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Dr. Claudia Maicher

GRÜNE 25.06.2026 Sitzungen 8/31

Werter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Wir haben in der Politik oft unterschiedliche Auffassungen und Positionen. Das ist auch okay. Aber es gibt Dinge, bei denen sollte man sich an den Sachverstand halten, bevor man sich verrennt und dann nicht mehr die Kurve bekommt. Dazu zähle ich eindeutig den Plan, die Archäologie in Sachsen zu zerschlagen; denn auch das Landesamt für Archäologie – das war schon Thema – soll der Landesdirektion einverleibt werden. Nur hängt daran auch das smac, das Staatliche Museum für Archäologie in Chemnitz. Weil eine Behörde kein Museum betreiben kann, wird es dann mal eben zu den Staatlichen Kunstsammlungen geschoben. Ganz ehrlich: Das ist wirklich Unsinn im Quadrat. Damit wird etwas zusammengepresst, was einfach nicht zusammengehört, und extra dafür gut Funktionierendes auseinandergerissen. (Beifall BÜNDNISGRÜNE) Das schlägt Wellen in der Fachöffentlichkeit. Die Stellungnahmen sprechen Bände und sind Ihnen allen bekannt. Diese vielstimmige Kritik beruht nicht auf Veränderungsresistenz. Die Fachleute sind einfach zutiefst entsetzt. Schauen wir uns die Sachlage einmal an. Was kann man denn überhaupt einsparen? An Standorten und Infrastruktur nichts. Beim Personal gäbe es klassisch die Frage, ob man Öffentlichkeitsarbeit, Technik, IT gemeinsam nutzt. Aber funktioniert das denn, wenn die bisherigen Stellen schon voll ausgelastet sind? Das wird eher ein Verschiebebahnhof ohne irgendeinen Effizienzgewinn. Dann wenigstens Entbürokratisierung? Wohl eher das Gegenteil. Es wird nicht nur komplizierter, es wird dysfunktional. Wird der Staatsbetrieb LfA zu einem Behördenteil degradiert, sind wissenschaftliche Arbeit und Vollzug in einer Hand. Das ist rechtlich fragwürdig. Die Unabhängigkeit der Forschung, die Beurteilung der Schutzwürdigkeit von archäologischen Denkmalen steht in einer politikgesteuerten Behörde auf dem Spiel. Ich habe großen Zweifel daran, dass die Dienst- und Fachaufsicht des SMKT in einer Abteilung der Landesdirektion dabei hilft. Die Entscheidungen werden auf jeden Fall verkompliziert. (Beifall BÜNDNISGRÜNE) Ein Hauptproblem ist, dass entweder das LfA oder das smac den direkten Zugang zur Sammlung verliert. Entweder muss das LfA Unterlagen und Funde abgeben und kann sie nicht mehr selbstverständlich für Forschung und Vermittlung nutzen oder das smac verliert die enge Zusammenarbeit mit den Leuten des LfA bei Restaurierungen, Konservierungen und Ausstellungen. Ersatzweise müsste also eine beidseitige Nutzung aufwändig ressortübergreifend koordiniert und in Verträgen geregelt werden. Das sind Doppelstrukturen und keine Verwaltungsvereinfachung. (Beifall BÜNDNISGRÜNE) Auch sonst erfordert die Eingliederung des smac in die SKD eine umfassende und teure Strukturumstellung. Es müsste nämlich gemeinsam etwas ganz Neues entstehen, inklusive einer Markenbildung, wo doch das smac schon ein markantes Profil hat. Das große Problem neben den unnötigen Kosten und Verrenkungen ist der willentliche Rückbau von Errungenschaften. Die Eigenständigkeit des LfA mit dem smac sorgt für fachliche Autonomie und einen musealen Leuchtturm. Die Zerschlagung bedeutet deshalb eine Schwächung der Archäologie. Sie missachtet das hohe öffentliche Interesse, den Wert für regionale Identitätsstiftung, für Tourismus, historische Bildung und ehrenamtliches archäologisches Engagement. Ich sehe hierin überhaupt keine nennenswerten Vorteile, nur hohe Gesamtkosten, und zwar finanzielle und gesellschaftliche. Die Staatsregierung will um jeden Preis die Anzahl der eigenständigen Einrichtungen verringern, um sich für das mutige Handeln dann selbst auf die Schultern zu klopfen. Doch wenn Sie das durchziehen, wird das als großer Fehltritt in die Geschichte eingehen. Das Erschreckende dabei ist, dass der Umgang mit fachlichen Einwänden so war, wie es hier schon mehrfach geschildert wurde. Der Prüfauftrag muss von Anfang an auf Ignoranz getrimmt gewesen sein; sonst gäbe es nicht diesen Beschluss und erst recht nicht jetzt erst die Frage, wie man mit Details umgeht. (Beifall BÜNDNISGRÜNE) Das ist nicht rational. Da gibt es irgendwo eine fixe Idee, und dann ziehen es alle durch. Das klingt nicht nach guter Verwaltungsarbeit im Freistaat Sachsen. Das klingt nach einem Feldzug. Zweiter Vizepräsident André Wendt: Die Redezeit.

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