Stefan Hartmann
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Zum Anfang geht mein Dank an den Herrn Minister. Ich nehme an, dass Sie im Hintergrund dafür gewirkt haben, dass wir heute Abend noch ausführlich dieses wichtige Thema besprechen können. Das ist richtig und gut so. Ich muss als ein aus einem fernen Land, aus Thüringen, zugewanderter Mensch bekennen: Man kann zwar einen Burschen aus dem Thüringer Wald holen, aber nicht den Wald aus dem Burschen. Deshalb ist diese Diskussion eine schöne Sache. (Beifall Sören Voigt, CDU) Die Forstwirtschaft steht vor einer historischen Herausforderung. Wälder müssen in einer Geschwindigkeit angepasst werden, die die natürliche Evolution bei Weitem übertrifft. Hierbei bilden Forschung und Lehre das Fundament, um den Wald als Ökosystem, Kohlenstoffspeicher und Rohstoffquelle zu erhalten. Der Freistaat Sachsen verfügt mit der Fachrichtung Forstwissenschaften der TU Dresden über einen Hochschulstandort mit internationalem Renommee. Das hier generierte Wissen resultiert aus einer engen Verzahnung verschiedenster Fachdisziplinen und ist weltweit gefragt. Herr Minister von Breitenbuch, vielleicht können Sie noch den Herrn Minister Gemkow auf unseren Waldspaziergang mitnehmen. Weil ich mir dachte, dass schon alles mit Klugheit gesagt sein wird, will ich jetzt die Forderungen der jungen Menschen, die in Tharandt Forstwissenschaften studieren, die wir uns zu eigen gemacht haben, zum Besten geben. Wald ist eine Generationenfrage, die, wenn ich schon lange Humus bin, von den Jüngeren betrieben werden muss. Deshalb ist es wichtig, was die Studierenden in Tharandt sagen. Sie haben ein Positionspapier geschrieben, das folgende Punkte enthält: Erstens. Es geht um die Anerkennung der wachsenden Bedeutung forstwissenschaftlicher Expertise angesichts der Klima- und Biodiversitätskrise. Da wir heute mit massiven ökologischen Umbrüchen und geopolitischen Spannungen konfrontiert sind, ist ein tiefgreifendes, fächerübergreifendes Verständnis von Waldökosystemen und Landnutzung unverzichtbar geworden. Es gilt mehr denn je, diese Systeme durch unterschiedliche wissenschaftliche Brillen zu betrachten, um auf die zunehmenden Nutzungskonflikte und Krisen reagieren zu können. So weit, so gut. Nun kommen wir zum Problematischeren. Zweitens. Es geht um fachlich getragene Berufungsverfahren. Die Studierenden in Tharandt fordern die Beibehaltung der guten fachlichen Praxis der transparenten Berufungskommissionen unter Einbeziehung aller Ebenen. In ihrem Positionspapier kritisieren sie die Einflussnahme fachfremder Stellen, insbesondere des Rektorats, auf die Besetzung forstwissenschaftlicher Professuren. Um die Qualität der Lehre und das Profil des Standorts langfristig zu sichern, müssen Neubesetzungen auf Basis wissenschaftlicher Kriterien und lokaler Expertise stattfinden, statt hochschulpolitischen Interessen zu folgen. Drittens. Es geht um die Sicherung der Qualität und der Reputation der Abschlüsse. Die Studierenden warnen ausdrücklich davor, dass eine Abkehr von den bewährten Strukturprinzipien mittelfristig zu einem signifikanten Wertverlust der Tharandter Abschlüsse auf dem nationalen und internationalen Arbeitsmarkt führen wird. Sollten Professoren künftig ohne ausreichende fachliche Passung oder strategische Kohärenz besetzt werden, gefährdet dies nicht nur die Qualität der Lehre, sondern schwächt nachhaltig die Konkurrenzfähigkeit von Absolventinnen und Absolventen. Viertens. Es geht um die Wahrung und Weiterentwicklung der gewachsenen fachlichen Traditionen in Tharandt. Die Forstwissenschaften an der TU Dresden sind ein historisch gewachsenes Kompetenzzentrum, das durch die enge Verzahnung von Forschung und Praxis besticht. Angesichts konstant hoher Studierendenzahlen und des dringenden Bedarfs an Waldexperten ist es existenziell, dieses einzigartige Profil bei künftigen Struktur- und Personalentscheidungen konsequent zu wahren und zu fördern. Fünftens. Die Neubesetzungen müssen als strategische Chance für den forstwirtschaftlichen Standort Tharandt genutzt werden. Die anstehenden Neubesetzungen bieten der Fachrichtung in Tharandt die Chance, sich durch eine strategische und fachnahe Standortentwicklung als führende forstwirtschaftliche Institution zu behaupten. Um den Herausforderungen des Klimawandels zu begegnen, sind eine moderne, praxisorientierte Praxis und Lehre unerlässlich, die die nachhaltige Waldwirtschaft und klimaresiliente Ökosysteme sichern. Wissenschaft ist kein Luxusgut, das man sich in guten Zeiten leistet. Wissenschaft sorgt erst dafür, dass es überhaupt gute Zeiten gibt. In diesem Sinne appelliere ich eindringlich an die Staatsregierung: Unterstützen Sie die berechtigten Forderungen der Studierenden. Setzen Sie ein klares Zeichen für die Zukunft, indem Sie das Tharandter Forstwissen nicht nur verwalten, sondern aktiv erhalten und zukunftssicher weiterentwickeln. Herr von Breitenbuch, nehmen Sie Herrn Gemkow mit auf einen Waldspaziergang. Nehmen Sie die Studierenden aus Tharandt mit. Ich denke, diese haben überzeugende Argumente. Das wird am Ende uns allen nutzen, vor allem der Zukunft des Waldes in Sachsen. Danke für die Aufmerksamkeit. (Beifall Die Linke) Erste Vizepräsidentin Ines Saborowski: Schönen Dank. Es sprach Herr Kollege Hartmann für die Fraktion Die Linke. Damit sind wir am Ende der Aussprache angekommen. Nun hätte die Staatsregierung die Möglichkeit, Stellung zu nehmen. Herr Staatsminister von Breitenbuch, bitte. Georg-Ludwig von Breitenbuch, Staatsminister für Umwelt und Landwirtschaft: Sehr verehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Mit dem vorliegenden Waldzustandsbericht 2025 unterrichtet die Staatsregierung den Landtag über den Zustand unserer Wälder sowie über die maßgeblichen Entwicklungen im zurückliegenden Jahr. Dieses steht im Bundeswaldgesetz, es steht auch bei uns im Gesetz und dient in vielseitiger Hinsicht dem Umweltmonitoring. Ich danke allen, die sich jedes Jahr mit forstlichem Sachverstand intensiv darum kümmern, ausdrücklich. Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Rahmenbedingungen waren wieder ausgesprochen belastend für die Wälder. Wir hatten insgesamt immer oberflächlich – der Rasen ist ja immer gewachsen – genug Regen, aber in der Tiefe ist nicht viel angekommen. Dieses Defizit beschäftigt uns seit Jahren; die Ausschussvorsitzende Lang ist ja bereits auf das Thema des Wetters und auf diese kritische Wasserbilanz eingegangen. Ebendiese Kombination aus Trockenheit und Regen hat das letzte Jahr geprägt. Diese ist natürlich insgesamt belastend für unsere Wälder. Wir brauchen eine nachhaltige Bewirtschaftung. Wir brauchen einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Eigentum, und ich bin allen Eigentümerinnen und Eigentümern im Lande dafür dankbar, dass sie sich um den Wald kümmern und ihn nicht nur in eigener Verantwortung, sondern letztendlich in Verantwortung für unsere Kinder und Kindeskinder in Schuss halten. Das ist vielleicht einen Applaus am Abend wert. (Beifall CDU, BSW und Staatsregierung) Wir brauchen insgesamt tragfähige Strukturen, damit dieses Eigentum immer weiter ungeschmälert in die nächste Generation kommt, und wir brauchen praktikable Rahmenbedingungen, wie wir den Waldumbau, die Waldpflege und die aktive Bewirtschaftung der Wälder unterstützen – danke auch an Wolfram Günther, dass das so deutlich angesprochen worden ist. Es muss sich jemand kümmern, und zwar intensiv, sonst wird das alles nicht so gut, wie es sein könnte. Der Kronenzustand – das ist vielseitig in dem Waldzustandsbericht beschrieben – ist weiterhin kritisch. Trotzdem hat das letzte Jahr ein Verschnaufen gebracht, auch durch die Kühle über den Sommer. Insofern können wir sagen: Wir haben uns stabilisiert. Gerade beim Thema Fichte – ich kürze hier ziemlich ab – ist das Ganze jetzt auf einem Maß, insbesondere was das Schadholz angeht. Es ist weit von den 2 Millionen Schadholzfestmetern entfernt; wir sind im letzten Jahr bei 25 000 gelandet. Wir kommen wieder in stabile Verhältnisse; das vielleicht dazu. Die Fichte, wie gesagt, verdient zurzeit gutes Geld. Die Preise sind aufgrund einer Knappheit in Deutschland sehr hoch. Herr Hartmann, im Thüringer Wald steht eben keine Fichte mehr, auch im Harz steht keine Fichte mehr. An dieser Stelle möchte ich noch einmal ausdrücklich Danke sagen an dieses Hohe Haus wie auch an die letzte Legislatur. Gerade am Anfang der letzten Legislatur hatten wir eine denkwürdige Sitzung auf dem Fichtelberg, wo letztendlich zig Millionen für das Thema Wald zur Seite gelegt worden sind. Mit diesem Geld haben wir die Wälder erhalten und gegen den Borkenkäfer kämpfen können. Entsprechend dieser Entscheidung sieht es eben nicht so aus wie im Harz oder in Thüringen. Dafür ergeht unser Dank an alle, die sich dafür intensiv eingesetzt haben. (Beifall CDU) Wir hatten letztes Jahr einen großen Waldbrand in der Gohrischheide. Es ist für das Ökosystem in dieser Gegend nördlich der Elbe natürlich eine Katastrophe, wenn die Beschattung von 2 000 Hektar fehlt. Insofern müssen wir schauen, dass wir das absichern. Zum Thema Munitionsberäumung. Wir sind dabei, Streifen noch zu beräumen. Das geschieht ganz gezielt mit Geld, das wir bei uns abgeknapst haben; das will ich deutlich sagen. Das ist noch mal eine riesige Anstrengung für uns, aber wir haben dieses Geld eingesetzt, um hier gewisse Schneisen zu ergänzen und das nächste Mal besser gewappnet zu sein, um es den Feuerwehrleuten zu erleichtern. Trotzdem: 2 000 Hektar für eine Million Hektar zu beräumen, ist uns bei dieser Haushaltslage nicht möglich. Wir versuchen aber, auch diese kleinen Schritte bewusst zu gehen, um künftig Dinge zu erleichtern und Gefahren von den Feuerwehrleuten abzuwenden. Vielleicht noch ein Punkt zur angesprochenen Entwaldungsverordnung. Dadurch ist eine ziemliche Bürokratisierungswelle auf die Waldbesitzer, gerade auf die kleinen, die nur ihren Brennholzhaufen anlegen, zugerollt. Das haben wir versucht zu entschärfen. Das ist auch in Brüssel entschärft worden; das war eine ziemliche Kraftanstrengung. Ich danke auch den Waldbesitzerverbänden, die sich darin intensiv eingebracht haben. Zum Thema Wiederherstellungsverordnung. Wir wollen weiterhin mit den Dingen verantwortungsvoll umgehen, aber wie das festgezurrt ist, also mit Erkenntnissen von vor 20 Jahren, dabei müssen wir umdenken. Auf diese Art müssen wir uns an neue Regelungen heranbewegen. Auch das Wasser wurde angesprochen. Der Wald ist essenziell für die Wasserhaltung in der Fläche, und wir müssen überlegen, wie wir damit noch besser umgehen können. Viele andere Themen sind schon angesprochen worden. Ich möchte noch einmal grundsätzlich sagen: Ich bin seit einem Jahr als Minister auf eine ganz andere Weise im Lande unterwegs, gerade auch in den vielen Wäldern im Lande. Wir haben schöne Wälder im Lande – das will ich deutlich sagen –, beispielsweise im Erzgebirge, aber eben nicht nur dort. (Beifall Tom Unger, CDU) Alle, die sich darum kümmern, sind für mich wirklich eine Freude. Ebenfalls eine Freude ist – das ist mir noch mal richtig aufgegangen, als ich auf dem Kahleberg bei Altenberg stand –, dass auch dort Wälder entstanden sind, wo vor 35 Jahren keine Wälder mehr waren. Das ist gelungen. Die Erwärmung hat dazu beigetragen. Dort steht jetzt schon die zweite Holzgeneration, das heißt nicht nur der rudimentärer Erstwald, sondern auch schon die nächste Generation. Das ist eine riesige Leistung unserer Forstleute, die es bewerkstelligt haben, dass dort wieder Wälder sind, dass wir dort wieder Tausende von Hektar an zusätzlichen Wäldern haben, die demnächst wieder in die Produktion gehen. Der Rohstoff Holz hat also einen Wert, er soll im Kreislauf einen Wert haben, und es ist gut, wenn sich viele Menschen darum kümmern. Ich danke sehr, dass auch um diese späte Zeit das Interesse für den Wald noch in so hohem Maße vorhanden ist. Herzlichen Dank. (Beifall CDU, SPD und Staatsregierung) Erste Vizepräsidentin Ines Saborowski: Schönen Dank. Es sprach Herr Staatsminister Georg-Ludwig von Breitenbuch für die Staatsregierung. Wir stimmen nun über die Beschlussempfehlung in der Drucksache 8/6437 ab. Ich bitte bei Zustimmung um Ihr Handzeichen. – Danke schön. Die Gegenstimmen? – Stimmenthaltungen? – Damit ist der Beschlussempfehlung zugestimmt worden und der Tagesordnungspunkt ist beendet. Meine Damen und Herren! Wir kommen zu Tagesordnungspunkt Fragestunde Drucksache Es wurden keine mündlichen Anfragen eingereicht. Der Tagesordnungspunkt ist damit beendet. Meine Damen und Herren, die Tagesordnung der 27. Sitzung des 8. Sächsischen Landtags ist abgearbeitet. Das Präden 12.05.2026, um 10 Uhr festgelegt. Die Einladung und die Tagesordnung diesbezüglich gehen Ihnen zu. Ergänzung zu TOP 2 der Befragung des Staatsministers Die im Rahmen der Befragung der Staatsregierung von der Fraktion DIE LINKE gestellte Frage „Welche Maßnahmen plant die Staatsregierung zur Verbesserung der Datenlage beim Waldschutzmonitoring, insbesondere im Zusammenhang mit dem Forstschutzkontrollbuch?“ beantwortet das SMUL wie folgt: Es besteht kein Bedarf an einer Verbesserung der Datenlage beim Waldschutzmonitoring. Mit den beiden Säulen – einer flächendeckenden, waldeigentumsartenübergreifenden Überwachung aller Waldbestände durch die jeweils zuständigen Behörden einerseits und der ebenfalls waldeigentumsartenübergreifenden Durchführung spezieller Monitoringverfahren zur Überwachung relevanter Schaderreger andererseits – sind ausreichende InformaDrucksachen und Plenarprotokolle sind im Internet abrufbar 7/6429 schlossen. (Schluss der Sitzung: 19:48 Uhr) Anlage Plenarsitzung vom 26. März 2026 – für Umwelt und Landwirtschaft tionen zur Vorbereitung und Durchführung gegebenenfalls erforderlicher Maßnahmen sowie für erforderliche regelmäßige Berichterstattungen vorhanden. Für den Ersatz des Forstschutzkontrollbuches, FSKB, ist die Entwicklung des FSKB 2.0 geplant. Dafür werden neben eigenen Ressourcen im Staatsbetrieb Sachsenforst auch die Möglichkeiten der Kooperationen mit anderen Bundesländern im Rahmen des von der Fachagentur für nachwachsende Rohstoffe geförderten Verbundvorhabens „Nationales Erfassungssystem von Waldschäden und deren Ursache auf Grundlage des Waldschutzmeldewesens (NEWsWm)“ genutzt. Dafür steht eine Projektstelle in der Laufbahngruppe 2, zweite Einstiegsebene – ehemals höherer Dienst – für drei Jahre zur Verfügung. 01067 Dresden unter www.landtag.sachsen.de
