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Christopher Vogt

FDP 14.12.2022 Sitzungen 20/13

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Es wird allein schon dadurch interessant, dass nicht der Kollege Kumbartzky für die FDP-Fraktion spricht. (Vereinzelter Beifall – Zurufe) Er kommt aber heute noch zweimal, also freuen Sie sich nicht zu früh! Meine Damen und Herren! Die jüngste IQB-Studie hat bundesweit bei den untersuchten Dritt- und Viertklässlern eine verheerende Entwicklung aufgezeigt: beim Lesen und Schreiben, aber gerade auch beim Fach Mathematik. Rund 20 Prozent der Kinder schaffen nicht einmal mehr die Mindeststandards. Das ist eine problematische Grundlage für deren weitere Schullaufbahn. Die Pandemie war mit Sicherheit alles andere als förderlich, aber der Trend zeigt ja schon länger nach unten. Es gibt eine Reihe weiterer Ursachen. Ich bin der Meinung, dass die Folgen der Pandemie gerade für die Kinder im Grundschulalter größer sind als von vielen Menschen bisher angenommen. Da kommt, glaube ich, noch etwas auf uns zu, dem man noch viel stärker begegnen muss. So kann und darf es nicht weitergehen. Es muss jetzt alles dafür getan werden, um diesen fatalen Trend endlich umzukehren. Dabei kommt dem Fach Mathematik eine ganz zentrale Rolle zu. Es ist angemessen, dazu einen spezifischen Antrag zu stellen. (Beifall FDP und SPD) Die Qualität des Matheunterrichts muss flächendeckend besser werden. Da ist die Landesregierung gefordert, die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen. Mathe ist in der Tat ein bekanntermaßen besonders angstbehaftetes Fach. Das kennen viele Sitzung (neu) - Mittwoch, 14. Dezember 2022 899 hier im Raum. Es hängt sicherlich mit der persönlichen Neigung zusammen, vielleicht aber auch mit den Lehrern, die man hatte oder hat. Das muss aber nicht so sein. Dem muss man meines Erachtens viel stärker begegnen, als das bisher geschieht. Ich habe auch meine eigenen Erfahrungen. Immerhin bin ich Wirtschaftsingenieur geworden. (Dr. Kai Dolgner [SPD]: Es hat halb geklappt! – Heiterkeit) – Kai Dolgner, für deine akademischen Weihen hat es nicht gereicht, das stimmt. Was kann man tun? – Zunächst müssen sich die Lehrkräfte gerade in den Grundschulen wieder stärker auf den Unterricht und hier vor allem auf die Kernfächer konzentrieren können, Thema Entlastung und Unterstützung, und auf die Verbesserung bei den multiprofessionellen Teams. Wir brauchen in den Grundschulen mehr Unterrichtsstunden. Da haben wir bei Jamaika bereits Fortschritte gemacht. Diesen Weg muss man in der Tat weitergehen. Der Bildungsausschuss empfiehlt dem Landtag in dieser Tagung die Annahme des Antrags für eine Qualitätsoffensive in den Grundschulen. Das freut uns sehr. Allerdings soll dies leider nur in etwas abgeänderter Fassung passieren, Herr Kollege Balasus. Die Koalition hatte für ihre Zustimmung darauf bestanden, dass bei dem Punkt, die Unterrichtszeit für die Grundschule um eine Stunde zu erhöhen, das Wort „schnellstmöglich“ gestrichen wird und dass die von uns und den Wissenschaftlern, die die Kultusministerkonferenz beraten, geforderte frühe Untersuchung der Kinder ab drei Jahren gestrichen werden soll. Beide Punkte kann ich nicht ganz nachvollziehen, vor allem nicht nach den Reden der Koalition heute. (Beifall SPD und Oliver Kumbartzky [FDP]) CDU und Grüne wollen nun interessanterweise jeweils eine zusätzliche Unterrichtsstunde Deutsch und Mathe in den Klassenstufen 1 und 2 zumindest prüfen – natürlich. (Martin Habersaat [SPD]: Aber nicht schnellstmöglich!) – Genau, nicht schnellstmöglich, erstmal nur prüfen. Ich finde die Idee grundsätzlich sympathisch. Der Kollege Balasus hat sich ja schon kürzlich in einer Pressemitteilung für mehr Unterricht im Fach Politik eingesetzt. Ich denke aber: Im Fach Mathematik wäre es erst einmal von besonders großer Bedeutung, dass dieses Fach tatsächlich von ausgebildeten Fachlehrkräften unterrichtet wird. (Christopher Vogt) (Beifall FDP und Serpil Midyatli [SPD]) Das ist eigentlich banal, ist es aber nicht, weil es schon lange nicht mehr selbstverständlich ist. Gerade im Hamburger Umland oder auch an der Westküste ist es ein großes Problem. Dort, wo ausreichend Fachpersonal vorhanden ist, finde ich den Vorschlag von SPD und SSW genau richtig, zunächst eine Doppelbesetzung in Betracht zu ziehen, um mehr individuelle Förderung zu ermöglichen. Es braucht für den besseren Mathematikunterricht ohne Frage bessere Ressourcen. Es sollen ja auch neue Stellen geschaffen werden. Wir werden uns in dieser Tagung auch mit dem Thema Lehrkräftegewinnung beschäftigen. Wir sehen aber im MINTBereich wie im künstlerischen Bereich, dass es dort viel zu wenige Bewerberinnen und Bewerber und viel zu wenige Studierende gibt, um den Bedarf abzudecken. Ich finde es schwierig zu sagen, wir brauchen noch einmal eine Stunde mehr Mathe, obwohl wir jetzt schon zu wenig Fachlehrer haben. Da muss man anders ansetzen. (Beifall FDP – Zuruf Martin Balasus [CDU]) Wir sollten einmal nach Hamburg schauen, das bei der IQB-Studie eine bemerkenswerte positive Überraschung war, wofür man dort allerdings auch viel getan hat. Das muss man wirklich anerkennen. Wir müssen den Unterrichtsausfall gerade an Grundschulen viel engagierter bekämpfen. Man muss den Ganztag als Chance sehen, und man kann auch Apps einsetzen, um spielerisch zu lernen – gerne auch schon in den Kitas. Man sollte die Projekte „Mathe macht stark“ und andere Programme ausweiten. Wir müssen die lehrkräftebildenden Hochschulen – gerade auch die Universität Flensburg – viel stärker finanziell ausstatten. Die Lehrerausbildung und die Fortbildungen müssen verbessert werden. Man sollte Lernmaterialien überprüfen und systematisch wie in Hamburg Starterhebungen einsetzen, um mit den Daten etwas Sinnvolles machen zu können. Herr Balasus hat kürzlich gesagt: „Eine gute und zielführende Bildungspolitik muss praxistauglich sein und sich an den wissenschaftlichen Erkenntnissen orientieren.“ Das sehen wir ganz genauso, Herr Balasus. Deswegen: Stimmen Sie am besten unserem Antrag zu! Es geht nicht um markige Worte, sondern um konkrete Maßnahmen, um die Weiterentwicklung von Programmen und Ausweitung. WP) - 13. Sitzung (neu) - Mittwoch, 14. Dezember 2022 Dem Koalitionsantrag, Herr Balasus, könnten wir, wenn wir heute abstimmen, auch zustimmen. Sie wollen ja Sachen feststellen, etwas begrüßen und wieder sehr viel prüfen. Sie übertreffen sich heute sogar selbst: Sie wollen mit Ihrem Antrag sogar Prüfungen prüfen. Herzlichen Glückwunsch! (Heiterkeit und Beifall FDP und SPD) Wir können beiden Anträgen zustimmen, könnten aber auch beide Anträge im Ausschuss vertiefend beraten. Herr Harms, ich gehe dann auch hin. Sie sind auch herzlich eingeladen. Dann können wir es dort weiter vertieft beraten. – Vielen Dank für die Aufmerksamkeit. (Beifall FDP und SPD)

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