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Oliver Kumbartzky

FDP 25.01.2023 Sitzungen 20/16

Mit dem größten Vergnügen. Dirk Kock-Rohwer [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Herr Abgeordneter Kumbartzky, ich will die Biodiversitätsleistungen auf konventionellen Betrieben nicht schmälern. Wissen Sie, dass die Biodiversitätsleistungen auf Ökobetrieben signifikant höher sind als auf konventionell wirtschaftenden Betrieben? Ich kann Ihnen nur empfehlen, den Thünen Report zu lesen, in dem das ganz genau ausgearbeitet drinsteht. – Es ist mir bekannt, dass die Biodiversitätsleistungen von Ökobetrieben natürlich andere sind als bei der konventionellen Landwirtschaft. Was ich kritisiert habe – und dabei bleibe ich –, ist, dass Sie in dieser Debatte einseitig nur vom ökologischen Landbau gesprochen haben und nicht anerkennen, dass auch die konventionelle Landwirtschaft, deren Anteil viel größer ist, sehr gute Leistungen erbringt, auch für die Biodiversität und das Gemeinwohl. Darum ging es mir, Herr Kollege. (Beifall FDP und SSW) Ich wiederhole kurz, um wieder reinzukommen. Sie wollen die Anzahl der Betriebe verdoppeln. Es ist natürlich schon aufgefallen: Sonst reden Sie und auch die Verbände immer davon, die Fläche zu verdoppeln, jetzt geht es nur noch um die Zahl der Betriebe. Nichtsdestotrotz ist das ein ambitioniertes Ziel. Da fragt man sich natürlich schon, wenn man das im Koalitionsvertrag sieht: Na, wie soll das denn umgesetzt werden? Wie soll es erreicht werden? – Heute kam dann mit dem vorliegenden Antrag die Antwort: Es soll einen Runden Tisch geben. Also, Donnerwetter, herzlichen Glückwunsch zu dieser Initiative! (Beifall Sybilla Nitsch [SSW]) Immerhin – das will ich wirklich anerkennen – ist nicht mehr von „prüfen“ die Rede; das kommt in dem Antrag nicht einmal vor. Aber wahrscheinlich – weil wir jetzt schon ein halbes Jahr Große Koalition haben – haben Sie ein halbes Jahr intern geprüft, ob dieser Runde Tisch eingesetzt werden soll. Gewohnt harmonisch haben Sie das im Arbeitskreis diskutiert, und heute dann: der große Durchbruch. (Heiterkeit und Beifall FDP, SPD und SSW) Die spannende Frage ist natürlich: Wann soll dieser Runde Tisch stattfinden, und wo soll er stattfinden? Er wird definitiv nicht im Landwirtschaftsministerium stattfinden, weil es da schlicht noch keine gro- (Oliver Kumbartzky) ßen Tische gibt. Da könnte man höchstens Stuhlkreise veranstalten. Das hätte übrigens auch den Vorteil, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Stühle selbst mitbringen könnten und, in Ermangelung eines Tisches, der Minister sich nicht über selbigen ziehen lassen könnte. Insofern ist das auch kein schlechter Punkt. (Heiterkeit und Beifall FDP, SPD und SSW) Gerade diese von Herrn Dirk Kock-Rohwer angesprochene grüne Landwirtschaftsromantik mit dem Traum von 30 Prozent Ökolandbau und damit einhergehenden geringeren Erträgen kann man sich in einem Gunststandort wie Schleswig-Holstein schlicht nicht leisten – gerade jetzt nicht, da das Thema Ernährungssicherheit an vorderster Stelle steht. Im Antragstext weisen Sie selber auf ein weiteres Problem hin: die fehlende Nachfrage nach Produkten aus dem Ökolandbau. Eine Lösung haben Sie selber nicht, außer den Ruf nach Runden Tischen unter Einbeziehung der Wertschöpfungskette. Vielleicht haben die ja dann Ideen und helfen Ihnen. Ich würde Ihnen auch gern erzählen, wie wir abstimmen – es wird mit Spannung erwartet –: Wir stimmen gern zu, weil uns ein Runder Tisch lieber ist als GroKo-Politik am grünen Tisch. (Beifall FDP) – Der zündet jetzt vielleicht nicht so – egal. Wir verbinden mit dem Runden Tisch beziehungsweise Stuhlkreis auch die Hoffnung, dass die Landesregierung wertvolle Hinweise für das eigene Handeln aus der Praxis, aus der Wissenschaft bekommt, denn in der Agrarpolitik kommt von der Regierung leider bisher erschreckend wenig; das hat Frau Redmann angesprochen, das sehe ich auch so. Insofern habe ich die Hoffnung, dass der Runde Tisch eben auch dazu dient, dass die Verbände und die Wissenschaft einmal reinen Tisch mit der Landesregierung machen. – Vielen Dank. (Beifall FDP, SPD und SSW)

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