Franziska Schubert
Das zu thematisieren, ist für uns als BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Verantwortung. Wir nennen das Mitgefühl mit unseren Mitgeschöpfen. Tierleid ist dabei nur ein Teil des Problems; denn die Umwelt und unsere Gesundheit leiden ebenso durch Feinstaub und chemische Rückstände. Ein großer Teil des Mülls landet übrigens auf Grünflächen und in Gewässern. Die Kommunen, die den ganzen Mist wieder von den Straßen entfernen müssen – die Leute räumen leider ihren eigenen Böllermüll immer seltener weg –, haben Kosten, und das wissen wir. In diesen Zeiten ist das Geld, das anderweitig deutlich besser eingesetzt werden könnte. Es ist zum Fremdschämen, wie erwachsene Menschen ihren Kindern vorleben, dass sie ihren Müll nicht mehr selbst wegräumen müssen. Wie ist die Entwicklung? Eine aktuelle Umfrage des Instituts YouGov vom November 2025 ergab: 63 % der Befragten in Deutschland wollen Silvester kein Feuerwerk zünden, und weitere 13 % halten es für wahrscheinlich, dass sie verzichten. Nur ein kleiner Bruchteil plant sicher, zu böllern; nur 9 % sind gegen Einschränkungen. Als Gründe nennen 52 % das Tierleid, 40 % die Müllproblematik, 32 % die Verletzungsgefahr, 29 % Belastung für Rettungskräfte, Feuerwehr und Polizei und 28 % die Feinstaubbelastung. Bereits im Januar dieses Jahres hat die Deutsche Umwelthilfe gemeinsam mit der Gewerkschaft der Polizei und dem Bundesministerium des Innern mehr als 1,9 Millionen Unterschriften aus zwei Petitionen für ein generelles Verbot privaten Feuerwerks übergeben – eine der größten zivilgesellschaftlichen Mobilisierungen in Deutschland. Bei einer Umfrage der Sächsischen Zeitung/LVZ Anfang des Jahres waren drei Viertel der Sachsen für ein Teil- oder Komplettverbot von Feuerwerk, und bei Civey sind es nach einer Umfrage vom November dieses Jahres 57 %, die ein Böllerverbot befürworten. Diese Zahlen sind für uns mehr als eine Mahnung. Sie sind ein Auftrag, und zwar ein Auftrag an uns alle: dass es an der Zeit ist, Politik im Interesse von Tierwohl, Umweltschutz und öffentlicher Sicherheit zu machen. (Beifall BÜNDNISGRÜNE und Matthias Berger, fraktionslos) Es gibt keinen einzigen vernünftigen Grund, hier nicht zu handeln. – Kommen Sie mir jetzt nicht mit Freiheit. Die Freiheit des Einzelnen geht immer auch mit Verantwortung einher. Alles andere ist blanker Egoismus. Leider verwechseln in unserer Gesellschaft zu viele das eine mit dem anderen. Wir als Gesellschaft entwickeln uns weiter. Diesen Anspruch sollten wir zumindest in moralischer Hinsicht nicht aufgeben. Ethisches Handeln heißt, Leid zu vermeiden, wo wir es können. Nichts spricht dagegen, Traditionen zu bewahren, aber sie gleichzeitig auch weiterzuentwickeln, zum Beispiel durch kontrollierte zentrale Feuerwerke und durch Licht- und Lasershows. Das ist genauso feierlich, aber es ist nachhaltiger, sicherer und verantwortungsbewusster. (Beifall BÜNDNISGRÜNE und Matthias Berger, fraktionslos) Ich erinnere an dieser Stelle auch gern an das deutliche Signal, das aus unserem Nachbarland Tschechien kommt. Dort ist seit dem 1. Dezember 2025 der Verkauf von Feuerwerkskörpern auf Märkten und mobilen Verkaufsständen verboten, ausgenommen die Kategorie F1. Es gilt landesweit ein generelles Abbrennverbot im Umkreis von schützenswerten Einrichtungen. Damit macht Tschechien deutlich, dass das Zünden privater Böller und Raketen nicht mehr als unverrückbare Tradition gilt. Wenn unser Nachbarland diesen Schritt wagt, dann sollten wir uns ernsthaft fragen, warum nicht auch wir. (Beifall BÜNDNISGRÜNE und Matthias Berger, fraktionslos – Zuruf Mike Moncsek, AfD)
