Christian Dirschauer
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Der gesellschaftliche und politische Druck auf die Landwirtschaft in Bezug auf eine Veränderung der Produktionsweise ist in den vergangenen Jahren immer weiter gestiegen. Es gibt Wünsche nach mehr Tierwohl, nach einer Einschränkung von Düngeund Pflanzenschutzmitteln, um Umweltbelastungen zu reduzieren, und nach Erhalt der Biodiversität. Auch zur Bekämpfung der Folgen des Klimawandels sollen von der Landwirtschaft Beiträge erbracht werden. Zu Recht! Auf der anderen Seite stellen wir fest: Landwirtschaftliche Produkte erzielen so niedrige Preise, dass sie ein wirtschaftliches Auskommen kaum ermöglichen. Dieser Druck gipfelte in bundes- und landesweiten Protesten und Aktionen der Landwirte sowie in dem Wunsch, hierzu in den Dialog zu gehen; wir haben es soeben wieder gehört. Auch Politik und Gesellschaft haben erkannt, dass es nicht allein Sache der Landwirte sein kann, diese Veränderungen umzusetzen. Hieraus ist der Dialogprozess „Zukunft der Landwirtschaft in SchleswigHolstein“ entstanden. Dieser Prozess hat rund zweieinhalb Jahre gedauert, und es wurden – wir haben es gehört – 24 Thesen erarbeitet. Beteiligt waren Akteure aus der Landwirtschaft, dem Naturschutz und der Forschung. Ich möchte mich an dieser Stelle für den Einsatz aller Akteure ausdrücklich bedanken und für den SSW sagen, dass wir diesen Dialogprozess sehr begrüßt haben. (Werner Kalinka [CDU]: Sehr gut!) Alle haben miteinander statt übereinander geredet. - Donnerstag, 1. September 2022 241 (Werner Kalinka [CDU]: Noch besser!) So soll es auch sein. Für alle war es ein Lernprozess, der die Augen für die Wünsche, Forderungen oder Zwänge des jeweils anderen geöffnet hat und sicherlich auch mit dem einen oder anderen Perspektivwechsel verbunden war. Das war gestern übrigens ein Thema beim Landeshauptausschuss des Bauernverbandes. Dieser Prozess war sicherlich nicht einfach, und es wurde gerungen, um eine Einigung hinzubekommen. Letztlich hat die Erkenntnis gewonnen, dass an dieser Stelle nur gemeinsam gefundene Lösungen zielführend sind. Die Problem- und Handlungsfelder wurden herausgearbeitet. Sie sind ein Spiegelbild der Herausforderungen, vor denen unsere Landwirtschaft steht: von der Bekämpfung des Klimawandels über den Gewässerschutz bis hin zum Erhalt der Biodiversität, um nur einige zu nennen. Dabei wurden 24 Thesen erarbeitet, die jetzt die Grundlage bilden, um die Landwirtschaft bis 2040 weiterzuentwickeln. So weit, so gut. – So weit zur Theorie. Jedes Arbeitspapier ist aber nur so gut wie seine Umsetzung. Das heißt, es ist noch nicht Schluss; denn jetzt beginnt die eigentliche Arbeit erst. Als Politik wollen wir vom SSW diesen Prozess weiterhin konstruktiv begleiten. Zum einen muss der Dialog fortgeführt werden; auch wir werden heute zustimmen. Noch wichtiger ist, dass endlich Maßnahmen entwickelt, umgesetzt und verstetigt werden. Genau daran werden wir Sie messen, liebe Landesregierung. Genau daran werden wir Sie messen, Herr Schwarz. Dafür braucht es natürlich verlässliche Unterstützung, auch und gerade vonseiten der Politik. Diesen Weg wollen wir als SSW gemeinsam mit allen Beteiligten gehen. Gleichwohl sind wir der Auffassung, dass diese Thesen nicht in Stein gemeißelt sind. Soll heißen: Die Thesen und die Umsetzung der Maßnahmen müssen stetig evaluiert werden. Nur so kann eine Landwirtschaft entwickelt werden, die unseren Vorstellungen entspricht und die auch für die Landwirte tragbar und zukunftsfest ist. Eine Landwirtschaft im Jahr 2040, die bäuerlich geprägt ist, ressourcenschonend arbeitet, die Aspekte des Tierwohls, der Biodiversität und des Gewässerund Bodenschutzes beachtet – das ist unsere Wunschvorstellung als SSW, aber auch eine Notwendigkeit, um unsere heimischen Betriebe zu sichern. Wir wollen, dass die Betriebe auch in Zu- (Christian Dirschauer) kunft unsere ländlichen Regionen mit prägen und Teil unserer Gesellschaft sind. – Herzlichen Dank. (Beifall SSW und FDP)
