Albrecht Pallas
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Wir wollen im Sport besser werden, wir wollen die Rolle vorwärts schaffen. Ich finde auch: Sachsen ist nicht nur ein Fake-Sportland – Sachsen ist Sportland. Dafür sind die 720 000 Mitglieder im organisierten Sport eine Grundvoraussetzung. Wir wollen die Talentförderung stärken, aber auch die motorischen Fähigkeiten im Allgemeinen. Darin sind sich, denke ich, alle hier im Raum einig. Wie kommen wir dahin? Darüber werden die Meinungen auseinandergehen, und das ist in Ordnung. Darum wollten wir als SPD-Fraktion Vertreterinnen und Vertreter aus der gesamten sächsischen Sportlandschaft nach ihren Meinungen und Ideen fragen und hatten unter dem Titel „Sachsen in Bewegung: Wie gelingt die Rolle vorwärts?“ gestern – wie schon angesprochen – zahlreiche Vertreter/-innen quer durch die Landschaft zu Gast. Wir haben uns mit den Sportfreundinnen und Sportfreunden in vier Schwerpunktthemen auseinandergesetzt: Bewegung in Schule und Kita stärken, junges Engagement im Sport, Inklusion im Sport sowie die Sportstätten der Zukunft. An einigen Ideen würde ich Sie gern teilhaben lassen. Zunächst einmal zur bewegten Schule und Kita. Es klang vorhin schon an. Mit Blick auf den Bildungsplan in Sachsen müssen wir bereits in der Kita mit mehr Bewegung anfangen; nicht irgendwie, sondern mit zielgerichteter, sportlicher Bewegung. Eine Impulsgeberin machte darauf aufmerksam, dass – im Gegensatz zu früher – auf vielen Spielplätzen bewegungsfördernde Geräte wie eine einfache Reckstange oder einfache Klettergerüste fehlen. Ein zweites starkes Thema in der Gruppe war die Beobachtung, dass Erzieherinnen und Erzieher, Lehrerinnen und Lehrer häufig sehr zurückhaltend mit zusätzlichen Angeboten zur Bewegungsförderung sind. Das liege womöglich an der starken Verrechtlichung des Kita- und Schulalltags und einer Unsicherheit, wie weit Pädagoginnen und Pädagogen gehen können. Wir brauchen also Lösungen, wie wir unser pädagogisches Personal stärker zu mehr Bewegungsangeboten für Kinder und Jugendliche ermutigen und ihnen den nötigen politischen wie rechtlichen Rückhalt geben können. Der zweite Schwerpunkt war junges Engagement im Sport. Wie bekommen wir in allen Vereinen Nachwuchs, gerade bei den Trainerinnen und Trainern? Für die Teilnehmenden stand im Vordergrund, dass besonders für junge Menschen neben dem eigenen sportlichen Erfolg und der Gemeinschaft im Verein vor allem Anerkennung und Wertschätzung ihres Engagements wichtig sind. Das beginnt mit positiven Erfahrungen, die sie für ihr eigenes Leben mitnehmen können und vielleicht auch mit dem inneren Seelenfrieden, wenn man sich für andere einsetzt. Es geht aber auch darum, den jungen Menschen im Verein etwas zuzutrauen, sie zu beteiligen, einzubinden, um ihre Meinung zu bitten und ihnen Verantwortung zu übertragen. Es geht ebenso um die gesellschaftliche Anerkennung für junges Engagement. Nicht ohne Grund wurden gestern erneut das Programm „Ehrenamt stärken im Sport“ und die Notwendigkeit einer Bildungszeit für Sachsen angesprochen. Auch beim Thema Inklusion im Sport hat sich ein sehr diverses Bild gezeigt. Der Austausch hat hervorgebracht, dass sich schon richtig viel tut. Wir haben starke Akteure mit dem Sächsischen Behinderten- und Rehabilitationssportverband und den vielen wunderbaren Projekten in ganz Sachsen. Aber wie in der gesamten Gesellschaft haben wir bei der Inklusion auch im Sport noch einen Weg vor uns. Es geht darum, bei allen Akteuren ein Bewusstsein für die Notwendigkeit gleichberechtigter Teilhabe von Menschen mit Behinderung zu schaffen – nicht nur in expliziten Behindertensportvereinen oder dem Verband. Es ist sehr wichtig, was der Behindertensportverband leistet, aber wir wollen, dass Menschen mit Behinderung im Grunde überall Sport treiben können. Darum ist es richtig, was der Kollege Lippmann in Bezug auf eine Olympia-Bewerbung gesagt hat. Es gibt Vereine, wie zum Beispiel in Dresden Motor Mickten, die schon sehr weit sind. In ihrem preisgekrönten Projekt „Move“ werden Menschen mit einer Beeinträchtigung in den verschiedenen Abteilungen des Vereins inkludiert. Wir müssen stetig weiter dafür werben, dass sich weitere Vereine diesem Thema stellen. Zu den Sportstätten der Zukunft: Wie sehen die eigentlich aus? Braucht jede ihren eigenen Platz? Gibt es bessere Lösungen für moderne Sportstätten? Natürlich begann es auch hier mit einem kritischen Blick auf die Haushaltslage. Ich sagte es bereits: Die Sportmilliarde des Bundes und der Sachsenfonds sind wichtig, weil wir die investiven Mittel im aktuellen Haushalt reduzieren mussten. In der Diskussionsrunde wurde klar empfohlen, eine Sportentwicklungsplanung einzugehen, die auf Landesebene beginnt und auf Kreisebene fortgesetzt werden kann, damit wir eben nicht in jedem Dorf das Gleiche haben – ich überspitze jetzt ein bisschen – und stärker kooperieren können. Die Sportstättenstatistik, die wir zusammen mit den GRÜNEN und der CDU in der letzten Legislatur initiiert haben, ist eine gute Grundlage. Daran sollten wir festhalten und sie weiter ausbauen, um genau diesen Überblick zu haben. Das ist der Einstieg in eine Sportentwicklungsplanung. Zweiter Vizepräsident André Wendt: Ihre Redezeit ist abgelaufen.
