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Ulf Günter Lange

BSW 26.03.2026 Sitzungen 8/27

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Verehrte Abgeordnete! Der Waldzustand in Sachsen bleibt angespannt. Viele unserer Hauptbaumarten sind weiterhin durch klima- und witterungsbedingte Einflüsse, Insektenbefall oder ähnliche Faktoren stark geschädigt. Gleichzeitig sehen wir über alle Eigentumsformen hinweg mehrere besorgniserregende Entwicklungen. Der Holzvorrat pro Hektar sinkt in den Erntebeständen. Der Holzzuwachs geht zurück. Das Risiko von Kalamitäten steigt weiter, vor allem in den nach wie vor dominierenden Fichtenbeständen. Der Waldzustandsbericht 2025 macht deshalb erneut Folgendes deutlich: Der Waldumbau muss schneller vorankommen. (Beifall BSW) Unsere Wälder müssen besser an den Klimawandel angepasst und geschädigte Flächen als artenreiche und klimaresiliente Wälder wiederhergestellt werden. Gleichzeitig verschärft sich die wirtschaftliche Lage vieler Forstbetriebe: Die Produktivität im Wald sinkt, Störungen führen zu Vorratsverlusten. Dadurch fehlen die Mittel für Investitionen in den Wald und in seine Anpassung an den Klimawandel. An der langfristigen wirtschaftlichen Tragfähigkeit der Forstwirtschaft in Sachsen hängen Arbeitsplätze und Einkommen, besonders im ländlichen Raum. Hinzu kommt ein weiterer Punkt, über den wir ehrlich sprechen müssen. Wenn geschädigte Wälder nicht wiederaufgebaut werden können, geraten diese Flächen stärker in den Fokus anderer Nutzungen. Auf ehemaligen Waldstandorten entstehen so Solar- und Windenergieanlagen anstelle neuer, stabiler Wälder. Dabei bleibt Holz ein zentraler Rohstoff in Sachsen. Die Holz- und Papierwirtschaft hat eine lange Tradition und ist bis heute ein wichtiger Wirtschaftszweig. Mehr als 90 % des verarbeiteten Holzes stammen von Nadelbäumen. Die Waldschäden der letzten Jahre haben vor allem den Fichtenvorrat deutlich reduziert. Da der Aufbau von Douglasie und Tanne diesen Rückgang bislang nicht ausgleichen kann, entstehen Probleme. Die Vorratsstrukturen werden insgesamt ungleichmäßiger. In manchen Regionen drohen Versorgungsprobleme für die Industrie; in anderen können bei zukünftigen Störungen eher Absatzprobleme entstehen. Das zeigt, dass wir eine vorausschauende Steuerung brauchen. Neben der wirtschaftlichen Bedeutung dürfen wir aber nicht vergessen, dass der Wald viele weitere Funktionen erfüllt: Er ist Lebensraum für einen großen Teil unserer biologischen Vielfalt, er speichert Kohlenstoff und Wasser, er filtert Schadstoffe und er ist Erholungsraum für viele Menschen. Wälder erfüllen diese Funktion aber nur, wenn ihre Strukturen dazu passen. Wälder sind kein statisches System; sie verändern sich ständig. Deshalb gibt es auch kein einheitliches Idealbild für den Wald. Aber ein Grundsatz gilt weiterhin: Wälder mit standortheimischen Baumarten sind in der Regel am besten angepasst und deutlich widerstandsfähiger gegenüber Stress und Schwankungen. Auch beim Klimaschutz ist unter Fachleuten weitgehend unstrittig: Wenn der Wald seine Funktion als Kohlenstoffsenke behalten soll, brauchen wir resiliente und anpassungsfähige Wälder mit einer Vielfalt an Baumarten, standortangepassten Beständen sowie langfristige Investitionen in den Waldumbau. Diese Investitionen kosten jedoch viel Geld, und viele Waldbesitzer können sie sich alleine nicht leisten. Ein weiteres Risiko nimmt allerdings zu: die Waldbrandgefahr. Die trockenen und heißen Jahre 2018, 2019 und 2022 haben gezeigt, wie stark Waldbrände wieder zunehmen können. Ursächlich sind meist menschliche Aktivitäten. Besonders problematisch sind ehemalige militärische Flächen mit Munitionsbelastung. Dort wird die Brandbekämpfung erheblich erschwert, wie wir es bei der Brandkatastrophe in der Gohrischheide im vergangenen Jahr erlebt haben. Unsere Fraktion hat damals den Antrag eingebracht, munitionsbelastete Flächen systematisch zu beräumen. Dieser Hilferuf für den Wald fand leider kein Gehör. Das bedeutet leider auch: Vermeidbare Waldverluste werden weiterhin in Kauf genommen. Das ist ein falsches Signal. Entscheidend ist, die Wälder langfristig zu stabilisieren. Bei Wiederbewaldung und Waldumbau muss die Baumartenwahl konsequent am Standort ausgerichtet werden, es muss möglichst auf natürliche Verjüngung gesetzt werden. Im Privatwald sind die Handlungsmöglichkeiten der Politik begrenzt. Dort wirken vor allem wirtschaftliche Anreize. Im öffentlichen Wald ist die Situation jedoch eine andere: Das Bundesverfassungsgericht hat mehrfach klargestellt, dass die Holzerzeugung dort nicht im Vordergrund stehen darf. Der Anbau nicht heimischer Baumarten geschieht in der Praxis meist aus wirtschaftlichen Gründen. Ökologisch ist das jedoch hochproblematisch. Der Waldzustandsbericht zeigt außerdem noch etwas: Über verschiedene Waldbesitzarten hinweg sehen wir sehr ähnliche Entwicklungen, begründet unter anderem durch einheitliche gesetzliche Rahmenbedingungen, ähnliche Zertifizierungsstandards, eine gemeinsame historische Entwicklung unserer Wälder und vergleichbare Marktbedingungen. Solange diese Gemeinsamkeiten weiterhin Grundlage der Waldpolitik sind, müssen daraus auch Konsequenzen folgen. Unsere Forderungen sind daher klar. Erstens. Wir brauchen regulatorische Erleichterungen für Holztransporte, um regionale Unterschiede bei Angebot und Nachfrage besser ausgleichen zu können. Zweitens. Die vorhandenen Nutzungspotenziale bei Fichte und Kiefer müssen vorausschauend genutzt werden, insbesondere in besonders anfälligen Beständen. Das kann den Waldumbau beschleunigen und gleichzeitig Holz mit hohem Klimaschutzpotenzial bereitstellen. Drittens. Wir brauchen Modelle, die die Anpassungsleistungen der Waldbesitzer endlich angemessen honorieren, insbesondere im nicht staatlichen Wald. Viertens. Die Vorschläge des Wissenschaftlichen Beirats für Waldpolitik müssen endlich aufgegriffen werden. Dazu gehört insbesondere, entsprechende Maßnahmen in die Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ – GAK – aufzunehmen und ausreichend zu finanzieren. Fünftens. Auch die Förderrichtlinie „Wald und Forstwirtschaft“ des Freistaates Sachsen muss angesichts des Handlungsdrucks deutlich aufgestockt werden. Sechstens. Die systematische Beräumung munitionsbelasteter Flächen muss endlich umgesetzt werden, damit Waldbrände künftig wirksamer bekämpft werden können. Die zentrale und gemeinsame Aufgabe heißt, unsere Wälder so zu entwickeln, dass sie auch in Zukunft ihre wirtschaftlichen, ökologischen und gesellschaftlichen Funktionen erfüllen können. Dann wird uns ein Waldzustandsbericht statt Sorgenfalten ein Lächeln ins Gesicht zaubern können. Vielen Dank. Glück auf! (Beifall BSW) Erste Vizepräsidentin Ines Saborowski: Schönen Dank. Es sprach für die BSW-Fraktion Herr Kollege Lange. Für die SPD-Fraktion folgt Frau Abg. Lang; bitte schön.

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