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Uta Wentzel

CDU 15.12.2022 Sitzungen 20/14

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Unsere Kinder wachsen in einer immer komplexeren, digitalen Welt auf. Wir möchten ihnen das Rüstzeug mitgeben, sich in dieser zurechtzufinden. Die Digitalisierung von heute ist erst der Anfang einer Entwicklung, die unser Land in einem noch nie dagewesenen Ausmaß verändern wird – vergleichbar etwa mit der industriellen Revolution vor 200 Jahren. Sie betrifft alle Lebensbereiche. Um den großen Herausforderungen unserer Zeit zu begegnen und diesen gesellschaftlichen Wandel zu gestalten, kommen neben fachlichen und kognitiven Kompetenzen sogenannten Zukunftskompetenzen – den Future Skills – eine große Bedeutung zu. Unser Bildungssystem nimmt eine zentrale Rolle dabei ein, um junge Menschen in die Lage zu versetzen, komplexe und sich immer schneller verändernde Situationen zu durchdringen, sich selbst eine Meinung zu bilden und interdisziplinäre Lösungen zu erarbeiten. Wir möchten, dass sie einen verantwortungsvollen Umgang mit den Medien erlernen. Denn all diese Fähigkeiten brauchen sie in ihrem Alltag, in Ausbildung und Studium und natürlich in ihren zukünftigen Berufen. Es reicht nicht mehr aus, am Ende der Schulzeit wichtige Fakten zu kennen, in mehreren Sprachen Vokabeln zu wissen und Verben zu konjugieren und die binomischen Formeln erklären zu können, sondern man muss eben auch Informationen medienkompetent aufbereiten (Uta Wentzel) und präsentieren können oder Programmiersprachen beherrschen. Daher ändert sich auch unsere Bildungslandschaft stetig, ja, muss sich immer wieder weiterentwickeln und steht vor großen Herausforderungen, aber auch Möglichkeiten, gerade auch durch die Digitalisierung. Dies sehen auch die Expertinnen und Experten der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission der KMK so. Dieses unabhängige Forschergremium empfiehlt in seinem Bericht Maßnahmen, um erfolgreiche Lehr- und Lernprozesse in einer digitalisierten und für eine digitalisierte Welt zu ermöglichen. Die Kommission schlägt zum Beispiel vor, in der Kita medienpädagogische Konzepte für eine frühe digitale Medienbildung zu erarbeiten und natürlich auch, entsprechende Fortbildungskonzepte für die Mitarbeiter bereitzustellen. Die Wissenschaftler werben für die dauerhafte Einrichtung länderübergreifender Zentren für Bildung, unter anderem zur Entwicklung digitaler Lehrmaterialien, um Synergien zu bündeln und Doppelentwicklungen zu vermeiden. Dieses Prinzip kennen wir ja auch aus dem Bereich der Digitalisierung der Verwaltung; es ist das EfA-Prinzip: „Einer für Alle“. Die Kommission empfiehlt die Einführung eines Pflichtfaches Informatik und entsprechende Lehrkräfteausbildung. Um mehr Informatiklehrkräfte zu gewinnen, schlägt sie alternative Professionalisierungswege vor, Weiterentwicklung der Lehramtsstudiengänge Informatik sowie die Förderung der Didaktik der Informatik. All diese Punkte finden Sie übrigens auch in unserem Koalitionsvertrag, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Um eine zukunftsorientierte Berufsausbildung zu gewährleisten, empfiehlt die Kommission die Modernisierung der Bildungsziele und Curricula, zum Beispiel im Bereich der Berufsschulen. Im Fokus steht die Qualifizierung des Personals in Aus-, Fort- und Weiterbildungen und die Stärkung digitaler Kompetenzen bei Studierenden und Dozenten – viele gute und wichtige Vorschläge. Wie sieht es nun bei uns in Schleswig-Holstein aus? – Auf viele Punkte ist die Ministerin in ihrem Bericht bereits eingegangen. Vielen Dank dafür. (Beifall CDU und Uta Röpcke [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) In einigen Bereichen besteht bei uns noch Handlungsbedarf, viele der genannten Empfehlungen haben wir in der Vergangenheit bereits erfolgreich auf den Weg gebracht, etliche finden sich in unserem Koalitionsvertrag, und in einigen sind wir in Schleswig-Holstein bereits führend. Um einige Beispiele zu nennen: Wir werden Schulen mehr Freiraum und Unterstützung zur Erprobung innovativer Unterrichtsformen im Rahmen einer Experimentierklausel gewähren, denn wir wollen an unseren Schulen Kreativität, Innovation, interdisziplinäres Problemlösen und Resilienz fördern. Wie viele gute Ideen aus der Praxis kommen, zeigen ja auch die Modellschulen Digitales Lernen. Wir werden die MINT-Offensive fortsetzen. Dazu gehört auch die Einführung von Informatik als Pflichtfach in allen allgemeinbildenden Schulen. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Um den erforderlichen Lehrkräftebedarf im Fach Informatik zu decken, startete bereits im vergangenen Schuljahr eine große Weiterbildungsoffensive. Fast 240 Lehrkräfte haben seitdem am IQSH eine anderthalbjährige Weiterbildung im Fach Informatik begonnen. Seit diesem Schuljahr – die Ministerin sagte es – werden an 80 Pilotschulen bereits zwei zusätzliche Stunden Informatik unterrichtet. Wir werden Informatik als Schulfach in der Lehrkräfteausbildung fest verankern und das Angebot der Studienplätze an unseren lehramtsbildenden Hochschulen ermöglichen, so auch an der EuropaUniversität in Flensburg. Zusätzlich werden wir in der Lehrkräfteausbildung digitale Methodik und Didaktik sowie Medienbildung stärker verankern. Denn wir brauchen Pädagogen, die diese wichtigen Zukunftskompetenzen vermitteln und jungen Menschen Lust auf MINT-Fächer machen, auch um den Fachkräftebedarf in diesem Bereich zu decken. Wichtige Impulse gibt es im MINT-Bereich auch von den außerschulischen Lernorten wie zum Beispiel der PHÄNOMENTA, wo Physik zum Anfassen geboten wird. Spannende Kooperationen zwischen Schulen, der Wirtschaft und der Wissenschaft ergänzen den Unterricht. Den Schülerinnen und Schülern macht es Spaß, nicht nur Reels und Videos zu produzieren und in den sozialen Netzwerken hochzuladen, sondern auch eigene Anwendungen zu programmieren. Um ein Beispiel aus der Praxis zu nennen: An der Auguste-Viktoria-Schule in Flensburg programmierten und bauten Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit Dozenten der Hochschule Flensburg eine CO -Ampel für den Klassenraum. 2 (Uta Wentzel) Bereits heute existieren viele digitale Innovationen „Made in Schleswig-Holstein“, die ein großes Potenzial auch für den Bildungssektor bieten. Beispielsweise können KI-gestützte Lernsysteme, wie das an der Hochschule Flensburg entwickelte, einen großen Teil zur Bildungsgerechtigkeit in unserem Land beitragen. Hier eröffnet sich die Chance, jedes Kind möglichst individuell zu fördern. Die Pandemie hat uns gezeigt, wie wichtig eine funktionierende digitale Infrastruktur ist. Durch den DigitalPakt konnten wir gemeinsam mit dem Bund viel erreichen. Die Digitalisierung im Bildungssystem ist ein Prozess, den wir auch zukünftig mit allen Beteiligten gemeinsam gehen möchten, damit wir gesamtgesellschaftlich hiervon profitieren. Wir schaffen die Rahmenbedingungen, um alle Generationen fit zu machen für die Zukunft, und die ist digital. – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

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