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Stefan Hartmann

Die Linke 17.09.2026 Sitzungen 8/34

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Die Elbe ist keine Autobahn aus Wasser. Stellen wir uns einen Fluss vor, der über Jahrtausende eine Landschaft geprägt hat, mit Sandbänken, Auenwäldern, Altarmenwiesen und einer außergewöhnlichen Artenvielfalt. Ein Fluss, der Hochwasser aufnehmen, Wasser speichern und Kohlenstoff binden kann. Stellen wir uns gleichzeitig vor, dass wir versuchen, genau diesen Fluss immer weiter zu vertiefen und einzuengen, damit auch Schiffe bei Niedrigwasser fahren können. Genau vor diesem Widerspruch steht die Elbe. Die frei fließende Elbe zwischen der deutsch-tschechischen Grenze und Hamburg ist einzigartig und schützenswert. Auf rund 600 Kilometern kann sie noch weitgehend frei fließen. Das ist eine Seltenheit in Mitteleuropa. Ihre Auen bieten Lebensraum für zahlreiche bedrohte Arten, speichern Wasser, schützen vor Hochwasser und binden Kohlenstoff. Doch die Elbe wird auch als Wasserstraße genutzt. Genau hier beginnt das Problem. Die Elbe ist ein Niedrigwasserfluss. In trockenen Jahren kann die Schifffahrt über Monate eingeschränkt oder sogar unmöglich sein. Die angestrebte Fahrtiefenrinne von 1,40 Meter ändert nichts am eigentlichen Problem. In Zeiten von Niedrigwasser fehlt der Elbe schlicht das notwendige Wasservolumen, um die Schifffahrt dauerhaft sicherzustellen. Für voll beladene Schiffe werden außerdem deutlich größere Tiefen notwendig. Nach den von der Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen-Anhalt dokumentieren Daten sind die Transporte an der Elbe seit dem Jahr 2013 massiv gestiegen. Gleichzeitig wurden und werden erhebliche Summen in die Wasserstraße investiert. Damit entsteht ein grundlegender Widerspruch. Es wird viel Geld in eine bessere Befahrbarkeit investiert, obwohl das entscheidende Problem, das fehlende Wasserangebot bei Niedrigwasser, nicht gelöst wird. Hinzu kommt eine ökologische Fehlentwicklung. Wenn ein Fluss eingeengt, begradigt und vertieft wird, erhöht sich seine Fließgeschwindigkeit. Die Elbe gräbt sich dadurch weiter in ihr sandiges Flussbett ein. Man spricht von Tiefenerosion. Der Wasserspiegel sinkt. Mit ihm kann auch der Grundwasserspiegel in der Aue sinken. Die Auen werden trockener. Ausgerechnet während zunehmender Hitze und Trockenheit kann der technische Ausbau damit die Folge der Wasserkrise noch verstärken. Besonders problematisch ist es, weil die Auen eigentlich ein natürlicher Wasserspeicher sind. Wenn wir Flüsse und Auen wieder stärker miteinander verbinden, kann Wasser in der Landschaft gehalten, langsam abgegeben und bei Hochwasser aufgenommen werden. Renaturierte Flusslandschaften können deshalb gleichzeitig dem Hochwasserschutz, dem Schutz vor Trockenheit und der biologischen Vielfalt dienen. Umweltverbände wie der NABU beschreiben genau diesen Ansatz als einen Weg hin zu krisenfesten Flusslandschaften. Wirtschaftlich lohnt sich ebenso der Blick auf das, was wir mit einer lebendigen Elbe gewinnen können: Der Naturtourismus entlang der Elbe ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Gleichzeitig liefert die Flusslandschaft Leistungen, die wir sonst teuer ersetzen müssten: Hochwasserschutz, Wasserspeicherung, Kohlenstoffspeicherung und Lebensräume. Was also ist die Alternative? Erstens muss die Elbe als Niedrigwasserfluss akzeptiert werden. Nicht der Fluss sollte immer stärker an die Schifffahrt angepasst werden, vielmehr muss sich die Schifffahrt an die natürlichen Bedingungen anpassen. (Vereinzelt Beifall BÜNDNISGRÜNE) – Danke. – Zum Beispiel kann das durch kleinere Schiffe mit weniger Tiefgang passieren, um auch in trockenen Zeiten Transporte zu ermöglichen. (Mike Moncsek, AfD: Schiffe mit Rädern – das ist das Beste!) Gleichzeitig müssen wir dort, wo Güter zuverlässig transportiert werden müssen, stärker auf die Schiene setzen. Der Schienenverkehr sollte als verlässlicher Gütertransportweg weiter ausgebaut werden, anstatt die Elbe immer weiter an Anforderungen anzupassen, die sie aufgrund ihrer natürlichen Wasserstände nicht dauerhaft erfüllen kann. (Vereinzelt Beifall BÜNDNISGRÜNE) Zweitens müssen wir der Elbe und ihren Auen wieder Raum geben. Flussauen sollen reaktiviert, Altarme wieder angebunden und entwässerte Flächen wieder vernässt werden. Dadurch wird Wasser länger in der Landschaft gehalten, anstatt möglichst schnell abzufließen. Drittens müssen bestehende Konzepte an die Realität des Klimawandels angepasst werden. Das Gesamtkonzept Elbe enthält zwar wichtige ökologische Ziele, beispielsweise die Umkehr der Tiefenerosion. Die zugrunde liegende Datenbasis stammt jedoch teilweise aus dem Jahr 2013 und davor. Angesichts der inzwischen deutlich veränderten Wasserverhältnisse ist eine Aktualisierung notwendig. Die Elbe zu schützen bedeutet deshalb nicht, ihre Nutzung aufzugeben. Es bedeutet, ihre ökologische Funktion und ihre Bedeutung als Wasserressource ernst zu nehmen und durch die Reaktivierung ihrer Auen nicht nur in Naturschutz, sondern zugleich in Wasserverfügbarkeit, Klimaanpassung, Hochwasserschutz, Artenvielfalt und damit in die Zukunft der Region entlang des Flusses zu investieren. Ich danke für die Aufmerksamkeit. (Vereinzelt Beifall Die Linke, BSW und BÜNDNISGRÜNE)

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