Dr. Bernd Buchholz
Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Es wäre deutlich mehr Arbeit für mich, diese Rede zu Protokoll zu geben, als sie zu halten. (Serpil Midyatli [SPD]: Ach so! – Weitere Zurufe) Dann müsste ich aus meinem Kopf heraus noch irgendetwas zu Papier bringen, was ich bisher nicht gemacht habe. Das tut auch nicht not. Lassen Sie mich an dieser Stelle sagen: Das Thema Berufsorientierung hat in den Pandemiejahren – da können wir machen, was wir wollen – gelitten. Denn die praktische Möglichkeit, sich vor Ort zu orientieren, war nicht da. Das liegt auch daran, dass viele Unternehmerinnen und Unternehmer in diesem Land gesagt haben: Ja, ich soll ja selbst meine eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fernhalten, wie soll ich mir da noch von draußen Leute für ein Praktikum reinholen? Dementsprechend ist die Berufsvorbereitung ein schwieriges Kapitel gewesen. Jetzt geht es darum, das wieder zu beleben und zwar reichlich zu beleben. Aus meiner Sicht ist dabei aber das Wichtigste nicht unbedingt eine solche Onlinebörse, sondern dass die Unternehmen, die einen Ausbildungsbedarf haben, die Chance bekommen, in den Schulen selbst zu zeigen, wer sie sind. Das wäre die wichtige Öffnung, die wir im Land an allen Stellen brauchen. Da gibt es regionale Unterschiede. Es gibt so manche Schule, die das nicht zulässt, weil sie sagt: Na, das machen alles unsere Lehrer. Es ist die beste Möglichkeit, vor Ort, am liebsten durch Auszubildende selbst, zu zeigen, wie die Berufe aussehen und die Unternehmen in die Schulen zu lassen. Denn es ist gerade auch Aufgabe der Privatwirtschaft selbst, für ihren Nachwuchs zu sorgen; das ist nicht alles eine staatliche Aufgabe. (Beifall FDP, SPD, SSW und Peer Knöfler [CDU] – Serpil Midyatli [SPD]: Ich glaube, ich brauche noch einen Dreiminutenbeitrag! – Heiterkeit) – Ja, unbedingt. Wir haben noch bis 18 Uhr Zeit, das kannst Du noch machen. Liebe Kollegin Nitsch, deshalb finde ich den Antrag vom SSW auch ganz nett. Natürlich ist es gut zu wissen, wo was ist. Das ist gar nicht schlecht. Ich frage mich allerdings – dem können wir dann auch nachgehen –: Was nützt es mir, zu wissen, dass in das Angebot an der Westküste, das durch vier Kreise – durch vier Kreise, Herr Kollege! – betrieben wird, aktuell 2.368 Unternehmen 5.473 Angebote eingestellt haben – das ist doch toll! –, wenn ich in Geesthacht sitze? (Malte Krüger [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Und da fragen Sie nach Angeboten!) Was nützt an der Stelle das landesweite Portal? Warum ist denn immer dieser Aufwand notwendig? Warum müssen wir immer, wenn es um solche Dinge geht, so gigantomanisch denken? Der Kollege Knöfler setzt ja noch einen drauf: Jetzt muss es gleich eine Studienorientierungs- und Berufsbildungs- und Sonstwas-App sein. Ich sehe schon den Dataport-Auftrag vor mir. Der dauert drei Jahre! (Heiterkeit) Das Konzipieren des Grundprojektes dauert schon zwei Jahre. Danach wird eine Feldstudie gemacht, ob nicht noch etwas anderes berücksichtigt werden muss. Nach vollen fünf Jahren hätten wir dann ein irgendwie geartetes Angebot. Leute, lasst doch einmal die Kirche im Dorf und macht es praktisch! An dieser Stelle wäre es doch (Dr. Bernd Buchholz) so einfach: Die Unternehmen sind selbst in der Verantwortung. Die meisten sind in Handwerkskammern beziehungsweise Industrie- und Handelskammern organisiert. Diese sollen sich mit dem Angebot, das an der Westküste existiert, auseinandersetzen; die Kammern in Lübeck und Flensburg sind wohl schon dabei. Dann wollen wir mal gucken, ob sie uns erklären können, warum sie dieses Angebot nicht landesweit auf die Füße stellen können. Warum denn nicht? (Beifall Oliver Kumbartzky [FDP]) Warum muss das immer gleich irgendwo in einem Ministerium angesiedelt werden?
