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Elaine Jentsch

CDU 29.10.2025 Sitzungen 8/20

Česćeny knježe prezidento! Česćene koleginy a česćeni kolegojo, lubi přitomni! Als Abgeordnete eines Wahlkreises, in dem die sorbische Sprache und Kultur fester Bestandteil des Alltags sind, liegt mir das heutige Thema besonders am Herzen. Ich selbst lerne unter anderem am WITAJ-Sprachzentrum Sorbisch. Je mehr ich mich mit der Sprache beschäftige, desto deutlicher spüre ich: Rěč je za mnje móst k Serbjam, rěč je identita, je domizna. Wer in einer zweisprachigen Region lebt, der weiß, dass Sprache mehr ist als ein Kommunikationsmittel. Sie ist Teil unserer Geschichte und unserer Zukunft. Sie bildet unsere Lebenswelt ab. Darum ist es wichtig, dass wir in Sachsen weiterhin alles dafür tun, die sorbische Sprache lebendig zu halten – nicht nur als Symbol, sondern als gelebte Alltagssprache und als emotionale Heimat der Sprechenden. Mein Kollege Marko Schiemann ist bereits auf das neue Finanzierungsabkommen eingegangen. Ich möchte mich heute vor allem auf die inhaltliche Arbeit konzentrieren, also darauf, was mit Leben gefüllt werden muss: den Zweiten Maßnahmenplan und den kommenden Bericht zur Lage des sorbischen Volkes. Sprache lebt durch ihren Gebrauch. Besonders wichtig ist mir dabei ein Punkt: Sprachräume. Dokelž je rěč tam žiwa, hdźež je słyšomna, hdźež so prosće rěći a tež wužiwa. Sprache lebt nur dort, wo sie gehört, gesprochen und selbstverständlich genutzt werden kann. Diese Sprachräume sind sehr vielfältig: in Kitas und Schulen, in den Gemeinden, in Vereinen, aber auch digital in den Medien und sozialen Netzwerken. Wenn wir die sorbische Sprache stärken wollen, müssen wir solche Sprachräume bewusst fördern – auch und gerade in den Randgebieten des sorbischen Siedlungsgebiets, wo die Zahl der Sprecherinnen und Sprecher kleiner wird; denn dort entscheidet sich, ob Sorbisch auch in Zukunft als Alltagssprache bestehen kann oder nur noch als Symbol existiert. Genau dort setzt der Zweite Maßnahmenplan der Staatsregierung an: ermutigen, beleben, sichtbar machen – das ist der richtige Weg. Viele der im Zweiten Maßnahmenplan beschriebenen Vorhaben befinden sich bereits in der Umsetzung, andere müssen weiterentwickelt werden. Ein gutes Beispiel ist das Servicebüro für die sorbische Sprache in kommunalen Angelegenheiten in Hoyerswerda. Dort werden Städte und Gemeinden im sorbischen Siedlungsgebiet mit Übersetzungen, Beratung und praktischen Tipps, wie Zweisprachigkeit vor Ort gelebt werden kann, unterstützt. Das Beste: Dieses Angebot ist kostenfrei und wird sehr gut angenommen. Das zeigt, dass der Wille zur Zweisprachigkeit da ist, wenn man die richtigen Werkzeuge an die Hand bekommt. Ein anderes Beispiel ist die Imagekampagne „Sorbisch? Na klar!“ Sie trägt die Sprache in den öffentlichen Raum, schafft Sichtbarkeit, Stolz und Neugier – gerade bei jungen Menschen. Die seit 2020 laufende Kampagne wirbt für ein Miteinander von Deutsch und Sorbisch in der Oberlausitz und kann inzwischen auf viele erfolgreiche Kooperationen, Veranstaltungen und spannende Geschichten im Weblog zurückblicken. Ergebnisse aus der Evaluation zeigen deutlich: Die Zustimmung zur Bedeutung der sorbischen Sprache und Kultur sowie zum Gebrauch der Sprache in der Öffentlichkeit ist spürbar gestiegen. 87 % der Befragten halten den Erhalt der Sprache für wichtig und 84 % sehen in der sorbischen Kultur einen Gewinn für die touristische Attraktivität der Regionen. Auch die Akzeptanz, wenn in der Öffentlichkeit Sorbisch gesprochen wird, nahm zu. Diese Kampagne zeigt, dass Sorbisch keine Sprache von gestern ist, sondern Teil eines modernen, weltoffenen Sachsens. Sie ist ein gelungenes Beispiel dafür, wie Wertschätzung und Identität gestärkt werden können. Solche Maßnahmen zeigen, wie breit der Ansatz des Zweiten Maßnahmenplans ist: Er reicht von Bildung und Verwaltung über Medien bis hin zur Digitalisierung und schafft dort Möglichkeiten, wo Sprache gelebt werden kann. Bis Ende November 2025 soll über die fortlaufende Umsetzung und über die Eckpunkte zur Fortschreibung berichtet werden. Das ist ein entscheidender Schritt, um zu erkennen, wo Fortschritte erzielt wurden und wo wir nachsteuern müssen. Diese Transparenz schafft Vertrauen, und sie ist die Grundlage für eine zielgerichtete Weiterentwicklung; denn nur wer weiß, wo er steht, kann den richtigen Weg für die Zukunft finden. Auch der nächste Bericht zur Lage des sorbischen Volkes, der derzeit vorbereitet wird, spielt eine wichtige Rolle. Er ist nicht nur eine Bestandsaufnahme, sondern auch eine Grundlage für die zukünftige Arbeit. Er soll zeigen, welche Maßnahmen wirken, wo Nachbesserung nötig ist und welche neuen Impulse gesetzt werden können – gerade im Hinblick auf Bildung, Kultur, Verwaltung, öffentliche Präsenz und mediale Angebote. Dieser Bericht ist ein Ausdruck gelebter Verantwortung gegenüber dem sorbischen Volk, aber auch gegenüber unserer gemeinsamen sächsischen Identität; denn der Schutz und die Förderung der sorbischen Sprache sind nicht nur Verpflichtung, sondern auch Bereicherung für unser Land. Wir wissen: Die Zukunft der Sprache entscheidet sich in den Köpfen der jungen Generation. Deswegen sind Kitas, Schulen und Hochschulen entscheidend. Dort, wo Kinder von klein auf Sorbisch hören und sprechen, wächst Selbstverständlichkeit. Das setzt gut ausgebildete Lehrkräfte und moderne Lernangebote voraus. Auch in der Verwaltung und den Medien brauchen wir kontinuierliche Unterstützung, um Zweisprachigkeit zu festigen. Eine zweisprachige Beschilderung, ein Formular oder eine Nachrichtensendung in Sorbisch sind mehr als Formalitäten. Sie zeigen: Tuta rěč słuša k nam. Die sorbische Sprache und Kultur sind ein Schatz – nicht nur für die Sorben selbst, sondern für ganz Sachsen. Was in Bautzen, Schleife, Hoyerswerda und den zweisprachigen Gemeinden des Verwaltungsverbandes „Am Klosterwasser“ gepflegt wird, prägt das Gesicht unseres Landes. Deshalb tragen wir alle Verantwortung dafür, dass dieser Schatz erhalten bleibt: durch eine solide Finanzierung, durch Sprachförderung und durch die Anerkennung, dass kulturelle Vielfalt kein Gegensatz, sondern ein Gewinn ist. Liebe Kolleginnen und Kollegen, zum Schluss möchte ich sagen: Die Bewahrung der sorbischen Kultur und Identität gelingt nicht allein durch Gesetze und Abkommen. Sie gelingt, wenn Menschen die Sprache sprechen, singen, lernen und leben. Wenn wir den Gebrauch des Sorbischen im Alltag stärken, sichern wir nicht nur eine Sprache, sondern auch ein Stück gelebte Heimat. Serbska rěč je žiwa, hdyž so wužiwa. A dyrbimy so wo to postarać, zo žiwa wostanje. Ich bitte daher um Ihre Zustimmung. Wutrobny dźak. Herzlichen Dank. (Beifall CDU, SPD und Staatsregierung) Vierter Vizepräsident Albrecht Pallas: Das war Kollegin Elaine Jentsch von der CDU-Fraktion. Gibt es in dieser zweiten Runde weiteren Aussprachebedarf? – Das erkenne ich nicht. Gibt es den Bedarf einer dritten Rederunde? – Das kann ich ebenfalls nicht erkennen. Damit hat nun die Staatsregierung die Möglichkeit, in die Debatte einzugreifen. Frau Staatsministerin Klepsch, bitte schön.

Alle Reden von Elaine Jentsch Protokoll ↗