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Jörg Dornau

AfD 04.02.2026 Sitzungen 8/24

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Abgeordnete! Wie viel radioaktiv mutierte Nahrung haben Sie heute schon gegessen? Hatten Sie zum Frühstück eine Grapefruit oder vielleicht einen Teller Pasta zum Mittag? Falls ja, haben Sie Produkte konsumiert, deren Genetik nicht allein durch die Natur entstand. Sie entstand maßgeblich durch radioaktive Strahlung. Nehmen wir die beliebte Pink Grapefruit oder die Hartweizensorte Creso. Letztere ist die Grundlage für einen Großteil unserer Teigwaren. Diese Pflanzen sind Kinder der sogenannten Mutagenese-Züchtung. Ihr Vorgänger, die Sorte Castelfusano – Achtung, Herr Günther –, stammt direkt aus einem Forschungsreaktor, also einem Atomreaktor im Labormaßstab. Man beschoss das Saatgut mit Neutronen und züchtete die unliebsamen Eigenschaften einfach weg, und wenig später wurde diese Sorte ganz offiziell zugelassen. Das tun wir seit Jahrzehnten. Wir beschießen Saatgut mit Gammastrahlen. Wir behandeln es mit chemischen Mutagenen. Das Ziel ist immer gleich: Das Erbgut soll sich zufällig verändern. Wir hoffen auf einen Glückstreffer in dem genetischen Chaos. Das ist gängige Praxis, es ist legal. Es gilt sogar als konventionell, und selbst im Ökolandbau kann es mit Ausnahmen zur Anwendung kommen. Diese Lebensmittel sind sicher. Ich sage das, um einmal Ihre Wahrnehmung zu prüfen. Wir messen hier manchmal mit zweierlei Maß. In fast allen Lebensbereichen akzeptieren wir Innovationen, wenn sie uns nutzen. Wir steigen ins Flugzeug und akzeptieren die kosmische Strahlung. Wir lassen uns beim Arzt röntgen. Wir trinken Mineralwasser mit natürlichen Radionukliden. Wir vertrauen Diabetikern gentechnisch hergestelltes Insulin an. Doch bei der Pflanzenzüchtung ziehen wir eine willkürliche rote Linie. Wir unterscheiden zwischen der guten und alten Radioaktivitätszüchtung und den neuen Verfahren. Wir akzeptieren das genetische Schrotschussprinzip der Bestrahlung, aber wir fürchten das Skalpell der Genschere CRISPR-Cas. Das ist unlogisch. Strahlung und Gentechnik sind Teil unseres Lebens. Schauen wir auf die Realität in unserem Land: Die Struktur der deutschen Pflanzenzüchtung ist einzigartig. Wir reden hier nicht von Großkonzernen. Wir sprechen von etwa 60 mittelständischen Unternehmen. Diese Betriebe sind das Rückgrat unserer Versorgung. Sie bearbeiten 115 Kulturen und stellen über 3 500 Sorten zur Verfügung. Jedes Jahr kommen 250 neue dazu. Das ist ein Pfeiler unserer Ernährungssicherheit. Das sind Familienunternehmen. Sie arbeiten seit Generationen an Pflanzen für unsere Region. Doch diese Unternehmen stehen unter Druck. Die globale Landwirtschaft wartet nicht auf Deutschland. Der Wettlauf um die besten Sorten hat längst begonnen. Unsere Züchter wollen die Öffnung zur Gentechnik. Wir brauchen Pflanzen, die Hitze trotzen, die weniger Wasser brauchen, die resistent gegen neue Schädlinge und Krankheiten sind. Wollen wir diesen Mittelständlern die normalen Werkzeuge verbieten? Machen wir sie durch Überregulierung unbezahlbar? Nur internationale Multis wie Bayer, CORTEVA, Syngenta und CALYXT haben die finanzielle Kraft für teure Einzelzulassungsverfahren; nur sie haben die großen Rechtsabteilungen. Wenn wir die neuen Methoden so teuer und bürokratisch machen wie die alten, stirbt der Mittelstand. Der Zugriff auf den Genpool muss frei bleiben – darin sind wir uns einig. Aber die Antwort darf nicht sein, die Technologie zu verteufeln. Wir müssen das Patentrecht reformieren, aber wir dürfen den Züchtern nicht das Werkzeug wegnehmen. Wir stehen am Scheideweg. Wollen wir das Zufallsprinzip Radioaktivität nur aus Gewohnheit oder wollen wir Präzision? Wollen wir Ressourcen sparen und Erträge sichern? Hören wir auf die Wissenschaft. Geben wir unseren mittelständischen Züchtern eine Zukunft. Sichern wir die Vielfalt auf unseren Tellern. Vielen Dank. Weiteres in der nächsten Runde. (Beifall AfD) Vierter Vizepräsident Albrecht Pallas: Wir hörten Herrn Abg. Dornau von der AfD-Fraktion und setzen in der Aussprache mit der Fraktion BSW fort. Herr Kollege Lange, bitte schön, Sie haben das Wort.

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