sagt: Zu viele Lehrer erteilen zu wenige Stunden. Auf der anderen Seite muss man, wenn man die Vorgaben verschärft, sehr vorsichtig sein, sodass man sich dadurch nicht selbst ins Knie schießt und noch mehr Lehrer herausdrängt. Da sollte man sehr zurückhaltend sein. Ich möchte vorschlagen, den SPD-Antrag im Bildungsausschuss weiter zu diskutieren. Die Koalitionsfraktionen sollten im Bildungsausschuss mehr Dialogbereitschaft zeigen und sollten etwa auch Anhörungen zulassen. (Zuruf) – Ja, ich meine das sehr ernst, Herr Kollege. Es reicht nicht, nur Konzepte einzufordern, die ohnehin schon erarbeitet werden. Das ist keine parlamentarische Arbeit. Sie sollten da wirklich Ihre Arbeitsweise überdenken. – Vielen Dank für die Aufmerksamkeit. (Beifall FDP, SPD und SSW)
