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Christopher Vogt

FDP 02.09.2022 Sitzungen 20/6

Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Beruhigen Sie sich, es ist bald Wochenende. Es ist natürlich erst einmal interessant und auch charmant, die Beteiligungs- und Feedbackkultur an den Schulen des Landes verbessern zu wollen. Ich habe auch das 100-Tage-Programm gespannt wie ein Flitzebogen gelesen. Da ist mir das auch aufgefallen. Ich muss allerdings schon sagen, dass ich etwas überrascht war, als ich dieses wirklich hochinteressante und spannende 100-Tage-Programm gelesen habe. Ich war sicherlich einer der Wenigen. Ich glaube sogar, es haben mehr Leute daran mitgeschrieben, als es gelesen haben, aber egal. Als ich das gesehen habe, habe ich gedacht: „Na ja, das ist jetzt die erste bildungspolitische Initiative der Koalition hier im Plenum.“ Im Vergleich zu meinen männlichen Vorrednern bin ich der einzige NichtLehrer. Ich bitte da um Nachsicht. (Zurufe: Oberlehrer! – Zuruf: Wir geben gern Feedback! – Martin Balasus [CDU]: Wir mögen dich trotzdem!) – Das ist jetzt ein fieses Feedback. Aber ich bin schon der Meinung und meine das auch ernst, dass in unseren Schulen momentan Sorgen bestehen mit Blick auf Ukraine und die Auswirkungen von Corona und so weiter, wo ich mir hätte vorstellen können, dass man als Koalition noch andere Dinge in der ersten Plenarsitzung anspricht: (Christopher Vogt) (Beifall FDP, SPD und SSW) die weitere Digitalisierung – der Digitalpakt ist immer noch nicht ausgeschöpft –, das Thema E-MailAdressen, wo wir festgestellt haben, dass das wiederholt nicht funktioniert hat, der Aufholprozess nach Corona, Fachkräftemangel, notwendige MINT-Offensive, politische und ökonomische Bildung, mehr Schwimmunterricht – auch darüber werden wir in der nächsten Tagung sprechen –, dass wir die Grundschulen weiter stärken oder auch, dass wir die Schulleitungen entlasten. Insofern hätte ich da zumindest erste Ansätze von der Koalition zu diesen wichtigen zentralen Punkten erwartet. Wie auch immer: Die Lehrkräfte in Schleswig-Holstein klagen vermehrt über die außerunterrichtlichen Verpflichtungen und vor allem über die vielen Konferenzen zu verschiedenen Themen. Da stelle ich mir schon die Frage, ob ein strukturiertes Schülerfeedback nun dazu führt, dass das weniger wird oder nicht vielleicht auch erst einmal mehr. Auch nach dem Bericht der Ministerin – es wird wahrscheinlich allein an mir liegen – ist mir die genaue Ausgestaltung des geplanten Schülerfeedbacks noch nicht ganz klar geworden. (Dr. Heiner Garg [FDP]: Oh!) – Heiner, Du weißt es natürlich, klar. (Dr. Heiner Garg [FDP]: Nein!) Ich denke, es sollte klar sein, dass wir dafür sehr klare und sinnvolle Kriterien brauchen und es grundsätzlich um eine konstruktive Lernatmosphäre an unseren Schulen gehen muss. Die Feedbackinstrumente sollten selbstverständlich auch zu den verschiedenen Schülerinnen und Schülern passen, wo meines Erachtens vor allem das Thema Alter eine Rolle spielt. Herr Krüger hat es angesprochen: In Hochschulen gibt es so etwas schon. – Ja, aber ich glaube, das kann man nicht ansatzweise eins zu eins übertragen, sondern vielleicht nur auf die Oberstufen. Ich glaube, das muss man sehr strukturiert angehen. Ich habe schon ein bisschen die Befürchtung, dass das Ganze mitunter zu einer destruktiven Lehrerkritik genutzt werden könnte, (Ministerin Karin Prien: Oh!) wenn man das nicht richtig anpackt. (Ministerin Karin Prien: Das stimmt!) – Ja, Frau Prien, schön, dass Sie sagen, das werde alles nicht passieren. Die Bedenken des Philologenverbandes habe ich heute in der Zeitung gelesen, Sie vermutlich auch. Sie mögen das alles als albern empfinden, ich nehme das ernst, denn ich glaube - Freitag, 2. September 2022 329 schon, dass die Lehrkräfte auch mit Sorge darauf gucken, wie das denn eingeführt wird. Ich habe mir noch keine abschließende Meinung zu Ihrem Projekt bilden können. Ich habe ja auch eben erst das Wesentliche erfahren. Aber ich glaube, ich tue niemandem Unrecht, weil meine erste Assoziation, Herr Krüger, tatsächlich diese Bewertungsportale waren, die eine öffentliche Prangerfunktion haben. In diese Richtung darf es natürlich auf gar keinen Fall gehen. Ich habe sehr wohl wahrgenommen, dass das damit nicht ansatzweise etwas zu tun haben wird. Das finde ich richtig. Feedback ist ohne Frage wichtig für das gemeinsame Vorankommen. Auch ich bin ein großer Anhänger der Feedbackkultur, wie die Landesregierung diese Woche sicherlich wahrgenommen hat. (Heiterkeit und Beifall FDP und SPD) Wenn wir über das Thema Feedback in Schulen reden, muss man sich in der Tat angucken: Wie ist es mit dem Feedback, das die Lehrkräfte den Schülern geben? Auch das ist am Ende der zentrale Punkt. Ohne am Ende noch ein bisschen kiebig werden zu wollen, entbehrt es nicht einer gewissen Ironie, dass wir gestern über das Thema Demokratieabbau gesprochen haben – den die Koalition bei den Bürgerinnen und Bürgern plant – und heute als erstes über Schülerfeedback in den Schulen sprechen, als sei das die zentrale bildungspolitische – wie heißt das Ding? – (Heiterkeit) Herausforderung. Ich gehe davon aus, dass wir schon sehr bald Konkreteres von Ihnen bekommen. Das sollten wir im Ausschuss weiter beraten, eben auch mit den Landesschülervertretungen, den Lehrerverbänden und so weiter. Man muss das vernünftig aufsetzen, damit nicht von vornherein die Bedenken überwiegen, sondern man vernünftig miteinander ins Gespräch kommt. – Ich bedanke mich ganz herzlich für die Aufmerksamkeit und wünsche ein schönes Wochenende. (Beifall FDP und vereinzelt SPD – Peer

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