Frank Peschel
Sehr geehrter Herr Präsident! Werte Abgeordnete! Wir wollen Wirtschaft in Schulen zum Pflichtfach machen – als Basis einer zukunftsorientierten Allgemeinbildung. Warum? Junge Menschen gehen nach zehn, zwölf Jahren Schule in die Ausbildung, ins Studium oder ins Berufsleben. Viele von ihnen glauben, gut für das Leben gerüstet zu sein. Sie wissen aber nicht, was eine Lohnabrechnung bedeutet, wie ein Kredit funktioniert und was Inflation aus ihrem Ersparten macht. Eine solide wirtschaftliche Bildung ist Lebensbildung und Schutz vor Manipulation. Junge Leute treffen heute frühzeitig finanzielle Entscheidungen – sei es der Handyvertrag, der Ratenkauf, Dispokredite oder Onlineshopping. Später folgt die erste Wohnung mit Versicherung und Altersvorsorge. Ohne Grundwissen sind sie leichte Beute für schlechte Verträge, Überschuldung, unseriöse Finanzprodukte oder auch für politische Versprechungen, die ökonomisch nicht tragfähig sind. Wer die Grundlagen nicht kennt, kann nicht urteilen. Wer nicht urteilt, wird gesteuert. Wirtschaftskunde ist daher kein Nice-to-have, sondern ein Schutzschild gegen Schuldenfallen, gegen Abhängigkeiten, gegen den naiven Glauben an kostenlose Leistungen, die am Ende immer jemand bezahlen muss – in Deutschland meist die arbeitende Mitte. Werte Abgeordnete! Sachsen lebt vom Mittelstand, und der braucht Fachwissen und Kompetenz, nicht Ideologie. Unsere Wirtschaft ist nicht abstrakt. Die Wirtschaft, das sind in Sachsen Handwerksbetriebe, Familienunternehmen, Industriedienstleister und Millionen Arbeitnehmer, die jeden Tag Leistung bringen und Werte schaffen. Gerade in Zeiten steigender Insolvenzen und Arbeitslosigkeit, von Bürokratie und hoher Abgabenlast müssen wir alles tun, damit unsere jungen Menschen wirtschaftliche Zusammenhänge verstehen und als Chance begreifen. Ein eigenständiges Fach Wirtschaft vermittelt, was die Schule heute oft nur am Rande oder unzureichend leistet. Wie entstehen Preise und Löhne? Was ist Angebot, was ist Nachfrage? Was bedeutet Produktivität? Warum sollte nur sie die Basis für steigende Löhne sein? Welche Rolle Damit ist das Gesetz einstimmig beschlossen. Der Tagesordnungspunkt ist beendet. Meine Damen und Herren, ich rufe auf Pflichtfach machen – als Basis Allgemeinbildung Antrag der Fraktion AfD spielen Steuern, Abgaben und Sozialversicherungen? Wie funktionieren Unternehmensgründungen, Investitionen und der Wettbewerb? Was bedeutet Globalisierung? Das ist nicht reine Unternehmenspropaganda, nein, das ist die Realität. Wer die Realität versteht, kann verantwortlich handeln: als Arbeitnehmer, als Unternehmer, als Verbraucher, als Bürger oder auch als Volksvertreter. Wir brauchen mehr Nähe zur Praxis. Schule muss auf das echte Leben vorbereiten. Wir erleben häufig, dass Jugendliche von der Schule ins Berufsleben fallen, statt zu starten. Ein Pflichtfach Wirtschaft kann hier Brücken bauen: Grundlagen der privaten Finanzplanung, Verbraucherrechte, Verbraucherhinweise, Vertragsfallen, Steuern verstehen – warum brutto nicht netto ist –, Berufsorientierung mit realistischem Blick auf Branchen, Qualifikationen, Karrierewege. So wird Bildung greifbar, und genau das motiviert. Wer versteht, wofür er lernt, lernt besser. Wohlstand fällt nicht vom Himmel, er muss erarbeitet werden. Es ist die Aufgabe der Schule, jungen Menschen nicht nur Wissen zu vermitteln, sondern auch Grundeinstellungen: Leistung lohnt sich, Verantwortung zählt, soziale Kompetenzen zählen. Wirtschaftliches Handeln hat Konsequenzen – auch Fehlentscheidungen. Wer das begreift, versteht auch, dass Wohlstand nur dann entsteht, wenn Wertschöpfung entsteht, und dass man einen Sozialstaat nur finanzieren kann, wenn eine starke Wirtschaft die Grundlage dafür bildet. Werte Abgeordnete! Ich weiß, gleich hören wir von Ihnen etwas über die Strategie „Bildungsland 2030“, über fächerverbindenden Unterricht, über Querschnittsthemen, über Eigenverantwortung von Schulen und über die sogenannte pädagogische Freiheit des Lehrers. Zukunftsorientierte Bildung fordert aber nicht nur sogenannte Kompetenzen, sie erfordert auch solides Grundwissen in den Lehrplänen. Deshalb halte ich es für unabdingbar, einen Lehrplangipfel einzuberufen. Holen wir alle Vertreter aus den wirtschaftlichen Bereichen an einen Tisch! So fordert die Allianz für Sachsen die Staatsregierung auf – ich darf zitieren –: „Ebenso sollte die frühe Vermittlung unternehmerischen Know-hows stärker forciert werden, um der Jugend nicht zuletzt auch das Werkzeug für eine spätere Selbständigkeit an die Hand zu geben und so das sächsische Unternehmertum nachhaltig zu erhalten.“ Werte Staatsregierung, passen Sie die Lehrpläne den tatsächlichen Notwendigkeiten hier im Land Sachsen an! Streichen Sie die überbordende Ideologie aus den Lehrplänen! Sie frisst unseren Kindern Lernzeit, und satt macht sie in Zukunft auch keinen. Überarbeiten Sie die Lehrpläne so, dass unser Rohstoff Bildung nicht weiter verramscht wird, sondern dass Bildung ein hohes Gut ist, um sich später Aufstiegsmöglichkeiten zu erarbeiten. Es braucht deshalb ein eigenständiges Fach, damit die Wirtschaftsthemen nicht irgendwo zwischen Geografie, Politik und Gesellschaftskunde verschwinden. Wer ernsthaft Fachwissen vermitteln will, braucht Struktur. Wir brauchen Wiederholung, wir brauchen Aufbau und vor allem: Zeit. Besonders das Bildungsziel, sich irgendwo zu positionieren, ist nicht die Herangehensweise – wir brauchen weder Ideologie noch Haltung. Wir brauchen grundsolides Fachwissen für unsere Kinder, um sie später zu mündigen Bürgern zu erziehen. Sie brauchen eine ökonomische Grundausbildung. Werte Abgeordnete! Grundsätzlich ist die ökonomische Bildung als Teil der Allgemeinbildung zu verstehen. Sie ist Voraussetzung für die Entwicklung von Mündigkeit, Urteilsvermögen und Verantwortungsbewusstsein. Viele Jugendliche wissen heute leider wenig über das Funktionieren der sozialen Marktwirtschaft, über Steuern, Kredite und Versicherungen sowie die Faktoren für unternehmerischen Erfolg. Auch die Tatsache, dass Wohlstand auf der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen beruht, ist vielen leider unbekannt. Hinzu kommt ein oft gesteigertes Konsumbedürfnis, welches nicht selten zu einer Überschuldung bereits in jungen Jahren führt. Die Einführung eines Unterrichtsfachs Wirtschaft an den allgemeinbildenden Schulen ist daher dringender denn je. Bitte stimmen Sie unserem Antrag zu. Vielen Dank. (Beifall AfD) Dritter Vizepräsident Prof. Dr. Jörg Scheibe: Wir hörten für die AfD-Fraktion Herrn Abg. Peschel. Als Nächster folgt für die CDU-Fraktion Herr Abg. Dr. Kromer.
