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Lars Wurzler

BSW 12.05.2026 Sitzungen 8/28

Werter Landespräsident! Werte Kolleginnen und Kollegen! Das Thema klingt erst einmal neu, innovativ. Es klingt nach Aufbruch, nach Fortschrittlichkeit und Zukunft. Man hört am Horizont wieder einmal das Bildungsland 2030 rufen. Wenn man sich die ganze Sache aber einmal näher ansieht, stellt man recht schnell fest, dass es doch ein alter Hut ist. Selbst wenn man anerkennt, dass eine besondere Stärkung der MINT-Fächer durchaus zielführend sein kann, die Idee des MINT-Hubs sinnhaft sein könnte und man sogar in der Zusammenarbeit zwischen Schule und Wirtschaft etwas Positives sehen möchte, dann stellt sich zumindest mir die Frage: Haben wir keine anderen Probleme, die wir einmal diskutieren sollten? Gäbe es nicht drängendere Fragen zur Bildungspolitik, zum Beispiel zum geplanten Stellenabbau von fast 5 000 Lehrkräften oder die fehlenden Lehrkräfte vor allem im MINT-Bereich? Ich verweise hier einmal auf die Kleine Anfrage meines Kollegen Scheibe zum Thema Unterrichtsausfall und auf soziale oder gesundheits- und friedenspolitische Themen, den Fachkräftemangel usw. Alles in allem: Es gibt Bedeutsameres. Aber gut: Die Themenwahl ist frei, und deswegen machen wir jetzt das. Eine kleine Schätzfrage zum Einstieg. Wie viele Kleine Anfragen gab bzw. gibt es zu den Themen MINT, MINTHub oder „Jugend forscht“ in der aktuellen Wahlperiode? – Machen wir es kurz. Es sind null Anfragen. Man könnte jetzt einwerfen: Na gut, das ist ein neues Thema. Die Legislatur ist kaum eineinhalb Jahre alt. – Oder allen ist alles klar, und es gibt nichts zu fragen. Ich persönlich bewerte das ein wenig anders, und ich werde mich der Sache einmal annehmen und noch verschiedene Fragen stellen. Es könnten ein paar viele Fragen werden, und ich danke Ihnen herzlich für diese Chance. Der MINT-Hub oder der neue MINT-Pakt – sind das verschiedene Dinge? – existiert schon seit einiger Zeit, nämlich seit 2023. Das sollte den allermeisten hier bekannt sein. Im Freistaat gibt es zudem noch die sogenannte Wissensfabrik. Doch ich wähle einmal einen anderen Ansatz: Vielleicht lohnt ein Blick darauf, wer neben den Schulen aus der Wirtschaft so dabei ist. Da ist zum Beispiel der Verband SCHULEWIRTSCHAFT – zu diesem komme ich gleich – oder die Mitteldeutsche Stiftung Wissenschaft & Bildung, deren Ziel nach eigener Aussage ein „Engagement für ein leistungsfähiges Bildungssystem“ ist. Da muss ich wohl den Newsletter verpasst haben, in dem steht, dass die Entwicklung eines solchen Systems neuerdings eine privatwirtschaftliche und keine staatliche Angelegenheit mehr ist. Aber man lernt ja immer wieder dazu. Oder nehmen wir einmal Amazon als vorbildlichen Arbeitgeber und Bewahrer der Ladengeschäfte der Innenstädte. Diesbezüglich kann man bestimmt auch eine Menge lernen. Was das Ganze soll? Wieder ein Zitat: „Kern ist eine engere Vernetzung von Schulen mit regionalen Unternehmen sowie zusätzlich über den Regelunterricht hinausgehende Angebote.“ Ja, ja, Amazon, SAP und BASF sind ja für ihre überbordende Regionalität bekannt. Ob diese Angebote freiwillig oder verpflichtend sind, ist unklar. Ebenso, wie viele Schüler bisher erreicht wurden oder erreicht werden sollen. Ein Quell von Fragen offenbart sich mir. Auch dafür herzlichen Dank. Aber das alles führt vom Thema weg. Ich finde es ja – um einen meiner Kollegen zu zitieren – hübsch, dass Sie diese Frage und das Thema aufrufen. Aber was genau ist eigentlich das Neue und Innovative daran? Und was konkret heißt denn bitte „mit Leben erfüllen“? Die erste Frage, die man sich diesbezüglich stellen sollte, ist: Was ist das für eine Vereinigung, die drei Jahre nach ihrer Gründung Hilfe braucht, um etwas mit Leben zu erfüllen? Ich frage mich – und möglicherweise auch der eine oder andere hier im Saal –, was in den letzten drei Jahren passiert ist. Musste man sich erst einmal finden oder herausfinden, was man eigentlich will? Nun kommen Sie tatsächlich mit diesem Thema um die Ecke, nachdem drei Jahre mehr oder weniger Funkstille herrschte, und stellen fest, dass diesbezüglich noch viel passieren muss. Da frage ich ganz ehrlich: Ist das Ihr Ernst? Kommen wir zur Frage der Evaluation. Wer sich an die Antwort auf meine anfangs gestellte Frage erinnert, stellt fest: Es ist die gleiche Antwort. Diesmal: Gibt es irgendeine Art von Evaluation zu dem Thema? Klare, eindeutige Zielformulierungen mit Zeitschiene, Zwischenzielen, Markern usw.? Fehlanzeige! Der Partner Arbeitskreis SCHULEWIRTSCHAFT besteht aus 440 Arbeitskreisen deutschlandweit, 34 davon allein in Sachsen. Dazu meine letzte Schätzfrage: Seit wann gibt es diese Kooperationsform SCHULEWIRTSCHAFT wohl? Ich zitiere einmal die Webseite: „SCHULEWIRTSCHAFT steht seit über 70 Jahren für eine erfolgreiche Zusammenarbeit und gegenseitige Unterstützung von Schulen und Unternehmen.“ Und dann muss jetzt irgendetwas mit Leben erfüllt werden. Na ja, 70 Jahre sind ja nicht so eine lange Zeit. Nach der intensiven Beschäftigung mit der Materie kann ich versichern, dass eine Kleine Anfrage sicher nicht ausreichen wird. Das Ganze ist zu nebulös, zu unkonkret. Dazu möchte ich einfach mehr wissen. Zum Schluss noch ein anderer Fokus. Es gibt ein Buch von Herrn Prof. Rittelmeyer mit dem Titel: „Warum und wozu ästhetische Bildung?“ Darin wird eindeutig und verständlich erklärt, warum die Fokussierung auf MINT zu kurz greift, warum Bildung nicht allein auf wirtschaftliche Verwertbarkeit reduziert werden darf oder dass Flexibilität, Kreativität und Problemlösungen nicht nur durch Technikfächer entstehen. Vielleicht sollten wir darüber einmal reden. Vielen Dank. (Beifall BSW und vereinzelt AfD) Zweiter Vizepräsident André Wendt: Kollege Wurzler sprach für die Fraktion des BSW. Kollege Eisenblätter spricht nun für die SPD-Fraktion. Bitte schön, Herr Kollege.

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