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Uta Röpcke

GRÜNE 15.12.2022 Sitzungen 20/14

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Dass Jugendliche im Jahr 2022 wenig optimistisch auf ihre Ausbildungsperspektiven blicken, zeigt die Mitte des Jahres veröffentlichte repräsentative Befragung von jungen Menschen der Bertelsmann Stiftung. Die Studie belegt: Jungen Menschen fällt es noch schwerer als in vorpandemischen Zeiten, ihre eigenen Chancen auf dem Arbeitsmarkt richtig einzuschätzen. Ihre Angst vor Misserfolg ist größer als jemals zuvor. Der Bedarf an einer individuellen Eins-zu-eins-Begleitung bei der Berufswahl ist durch die Pandemie noch einmal erheblich gestiegen und damit auch die Notwendigkeit der Bündelung von Beratung aus einer Hand oder unter einem Dach, wie sie von Jugendberufsagenturen angeboten wird. Expertinnen und Experten sind sich einig: Auf diese gestiegenen individuellen Orientierungs- und Beratungsbedarfe können Jugendberufsagenturen am besten reagieren. Das ist ein guter Grund, sie flächendeckend einzurichten. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, CDU und SPD) Das ist nach meinem Verständnis auch Konsens in diesem Landtag. Genauso wie die Notwendigkeit, diesen Prozess vonseiten des Landes zu unterstützen und zu fördern, wie es das Land bereits mit der Anschub- und Etablierungsfinanzierung getan hat. In dem Abschlussbericht der 2019 durchgeführten Evaluation der Jugendberufsagenturen in Schleswig-Holstein finden sich erste Erkenntnisse zu deren Wirkung auf die unterschiedlichen Zielgruppen. Es lassen sich daraus einige Handlungsempfehlungen ableiten. Sehr deutlich wurde, dass es nicht nur um finanzielle, materielle und personelle Ressourcen gehen darf, sondern die Kompetenzen und die Motivation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Ort sowie die Einbindung in gewachsene und bestehende Netzwerke mindestens eine ebenso große Rolle spielen. Ziel sollten also nicht ein Masterplan des Landes und auch nicht ein einheitliches Erscheinungsbild oder Branding der Marke Berufsagentur sein, sondern vielmehr die Berücksichtigung regionaler Relevanz und regionaler Besonderheiten. (Beifall Martin Balasus [CDU], Peer Knöfler [CDU] und Nelly Waldeck [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Jugendberufsagenturen sind ein lernendes System. Sie müssen es auch sein, denn so divers wie die Landkreise und kreisfreien Städte sind auch die Standorte. Aus diesem Grund werden wir dem Antrag der SPD-Fraktion nicht zustimmen, auch wenn uns das grundsätzliche Ziel eint, dass es landesweit Jugendberufsagenturen geben sollte. Wir wollen nicht von oben herab vorschreiben, sondern solche Jugendberufsagenturen Hand in Hand mit den Akteurinnen und Akteuren vor Ort organisieren. Eine weitere zentrale Empfehlung der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ist darüber hinaus die frühzeitige Einbindung aller potenziellen Akteurinnen und Akteure – Kollege Knöfler hat es gesagt – in überregionale Austausch- und Netzwerkformate von Beginn an, über die verschiedenen Rechtskreise hinweg, die hier involviert sind. Denn anders kann es nicht gelingen, den passenden Ansatz für die einzelnen, insbesondere die neuen Standorte zu entwickeln. Über die Interaktionsformate – fachlichen Austausch, Wissenstransfer –, die im Fokus stehen müssen, wurde schon viel gesagt. Darum schlagen wir genau diesen Weg mit unserem Antrag ein und fordern die Landesregierung zur Durchführung dieser Fach- und Vernetzungstagung auf. Nur damit dieser Punkt nicht unerwähnt bleibt: Natürlich ist auch uns ein Monitoring zur Überprüfung der Wirksamkeit dieser seit 2015 etablierten Strukturen wichtig. Auch dafür finden sich Empfehlungen in der Evaluation von 2019. Gleichzeitig findet sich da die Warnung, Jugendberufsagenturen nicht an Zielgrößen zu messen, auf die sie nur einen eingeschränkten und indirekten Einfluss haben, wie Arbeitsmarkt, Ausbildungsmarkt, Anzahl der Schulentlassungen und so weiter. Die Expertinnen und Experten empfehlen grundsätzlich, von einer kausalen Wirkungsanalyse abzusehen. Das heißt, ein Monitoring wurde gemäß der Evaluierung in den letzten zwei Jahren schon entwickelt und wird im nächsten Frühjahr an drei Standorten (Uta Röpcke) in Schleswig-Holstein in die praktische Testphase gehen – so habe ich das verstanden. Sie sehen: Wir und Sie sind gar nicht so weit auseinander, wir halten aber nicht zuletzt auf der Grundlage der erfolgten Evaluation – das heißt, alle Daten liegen vor, seit dem Bericht 2020, in dem das ganz genau aufgeführt wurde – zum jetzigen Zeitpunkt den von uns beschriebenen Weg für pragmatischer, erfolgversprechender und damit am Ende für das effizientere Unterstützungssystem in der Fläche für junge Menschen in Schleswig-Holstein. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU)

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