Jette Waldinger-Thiering
Sehr geehrte Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Vor rund zwei Jahren hatten wir einen Antrag hier im Land der Jamaikakoalition zum „Jahr der Bildung für Nachhaltige Entwicklung“. Darin wurden verschiedene Maßnahmen der Landesregierung begrüßt, um Bildung für nachhaltige Entwicklung zu fördern und stärker in die Bildungslandschaft zu integrieren. Dazu gehört die Arbeit an den Zukunftsschulen und den außerschulischen Lernorten sowie das Programm „Schulklassen auf dem Bauernhof“. Darüber hinaus sollte die Landesregierung das Schuljahr 2020/2021 zum Jahr der Bildung für nachhaltige Entwicklung ausrufen. Hierzu hat es dann auch einen landesweiten Kongress gegeben, das war 2019. Seitdem hatten wir Debatten zur Landesstrategie „Bildung für Nachhaltige Entwicklung“ oder zum Berichtsjahr der Bildung für nachhaltige Entwicklung Schleswig-Holstein. Kurz und gut: In den letzten zwei Jahren wurde das Thema Bildung für nachhaltige Entwicklung politisch und gesellschaftlich ausführlich diskutiert und behandelt – das ist auch richtig so. Angefangen bei der frühkindlichen Bildung über Schule, berufliche Bildung, Hochschule bis hin zur nonformalen Bildung und beruflichen Weiterbildung müssen wir den Gedanken der Nachhaltigkeit stärker implementieren. So geht beispielsweise aus der Landesstrategie hervor, dass bereits an vielen Schulen in Schleswig-Holstein konkrete Maßnahmen für mehr Nachhaltigkeit ergriffen und umgesetzt werden. Es gibt also bereits ein großes Engagement an unseren Schulen, und das haben wir lobend hervorgehoben. Daher wundere ich mich über den vorliegenden Antrag, in dem die Landesregierung gebeten wird, ein Konzept für eine Bildungsoffensive zur weiteren Verbraucherbildung für Schülerinnen und Schüler im Ernährungsbereich vorzulegen. Heißt das, dass das bisherige Engagement an unseren Schulen nun doch nicht so groß ist? Oder wie ist der Antrag zu bewerten? Was ist in den letzten zwei Jahren geschehen? Oder was hat sich verändert, dass wir heute über ein Konzept für eine Bildungsoffensive zur Verbraucherbildung sprechen? (Jette Waldinger-Thiering) Gleichwohl sage ich für den SSW: Wir unterstützen die Bitte nach einem solchen Konzept und werden dem Antrag daher auch zustimmen. Natürlich ist es gerade für junge Menschen wichtig zu erfahren, woher die Lebensmittel kommen und wie sie produziert werden, dass Lebensmittel einen Wert darstellen und keine Wegwerfware sind. Die Vermittlung solcher Werte ist richtig und wichtig, und das lässt sich häufig besser anhand von praktischen Beispielen und dem direkten Erleben rüberbringen, als trockener Schulunterricht es kann. Mit einem solchen Konzept könnten dann all die Schulund Lernstandorte erreicht werden, die bislang noch ein Defizit in diesem Bereich aufweisen. Wir wissen aber, dass die Verbraucherbildung nur ein Teilbereich aus dem gesamten Spektrum der Bildung für nachhaltige Entwicklung ist. BNE ist weit mehr als nur der Besuch auf dem Bauernhof. (Vereinzelter Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Beifall Martin Habersaat [SPD]) Wie sieht es denn nun aus mit den anderen Bereichen? Was ist mit nachhaltigen Lebensweisen, der Gleichstellung der Geschlechter, den Menschenrechten, der kulturellen Vielfalt oder menschenwürdiger Arbeit, um nur einige zu nennen? Wie sieht es damit an unseren Lernstandorten aus? Werden hierfür auch Konzepte benötigt? Denn all das sind Werte, die es ebenso zu kennen und zu schützen gilt und für die wir uns einsetzen müssen. Wir erleben zurzeit eine nicht unumstrittene Fußballweltmeisterschaft in einem Land, das sich eben nicht zu all diesen Werten bekennt. Wir konnten sehen, wie Fußballer sich weigerten, ihre Nationalhymne zu singen aus Protest gegen ihre eigene Regierung. Und wir haben mitbekommen, wie große Fußballnationen vor der FIFA bei der Diskussion um die One-Love-Binde einknicken. Es ist unbestritten: Nachhaltige Verbraucherbildung ist wichtig. Wir haben uns aber zu allen UN-Nachhaltigkeitszielen bekannt. Von daher ist es umso wichtiger, dass eben alle Nachhaltigkeitsziele auch vermittelt werden. (Beifall SSW, vereinzelt CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
