Werner Kalinka
Das ist doch intellektuell lächerlich, so was! – Zuruf SPD: Was ist denn daran lächerlich?) Festzuhalten ist, dass neben der Zahl der zu unterrichtenden Stunden auch dringend die Qualität der unterrichteten Stunden in den Blick genommen werden muss. Die guten Ergebnisse 2016 lagen jedenfalls erkennbar nicht daran, dass damals mehr Stunden als „zu unterrichtend“ in den Plänen standen, meine Damen und Herren. Wenn Schülerinnen und Schüler Angst vor Mathe haben, ist mehr Mathe jedenfalls nicht automatisch und von alleine die richtige Antwort, die dieses Problem löst. (Zuruf Cornelia Schmachtenberg [CDU]) – Nein, nicht lieber gar kein Mathe, aber wenn die IQB-Studie uns sagt: „Schülerinnen und Schüler haben Angst vor dem Mathematikunterricht“, Frau Kollegin, dann ist es doch zu kurz gesprungen zu sagen: „Super, dann bekommt ihr davon einfach mehr, und alles wird gut“. Dann müsste man sich doch überlegen: Wie verändern wir denn gegebenenfalls den Mathematikunterricht so, dass er den Schülerinnen und Schülern entgegenkommt? Vorausschauende Einstellungspolitik gab es bei Ihnen nur für die Gymnasien, um für G 9 gewappnet zu sein. Sie verweigern den Grundschulen seit sechs Jahren eine Ausweitung der dringend benötigten Schulassistenz. Sie wissen lange, dass unkoordinierte Fortbildung einzelner Kolleginnen und Kollegen einer Schule null Effekte für die Unterrichtsqualität hat. Sie nehmen riesige Unterschiede in der Fachkräfteversorgung im Land in Kauf. Sie ahnen, so hoffe ich, wie Schule und Unterricht sich entwickeln sollten, und starten trotzdem Nebelkerzenoffensiven zu nicht gegenderter Sprache und (Martin Habersaat) Imagekampagnen für die industrielle Landwirtschaft. Meine Damen und Herren, den Ganztag hier als positiv hinzustellen, wissend, dass in Schleswig-Holstein 32 Prozent aller Grundschülerinnen und -schüler ein Ganztagsangebot besuchen, bundesweit aber ein Schnitt von 54 Prozent erreicht wird und wir die traurige rote Laterne halten, das ist auch eine Vernebelungsstrategie. (Beifall SPD, Christopher Vogt [FDP] und Jette Waldinger-Thiering [SSW]) Liebe Kolleginnen und Kollegen von der regierungstragenden Koalition, vielleicht überlegen Sie sich noch mal, ob es wirklich eine gute Idee ist, die Maßnahmen zum Aufholen nach Corona am Ende des laufenden Schulhalbjahres im Februar 2023 auslaufen zu lassen, wie Sie das momentan planen. Was funktioniert, ist von Vorgängerinnen auf den Weg gebracht worden, die hier von Ihnen oft und gerne kritisiert werden und deren Maßnahmen Sie nun retten: Das Programm „Niemanden zurücklassen“ startete im Schuljahr 2006/2007. „Mathe macht stark“ wurde 2013 etabliert, „Lesen macht stark“ 2014 ausgebaut. Der Prien-Ansatz „Hinter einer schönen Handschrift verbirgt sich ein schöner Charakter“ verschwand glücklicherweise 2018 schnell wieder in der Schublade. (Heiterkeit und Beifall Sandra Redmann [SPD]) Aber wo sind denn die qualitativen Weiterentwicklungen? Dass der Fortschritt in dieser Koalition eine Schnecke ist, beweisen Sie mit Ihrem heutigen Antrag zum Thema Campusklassen: 2014 – vor acht Jahren – empfahl der Inklusionsbericht der damaligen Landesregierung Campuslösungen. (Martin Balasus [CDU]: Heute auch!) Nun war das eine Regierung von SPD, Grünen und SSW und somit wahrscheinlich farblich in Teilen falsch und aus Ihrer Sicht nicht zu berücksichtigen. Gehen wir ein bisschen weiter: 2020 legte dann die Bildungsministerin Prien einen Inklusionsbericht vor, der für die Förderzentren die Bandbreite von punktuellen Kooperationen über Campuslösungen bis zu regelhaftem gemeinsamen Unterricht an einem Schulstandort empfahl. Ende 2022 muss nun dieselbe Bildungsministerin von Ihnen aufgefordert werden, endlich ein Konzept für diese Campuslösungen vorzulegen. Das ist doch einerseits traurig, und andererseits können wir Ihnen sagen: Wir stimmen ihm zu, Hauptsache, da geht es endlich voran. (Beifall SPD und Jette Waldinger-Thiering [SSW]) Der wichtigste inhaltliche Aufschlag unserer Bildungsministerin zum IQB-Desaster war eine Sprachstandserhebung für Viereinhalbjährige nach Hamburger Vorbild. Diese müssten dann allerdings verbindlich und natürlich beitragsfrei in der Kita gefördert werden. Das wurde von der Sozialministerin ziemlich schnell abgeräumt. Nun steht Schleswig-Holstein konzeptionell blank dar mit einer Ministerin, die der Inklusion und der Migration die Schuld gibt. So, wie es ist, kann es nicht bleiben. Inklusion und Vielfalt sind keine Schwäche, an den beiden liegt es nicht. Es liegt an uns. – Vielen Dank für die Aufmerksamkeit. (Beifall SPD und SSW)
