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Dr. Sven Eppinger

CDU 24.06.2026 Sitzungen 8/30

Vielen Dank. Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Psychotherapie zielt darauf ab, seelische Störungen und belastende Lebenssituationen zu lindern sowie problematische Verhaltens- und Denkmuster zu erkennen, zu verstehen und zu verändern. In Sachsen sind aktuell 1 771 Erwachsenenpsychotherapeuten und 383 Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten sowie 68 Therapeuten mit Doppelapprobation tätig. Ja, Psychotherapie rettet Leben, wenn sie in ausreichendem Maße zur Verfügung steht. 2024 starben in Deutschland 10 372 Menschen durch Suizid. 90 % dieser Fälle haben eine psychische Erkrankung zur Ursache. 40 bis 60 % der Suizide, also 4 000 bis 6 000 Menschen, haben eine Depression als Hauptursache in der Diagnose. 861 Menschen, die 2024 Suizid begingen, waren jünger als 30 Jahre. Vor diesem Hintergrund ist es schwer verständlich, dass der Erweiterte Bewertungsausschuss am 11.03.2026 die Vergütung für ambulante Psychotherapie um 4,5 % gekürzt hat. Gleichzeitig erfolgte eine Anhebung durch Strukturzuschläge; das kompensiert die Honorarausfälle jedoch in keiner Weise. Es bleibt ein realer Honorarverlust von 2,8 %. Damit wird es bei immer weiter steigenden Kosten immer schwieriger, eine ambulant arbeitende psychotherapeutische Praxis wirtschaftlich zu betreiben. Wir als CDU-Fraktion haben dazu am 30.03.2026 eine Presseerklärung herausgegeben, in der wir uns eindeutig an die Seite der Psychotherapeuten gestellt haben. In Summe sind in der Psychotherapie Einsparungen in allen Bereichen von 371 Millionen Euro geplant. Bei Gesamtausgaben der gesetzlichen Krankenkassen von 346 Milliarden Euro entspricht das – wie Susanne Schaper schon sagte – 0,11 % der Gesamtkosten. Gleichzeitig verursachen psychische Erkrankungen in Deutschland Kosten von rund 147 Milliarden Euro. Fachverbände der Psychotherapeuten sagen, dass das Sparpaket der Bundesregierung zur Stabilisierung der gesetzlichen Krankenversicherung zu einer deutlichen Verschlechterung der psychotherapeutischen Versorgung führen wird. Nach Schätzungen von Fachverbänden sind 25 % der derzeit verfügbaren ambulanten Psychotherapieplätze für gesetzlich Versicherte gefährdet. Ambulante Psychotherapie spart Geld, indem hohe Folgekosten vermieden werden, beispielsweise durch weniger Krankengeldzahlungen, geringere Frühverrentungsquoten oder eine höhere Erwerbsfähigkeit. Psychische Erkrankungen belegen in der Statistik zur Arbeitsunfähigkeit mit 17 % den dritten Platz in Deutschland. Davor liegen mit 19 % Atemwegserkrankungen und mit 18 % Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems. 147,3 Millionen ausgefallene Arbeitstage durch psychische Erkrankungen stehen zu Buche. Durchschnittlich beträgt der Ausfall während einer Erkrankung 42 Tage. 40 % der Frühverrentungen erfolgen aufgrund psychischer Erkrankungen. Lohnfortzahlungen und Produktivitätsverluste durch psychische Erkrankungen kosteten im vergangenen Jahr 60 Milliarden Euro. Am 26.03.2026 veröffentlichte der Verband der Ersatzkassen ein Positionspapier, das weit über die Honorarfrage hinausgeht: Psychotherapie soll gesteuert, standardisiert und womöglich durch billigere Alternativen ersetzt werden. Der Verband der Ersatzkassen fordert unter anderem den Ausbau der digitalen Gesundheitsanwendungen als weiteres Angebot der Regelversorgung. Übersetzt heißt das: App statt Therapie. Für Menschen mit manifesten psychischen Erkrankungen, mit Depressionen, mit Angststörungen und mit Traumafolgestörungen ist eine App definitiv keine suffiziente Behandlung. Die Abbruchraten bei digitalen Angeboten sind hoch, Langzeitstudien zur Nachhaltigkeit digitaler Behandlungen fehlen. Meine Zeit ist fast vorbei. In der zweiten Runde mehr dazu. Vielen Dank. (Beifall CDU und Staatsministerin Petra Köpping) Erste Vizepräsidentin Ines Saborowski: Für die CDUFraktion sprach Herr Kollege Dr. Eppinger. Für die AfDFraktion hat nun die Abg. Dietz das Wort; bitte.

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