landtag.ltsh.de ↗

Uta Wentzel

CDU 30.09.2022 Sitzungen 20/9

Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Ich wollte noch einmal auf die emotionale Seite dieser Debatte zurückkommen. Wir alle oder die meisten von uns sind Eltern, und für viele von uns ist das ein sehr emotionales Thema. Die Ministerin hat gestern gesagt: Die medizinische Versorgung darf nicht gewinnorientierten Interessen unterworfen werden. Das ist mir sehr, sehr wichtig. – Entschuldigung. Ich kann Ihnen einfach einmal einen Bericht aus der Praxis geben. In meinem Geburtsvorbereitungskurs, vor meinem ersten Kind, waren wir acht Frauen. Bei einer Frau war klar: Da wird ein Kaiserschnitt passieren müssen. Im Endeffekt haben von diesen acht Frauen nur drei auf natürlichem Wege ihr Baby bekommen. Bei fünf endete es mit einem Kaiserschnitt, und das war sehr traumatisch für diese Frauen. Sie haben lange daran geknabbert. Entschuldigung, aber wir sind eines der reichsten Länder der Welt. Es kann nicht sein, dass wir keine gebärfreundliche Gesellschaft sind. Das müssen wir ändern. Es freut mich sehr, dass heute in diesem Hohen Haus darüber diskutiert wird. Es eint uns alle, dass wir diese Situation verbessern wollen – nicht nur für die Familien, auch für die Hebammen. Die Erfahrung, die wir zum Beispiel in meinem Geburtsvorbereitungskurs gemacht haben, ging dahin: Meine Hebamme war Beleghebamme; sie hat mich im Krankenhaus begleitet, hat uns alle begleitet. Sie ist danach ausgestiegen, sie macht nur noch Hausgeburten. In meinem Freundeskreis wurden in den letzten Wochen drei Babys geboren, zwei kommen erst noch. Für viele ist es das zweite Kind. Die Hälfte von ihnen hat sich entschieden, ihr Kind in Geburtshäusern oder zu Hause zur Welt zu bringen – wissend, welche Gefahren das in sich birgt –, aufgrund der Erfahrungen, die sie in den Kliniken gemacht haben. Ich freue mich wirklich, dass es jetzt im Bund angegangen wird und wir alle hier uns einig sind, dass wir die Situation verbessern müssen. Ich ärgere mich darüber, dass Kliniken ihre Geburtsstationen schließen und dass die Hebammen unter Bedingungen arbeiten müssen, die nicht in Ordnung sind. Bei meiner letzten Geburt war ich stundenlang alleine, weil sechs andere Frauen Kinder bekommen haben. Das war nicht schön. (Birte Pauls [SPD]: Ne! – Beifall) Deswegen freue ich mich sehr, dass wir hier dafür zusammenkommen, denn ich möchte, dass die Situation sich für die Familien und Hebammen verbessert. Ich möchte nicht, dass eines der wichtigsten gesundheitlichen Themen wirtschaftlichen Interessen unterliegt. Deswegen danke ich Ihnen für diese Diskussion heute und danke auch, dass es großenteils sachlich war und nicht parteipolitisch instrumentalisiert wurde. Ich freue mich und hoffe, dass sich die Situation für die Familien, für die Frauen und für die Hebammen wirklich bessert. – Vielen Dank. (Beifall ganzes Haus)

Alle Reden von Uta Wentzel Protokoll ↗