Juliane Nagel
Keine Brandmauer…!) Nicht wenige von den Unterzeichnern kamen später in der alten Bundesrepublik vor Gericht: Entweder flüchteten sie vorher oder sie wurden wenig oder gar nicht bestraft. – Das dazu. Das in der Charta postulierte Recht auf Heimat sollte später in den Sechzigerjahren noch für viel Ärger – vor allen Dingen ausgehend von den Linken und der SPD – sorgen, aber dazu komme ich später. Anfang der Sechzigerjahre war man also wirklich auf dem richtigen Weg der Versöhnung und Gleichberechtigung aller. (Rico Gebhardt, Die Linke: Nee! Stimmt nicht!) Im Jahr 1963 gab es ein Grußtelegramm zum großen Deutschlandtreffen – ich zitiere –: „Breslau, Oppeln, Gleiwitz, Glogau, Grünberg, das sind nicht nur Namen, das sind lebendige Erinnerungen, die in den Seelen von Generationen verwurzelt sind und unaufhörlich an unser Gewissen klopfen.“ Und weiter: „Verzicht ist Verrat, wer wollte das bestreiten (…). Das Recht auf Heimat kann man nicht (…) verhökern. Niemals darf hinter dem Rücken der aus ihrer Heimat vertriebenen oder geflüchteten Landsleute Schindluder getrieben werden. Das Kreuz der Vertreibung muß das ganze Volk mittragen helfen.“ Heute undenkbar waren doch zum Beispiel die Unterschriften von Sozialdemokraten wie Erich Ollenhauer, Willy Brandt oder Herbert Wehner. Doch schon Ende der Sechzigerjahre drehte sich der ideologische Wind in Deutschland, jeder kennt zum Beispiel die linken Studentenunruhen. Auf einmal kam die Vokabel „Revanchismus“ ins Spiel. (Rico Gebhardt, Die Linke: Ja, richtig!) In Westdeutschland wurde sie zum Schlagwort kommunistischer Desinformationen. In der DDR hatten wir das besonders vom DDR-Oberhetzer Karl-Eduard von Schnitzler. Einer der wenigen, (Zuruf Rico Gebhardt, Die Linke – Heiterkeit Luise Neuhaus-Wartenberg, Die Linke) – gerade aus SPD-Kreisen –, der dem glaubhaft entgegentrat, war Willy Brandt. Schon die Ankündigung am 20. November 1970, das deutsch-polnische Verhältnis auf eine andere Basis zu stellen, löste bei vielen vertriebenen SPDund FDP-Mitgliedern Schnappatmung aus, sodass sie dann in Folge scharenweise aus diesen beiden Parteien austraten. (Albrecht Pallas, SPD: Das war die Grundlage der Wiedervereinigung, Herr Kollege!) Warum? In seiner Warschauer Fernsehansprache am 7. Dezember 1970 sagte Willy Brandt unter anderem: „Großes Leid traf auch unser Volk, vor allem unsere ostdeutschen Landsleute. Wir müssen gerecht sein: Das schwerste Opfer haben jene gebracht, deren Väter, Söhne oder Brüder ihr Leben verloren haben. Nach ihnen hat am bittersten für den Krieg bezahlt, wer seine Heimat verlassen musste.“ Neben der Tatsache, dass die langjährige Vorsitzende des Bundes der Vertriebenen – – Dritter Vizepräsident Prof. Dr. Jörg Scheibe: Herr Abg. Wiedeburg, Ihre Redezeit ist zu Ende. (Zurufe) Sie können gern in der zweiten Rederunde weitersprechen.
