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Norbert Mayer

AfD 11.09.2025 Sitzungen 8/19

Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Das Thema lautet: „Wiedervereinigung ohne Einheit – Zweite Wende statt Zeitenwende!“. Nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Zukunft gestalten. Deshalb möchte ich kurz daran erinnern, wie es im Jahr 1989 vor der Wiedervereinigung aussah. Als ich mit der Lehre fertig war, habe ich im Prüfgerätewerk Freital gearbeitet. Dort kam es oft vor, dass wir drei Wochen keine Teile hatten, um unsere Prüfgeräte fertigzustellen. In der vierten Woche gab es dann die Teile. Dann wurde mit viel Mühe und Überstunden diese Produktion erfüllt, um den Plan zu erfüllen. Das ist Planwirtschaft. Die Betriebe wurden von der Führung gelobt, wenn sie im Export für 1 Ostmark Aufwand 10 Pfennig West erlösten. Das ist Planwirtschaft. Daraus kann natürlich ganz viel werden, wenn man so effektiv arbeitet. Wie war das mit dem Wohnen in der Planwirtschaft? Die Guten, die Genossen der SED und die Arbeiter aus den Schwerpunktbetrieben, bekamen, wenn sie Glück hatten, eine Neubauwohnung mit Bad und WC. Die Normalos, zu denen auch ich gehörte, hatten, wenn der Staat wollte, die Möglichkeit, eine Wohnung im Altbau mit Kohleofen im Wohnzimmer und Donnerbalken eine halbe Treppe tiefer zu bekommen. Verfallene Häuser und uralte Fenster, das war die Normalität. Diese Zuweisung von Wohnungen, das war doch fragwürdig. Meine Frau, damals hochschwanger, ging zum Amt mit dem Antrag auf Zuweisung einer Wohnung. Da wurde ihr gesagt: „Ihr Kind ist ja noch nicht da. Ihr Kind kann auch noch tot zur Welt kommen. Sie haben kein Recht auf eine Wohnung.“ Das war die sozialistische Fürsorge für die Bürger. Wenn Sie einkaufen gingen, gab es Wartelisten, nicht nur für den Trabant. Auch Waschmaschinen und Kühlschränke konnten Sie nur bekommen, wenn Sie entweder Beziehungen hatten oder auf eine lange Warteliste gesetzt wurden. Gemüseangebot: Weißkohl, Rotkohl, Möhren – das war es dann. (Zuruf Franziska Schubert, BÜNDNISGRÜNE) Reisefreiheit: Wir wissen, wenn man herauswollte aus diesem sozialistischen Wohlfühlstaat, aus dem besten Staat aller Zeiten in Deutschland – das hatten wir schon einmal –, dann gab es Todesschüsse und Stacheldraht. Meinungsfreiheit: In jedem Mietshaus gab es einen Blockwart. In jedem Haus gab es ein Hausbuch. Der Blockwart hieß „Hausvertrauensmann“, der nannte sich ein bisschen anders. (Zuruf BSW) Es gab ein Hausbuch, und dort musste jeder Besucher eingetragen werden, der die Familie besuchte. Der ABV, der Abschnittsbevollmächtigte der Deutschen Volkspolizei, hat das regelmäßig kontrolliert. Man wurde bestraft, wenn man einen Besucher empfing und das dort nicht eintrug. Das war die allumfassende Liebe des Sozialismus, von dem manche hier wieder träumen. Wenigstens gab es 1989 im Unterschied zu heute noch die übergreifende Forderung nach Frieden und nicht nach Kriegstüchtigkeit. Doch irgendwann ist es zu viel an Zumutungen. Die Menschen wollten keine Unterdrückung, sie wollten Freiheit, sie wollten Frieden, sie wollten Eigenverantwortung, und das alles ohne Gewalt. Deswegen sind wir im Herbst 1989 – und auch im Sommer schon – mit Kerzen als Friedenssymbol auf die Straße gegangen und haben die friedliche Revolution begonnen. Ich selbst war mit meiner Frau und meinem Kind am 8. Oktober in Dresden – schwarze Ledermäntel von der Stasi um uns herum, die uns aufforderten, wegzugehen: Wenn sich Gruppen bildeten, wurden diese verhaftet, auf den Lkws nach Bautzen geschafft und dort misshandelt. Friedlicher Kampf für die Freiheit, das war uns wichtig. Bis zum März 1990 waren wir fast jede Woche auf der Straße. Dann war die Mauer gefallen, im November 1989. Herr Schiemann, einen haben Sie vergessen, dem wir zu Dank verpflichtet sind, das ist Michail Gorbatschow. Ohne ihn, ohne seinen Befehl, dass die russischen Panzer in der Kaserne bleiben, wäre das nicht so unblutig ausgefallen. (Beifall AfD) Auch 1990 wurde es in Sachsen spannend. Die Sozialisten wollten eine DDR 2.0, einen weiteren Versuch von Unterdrückung und Sklaverei. Aber viele, die Mehrheit, wollten die Freiheit. Am 18. März war die Volkskammerwahl.

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